Sind Sonderschulen menschenrechtswidrig?

So bringt der ORF eine derzeit laufende Diskussion treffend auf den Punkt. Der Monitoringausschuss entwickelt gerade eine diesbezügliche Stellungnahme.

Parlament
BIZEPS

„Der Monitoringausschuss, der die Einhaltung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen überwacht, erachtet Sonderschulen als menschenrechtswidrig und fordert deren Abschaffung“, berichtet der ORF und verweist auf eine Sitzung des Ausschusses am 28. April 2010 im Parlament.

Begründet wird dies von der Vorsitzenden des Ausschusses, Marianne Schulze, im ORF-Interview folgendermaßen: „Menschen mit Behinderungen werden aus der allgemeinen Bildung ausgeschlossen, weil es soziale Barrieren gibt – nicht nur physische Barrieren, sondern vor allem Vorurteile und Stereotypen, die dazu führen, dass Menschen mit Behinderungen als anders gesehen werden, anders behandelt werden und deshalb keinen Zugang haben zur gesellschaftspolitischen Mitte und damit auch zu allgemeinen Bildungseinrichtungen.“

Das sei eine Diskriminierung einzig aufgrund des Merkmals einer Beeinträchtigung bzw. einer Behinderung, meint sie und daher eine Verletzung der Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen.

Im Rahmen der öffentlichen Sitzung des Monitoringausschusses am 28. April im Parlament wird auch eine diesbezügliche Stellungnahme („Inklusive Bildung“) erörtert. Ergänzende Informationen sind auf der jüngst online gegangenen neuen Homepage des „Unabhängigen Monitoringausschusses zur Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“ verfügbar.

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0 Kommentare

  • @ Alex Deutsch!
    Zu Ihrem Eintrag vom 9.4.2010 um 23:02 Uhr kamen mir noch weitere Ihre Thesen bestärkende Aspekte in den Sinn, die ich weder politisch Verantwortlichen noch den an diesem Thema interessierten Eltern vorenthalten möchte.
    und nachdem man vor dem, was man nicht kennt, erfahrungsgemäß den meisten
    Respekt und zu dem, was man ebenfalls net kennt, die ehrfürchtigste
    Beziehung aufbaut, ist Ihr Vorschlag auf alle Fälle einer der
    wertvollsten Beiträge zu diesem brandaktuellen Thema.

    Also, bitte lassts doch den Behiiiiiindeeeeeeerteeeen die Stellung der „besonders sondermäßig zu Beschulenden“ Ausserirdischen, Alex, ich glaubs jetzt auch schon, dass Sie sich im Recht befinden.

    Sie stehen ja sozusagen erst am Anfang dieses Genusses. Ich durfte die von Ihnen als vorteilhaft erachtet werdenden Aspekte auch durch sage und schreibe 16 Jahre des Erwachsenenalters hindurch dankbar genießen. Weil die normale Gesellschaft ja so viel Ehrfurcht vor den Behinderten hat, – naja so ist das nun einmal mit etwas, das man nicht kennt und daher der menschlichen Natur entsprechend auch ablehnt – wird sie es nicht einmal realisieren, wenn diese ihre Hilfe dringend benötigen, sie wird ihre Hilferufe ganz einfach ignorieren. Weshalb das jetzt wiederum: Naja, ist alles sehr komplex:

    weil es die Gesellschaft verständlicherweise nicht zu realisieren vermag, dass behinderte, jedoch leider durch Förderung sowie Selbstdisziplin soweit vorwärts zu gelangen und daher in der Lage wären, für sich selbst sorgen und auch Verantwortung übernehmen zu können.
    Das, dass ich mehrfachbehindert bin und man dies nicht sieht komt leider daher, da man mich zu viel gefördert hat; widrigenfalls würde es man mir viel besser ansehen.
    Auf diese Art und Weise wird es Ihnen vermutlich auch am ehesten gelingen, einen bleibenden und rühmlichen Eindruck hinterlassen zu dürfen.
    Und das ist wirklich etwas, das Ihnen als nicht fristgerecht Aus- und Abgesonderter nicht passieren kann, denn da würde es die Gesellschaft nämlich schmerzlich realisieren müssen, dass Sie um sehr viel anders sind als sie auch und dass Sie ihr – was auch vorkommt – in manchen
    Belangen sogar überlegen sein können.
    Und vor allem, Dass Sie im Gegensatz zu so Manchen von ihnen auch bei mitunter vorhandener Begriffsstützigkeit ohnehin niemals nach ganz oben in der Rangordnung gelangen könnten.
    Und um der wertvollen Gesellschaft und ihren Repräsentanten/innen ihrer Elite, angeführt von Vertretern aus Politik, Medizin und Rechtswissenschaft diese schmerzliche Erfahrung weiterhin ersparen zu können, gehe ich mit Alex Deutsch konform und fordere

    Bitte um baldige Umsetzung dieser dringenden Maßnahme! Denn man sieht ja, was herauskommt, wenn man Behinderte auf Selbständigkeit fördert. Nämlich, dass man es ihnen nicht mehr ansieht, dass sie behindert sind.

