Sind Menschen mit einer Sehbehinderung besser darin, Bewegungen mit dem Gehör wahrzunehmen?

Eine 2023 erschienene Studie der Universität von Washington hat untersucht, wie sich die Wahrnehmung von Bewegung mittels Gehör bei sehbehinderten und sehenden Personen unterscheidet.

Straßenszene an einer Kreuzung in Manhattan, New York City. Links ein Starbuchs. Über jede Straße führt ein Zebrastreifen mit Gehsteigabsenkung und Aufmerksamkeitsfeld am Gehsteigrand. Im Hintergrund das neue World Trade Center.
Foto von Burst von Pexels

Die akustische Wahrnehmung der Bewegung von Objekten ist von großer Bedeutung und kann Leben retten. Ob es nun ein Tier ist, das den Löwen wahrnimmt, bevor er ins Blickfeld kommt oder ein Mensch, der durch den Verkehr muss – die akustische Wahrnehmung von Bewegung kann Leben retten.

Doch wie verarbeitet das Gehirn Bewegung akustisch? Und können Menschen mit einer Sehbehinderung Bewegungen besser hören als Menschen, die sehen können?

Wie THE CONVERSATION berichtet, haben 2023 die Wissenschaftler:innen der Universität von Washington Woon Ju Park und Ione Fine untersucht, wie sich die Wahrnehmung von Bewegung mittels Gehör bei sehenden und nicht sehenden Personen unterscheidet. Sind blinde Personen besser darin, Bewegungen mit dem Gehör wahrzunehmen und wenn ja, warum?

Das Untersuchungssetting

Sehende und blinde Untersuchungsteilnehmer:innen wurden zunächst gefragt, aus welcher Richtung ein Geräusch kommt. Das sich von links nach rechts bewegende Geräusch war in einer Hintergrundgeräuschkulisse versteckt, diese ähnelte einem Radio-Störgeräusch. Die räumliche und zeitliche Lage des Geräusches veränderte sich zufällig. Es wurde gemessen, wie laut das Geräusch sein musste, damit die Teilnehmenden es heraushören können.

Feststellungen

Es wurde festgestellt, dass sich das Gehör der blinden Teilnehmer:innen nicht von dem der sehenden Teilnehmer:innen unterschied. Allerdings konnten die blinden Personen die Richtung der Bewegung mittels Gehör bei viel leiseren Pegeln bestimmen als die sehenden Teilnehmer:innen.

Menschen, die früh im Leben erblindet sind, können die Bewegung von Objekten in einer lauten Umgebung besser wahrnehmen.

Es wurde auch untersucht, inwiefern plötzliche Geräusche die Fähigkeit der Untersuchungsteilnehmer:innen beeinträchtigten, die Bewegungsrichtung des gesuchten Geräusches zu bestimmen. Sowohl bei sehenden als auch bei blinden Teilnehmer:innen hatten nur die plötzlichen Geräusche am Anfang und am Ende jedes Versuchs einen Einfluss auf die Leistung.

Diese Ergebnisse zeigen, dass Menschen Objekte nicht kontinuierlich anhand von Geräuschen verfolgen: Stattdessen leiten sie die mit dem Gehör wahrgenommene Bewegung der Objekte aus der Position der Geräusche zu Beginn und am Ende ab.

Warum also konnten blinde Menschen Bewegungen mit dem Gehör so viel besser wahrnehmen als sehende Menschen?

Eine weitere Analyse der Auswirkungen von Hintergrundgeräuschen auf die Fähigkeit, gesuchte Geräusche mit dem Gehör zu verfolgen, zeigte, dass blinde Teilnehmer:innen nur von Geräuschimpulsen beeinflusst wurden, die an denselben Orten im Raum und zu denselben Zeitpunkten auftraten wie der Beginn und das Ende des sich bewegenden Geräusches.

Blinde Menschen beherrschen es aber besser, sich auf bestimmte Geräusche zu konzentrieren und weniger wichtige Geräusche auszublenden.

Fazit: Blinde Menschen hören was andere sehen

Sehender Menschen sind es gewohnt, den Sehsinn von Anfang an zu verwenden. Man sieht die Gesichter von Eltern oder bekannten Personen.

Menschen, die sich nicht auf ihren Sehsinn verlassen können, entwickeln andere Möglichkeiten der Wahrnehmung – sie konzentrieren sich auf Geräusche, die sich nähern oder zeigen auf die Richtung, aus der ein Geräusch kommt, wenn sie den Eltern z.B. einen bellenden Hund zeigen wollen.

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  • Komma , Antworten

    09.09.2025, 11:22

    In der Beisetzung vor allem in Überschriften schon.

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