    Und das ist schade. Denn Behinderte sind behindert!
    Und das sollen sie tunlichst auch bleiben, denn wo käme man denn da hin, wenn man unsere ach so bewährten Wertevorstellungen plötzlich so massiv strapazieren und in Frage stellen dürfte.


  • @Ali: Ihr Eintrag klingt sehr zynisch – ich kann das nicht wirklich beurteilen – Ich kann nur von meinem Wiener Gemeinde-Bezirk berichten, dass die Pflichtschulen genauso von türkischen sowie Familien mit Migrantionshintergrund, als auch von österreichischen Kindern und Eltern sehr wohl angenommen wird. Der Anteil von sogenannten Kindern mit Migrationshintergrund beträgt auch in dieser döblinger Pflichtschule an die 60% habe ich mir sagen lassen. Jetzt steig ich aus dieser Diskussion aus..

  • Hallo!! Sonderschulen sind nicht rechtswidrig. Sie gehören so und so für Behinderte. Behinderte brauchen solche Schulen, da sie in der Integration nie so sein können, wie sie sind und sich die Gesellschaft nicht anpassen kann.
    Für solche Menschen ist es wichtig, dass sie abgesondert leben und nie im normalen Unterrricht und somit nie im normalen Leben integriert sind.
    Integration für behinderte Schüler?

    ICH BIN SELBST BETROFFENER UND KANN DAHER SEHR GUT MITREDEN, DENN MEINE SEELE IST DURCH DIESE AKTION, DASS ICH INTEGRIERT WURDE GESCHÄDIGT WORDEN UND DAHER FÜHLE ICH MICH NICHT WOHL:
    Natürlich nicht, denn wir alle brauchen sehr viel Hilfe und unsere eigene Welt und deshalb ist es überhaupt nicht angebracht, dass man uns in das normale Leben integriert und das schon von Anfang an also Kindergarten, normale Schule und auch später im Beruf, denn wir sind anders und brauchen keine Integration, da wir eben anders sind besondere Bedürnisse haben und jegliche Integration für uns nur anstrengend ist Ich weiß dies aus eigener Erfahrung.. WIR MÜSSEN IN SONDERSCHULEN UNTERGEBRACHT WERDEN UND SPÄTER IN LEHRWERKSTÄTTEN UND DANN IN GESCHÜTZTE WERKSTÄTTEN,DENN SO FÜHLEN WIR UNS WOHL. Leider leider wurde ich von meinen Eltern in eine normale Schule integriert und musste alles erleben und mitmachen, was dort verlangt wurde und wurde auch normal benotet.
    Also WARNUNG nicht nur an die Lehrrer, sondern auch an die Eltern mit behinderten Kindern: Eltern sollen nie ihr behindertes Kind, egal welche Behinderung(en) es hat integrieren und somit nie in den normalen Kindergarten geben, noch dann in die normale Schule, noch später in den Beruf integrieren, denn für all diese behinderten Menschen ist es viel besser, wenn sie in Sonderschulen und später in geschützte Werkstätten untergebracht werden und in Wohnheimen, damit sie von der Außenwelt abgeshirmt sind und nie etwas mit dem normalen Leben zu tun haben.
    ALSO: wie gesagt: KEINE INTEGRATION FÜR SOLCHE MENSCHEN JEGLICHER BEHI

  • Sehr geehrte Frau Barbara Doppler!

    Sie meinten: Ich halte es für schwierig, wenn hier im Zusammenhang mit der Debatte, ob Sonderschulen menschenwürdig sind sich die Diskussion um jene bedauerlichen Kinder drehen für die eine Bildung im schulischen Sinn nicht möglich ist.

    Ich halte Ihre Argumentation auch für schwierig, denn Dieselbe Einstellung galt vermutlich vor 150 Jahren auch für bedauerliche querschnittgelähmte Kinder und Sie werden froh und dankbar dafür sein, dass es irgendwann doch einmal Bestrebungen gegeben hat, die Ihnen den Schulbesuch einer „normalen“ Schule“ und die Ausbildung zu einer Bürotätigkeit ermöglicht haben.

  • @Meia:

    Bloss dass bei mir nicht die Behinderung, sondern die (schlechter zu stellende) „kellerkrüpplige“ Ethnie (oder wollen Sie behaupten die begünstigungs-abweisenden BBK-MitgliederInnen würden EU-Recht nicht kennen?) „eingestuft“ wurde. Wie es halt auch für die „Sonderschulen“ und „Integrationsklassen“ gemacht wird…V o l k s schule halt nur nur fürs österl Volk…Rest: ex und tropp…

  • @Alex Deutsch: Schließe mich der Meinung von Gerti Sladek an – das ist doch eine Verarsche, oder ein Seitenhieb ab das Blindeninstitut im 2. Bezirk..

  • @Alex und @Gertrude: Ja, feinste Sahne!

  • @ Alex Deutsch!
    Es tut mir ausserordentlich leid, aber ich muss es Ihnen ehrlich gestehen, dass ich Ihren „wertvollen Beitrag“ zu einem so ernsten Thema bestenfalls als Satire bezeichnen kann. Als Solches wäre er allerdings genial.

  • Hallo! Unteranderem bin ich blind. Ich habe aber auch andere Behinderungen. Ich bin selbst Betroffener und daher kann ich sehr gut mitreden, was es heißt auf das normale Leben vorbereitet zu werden und sich der Gesellschaft anzupassen.

    Ich bin selbst Betroffener. Also mir kann keiner erzählen, dass es gut ist, uns behinderte Menschen soweit zu bringen, dass wir selbstständig sind, denn es ist anstrengend selbständig zu sein! Der Tagesablauf eines behinderten Menschen ist durch die „Sonderrolle“, Isolation und das Leben in einem wirklichkeitsarmen Raum gekennzeichnet. Dies ist sehr gut und SOLL von ALLEN anerkannt werden, dass wir dies so brauchen und, dass andere Dinge für uns nur belastend sind.
    Wir Menschen mit Behinderung(en) wollen isoliert leben, damit wir nicht mit der Außenwelt konfrontiert werden.
    Auch, wenn es Leute gibt, die das Gegenteil meinen, so ist dies nicht richtig. Denn wir ALLE Menschen mit Behinderung(en) wollen nichts mit der Außenwelt zu tun haben sondern GESCHÜTZT LEBEN.

    Wir wollen nicht aus unserer Behinderung herausgeholt werden, aus unserer Welt, weil wir sonst überfordert sind. WEG MIT INTEGRATION, FÖRDERUNG, und ALLES, WAS UNS VON UNSERER BEHINDERUNG WEGBRINGT.

    Das Blindeninstitut im 2. Bezierk geht GOTT SEI DANK diesen Weg. Gott sei Dank haben diese Leute, die dort Arbeiten erkannt, DASS wir so leben wollen. Hier gibt es Gott sei Dank KEINE Integration. Man soll DIESEN WEG für ALLE Menschen mit Behinderung(en) zulassen! Ich bin selbst Betroffener und leider Gottes integriert!!!

    Alle Menschen haben ein Recht auf Leben, auch behinderte Menschen. Aber, diese Menschen haben eben besondere Bedürfnisse und auf diese muss so eingegangen werden, dass man sie nicht ausgleicht, sondern sie in ihrer Behinderung(en) leben lässt und ihnen das Leben angenehm macht und sie nie auf ein normales Leben vorbereitet, sondern sie immer behütet.

  • @Ali: Das kann ich nicht beurteilen … ich kenne jedoch auch einige österreichische behinderte Personen, die mit der Einstufung ihrer Behinderung nicht zufrieden sind, bzw. „sich über den Tisch“ gezogen fühlen. Es ist auch Glücksache, wer in der so genannten Berufungskommission sitzt.

  • @Meia: Sind das die drei aus der Berufungskommisssion, die mir als Türken trotz mehr als 60 % die Begünstigung verweigert haben?

  • @Martin Ladstätter: Besten Dank! Von den 14 Personen kenne ich drei! Du kannst das sicher besser beurteilen.

  • @meia: Du findest die Namen der Personen unter „Zusammenstellung“ auf der Seite des Monitoringausschusses. http://www.monitoringausschuss.at

  • @Ali: Haben Sie den Artikel wirklich gelesen gelesen oder wollen Sie provozieren? Meine Frage wäre: Wer vertritt die Anliegen der Betroffenen in diesen unabhängigen Monitorigausschuss?

  • @Leitenbauer: Ich schließe mich aus Ihrer „Republik“ vollinhaltlich aus! Zumal sich ja der Artikel auf eine (geförderte?) „Situation“ in Tirol abzielt und es wurde dabei TROTZ ALLEM kein Politiker explizit genannt, was in diesem Zusammenhang allerdings zumindest einer Deckung sich offensichtlich Wiederbetätigender gleichkommt. Daher sind Verdunkelungen bei so heiklen Äußerungen aufs Schärfste zurückzuweisen! Solche halte ich für letztklassig und rufverfälschend!

  • Sehr geehrte Frau Doppler, der Artikel 24 UN BRK unterscheidet explizit nicht nach der von Ihnen behaupteten „Inklusionsfaeigkeit“ von Kindern, vielmehr ist so dass ausschliesslich Eltern lernbehinder Kinder im Namen Ihrer Kinder die geeignete Schulform waehlen duerfen (also weder die Schule noch andere Lehrer/Eltern), denn die Eltern koennen diese Frage grundsaetzlich immer am besten beantworten und handeln im Gegensatz zu Schulen oder anderen Beteiligten IMMER und ausschliesslich im Interesse ihrer Kinder. So wie sie selber, bin auch ich behindert, was uns jedoch unterscheidet ist die Tatsache, dass mein eigener Sohn selbst auch Autist ist, und aus dieser Erfahrung, die ich Ihnen sozusagen voraus habe, kann ich Ihnen sagen, dass mein Sohn in eine Schule fuer Alle sofort eingeschult werden wuerde, sobald diese moeglichkeit endlich geschaffen wuerde. Fuer zusaetzliche Informationen sind sie herzlich eingeladen http://www.noexclusion.com anzusehen :-)

  • @meia. Ich schließe mich Ihrer Replik vollinhaltlich an! Der Artikel zielt auf die Situation in Tirol ab und es wurde dabei kein Politiker explizit genannt. Daher sind Mutmaßungen bei so heiklen Äußerungen aufs Schärfste zurückzuweisen! Dr. Buchinger war vor seinem bundespolitischen Engagement als Sozialminister, Salzburger Landesrat. Sie stellen zwar eine harmlose Frage, ob es Dr. Buchinger war, trotzdem insinuieren sie damit, dass dieser wohl der gemeinte Kommunalpolitiker sein müsse. Das halte ich für letztklassig und rufschädigend!

  • Sehr geehrte Frau Barbara Doppler, ich halte Ihren Eintrag für absolut inakzeptabel, weil Sie eine völlige Exklusion von Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen fordern. Ich habe im Zusammenhang mit dem Bildungssystem noch nie so etwas Diskriminierendes gelesen oder gehört. Das tut mir umso mehr weh, weil Sie als behinderte Person vermutlich über einige Benachteiligungs- Lebenserfahrungen aufgrund Ihrer Behinderung verfügen. Zum Glück spielt ihre Meinung in den gegenständlichen Debatten keine Rolle.

  • @anonym · 9. April 2010 09:15 Uhr: Sie schreiben: „Thread-Beleuchtung:
    „Ein sozialdemokratischer Kommunalpolitiker gab zum Besten, man tue doch heute schon so viel für die Behinderten, beim Adolf habe man sie noch vergast“ — war das Buchinger?“
    Diese Unterstellung disqulifiziert Ihren Eintrag – 1. Buchinger ist kein Komunalpolitiker, 2. Dr. Erwin Buchinger hat selbst ein Kind mit sogenannten „Lernschwierigkeiten“. Als Sozialminister kann man durchwegs Kritik an den Juristen Buchinger üben. Auch die Bestellung als sogenannter „Behindertenanwalt“ ist zu hinterfragen. Jedoch Ihre Unterstellung den SPÖ Pokitikers ist „rechte Eck“ zu stellen ist rufschädigend und infam.

  • Ich halte es für schwierig, wenn hier im Zusammenhang mit der Debatte, ob Sonderschulen menschenwürdig sind sich die Diskussion um jene bedauerlichen Kinder drehen für die eine Bildung im schulischen Sinn nicht möglich ist.
    Wichtig und für ein menschwürdiges Dasein ist die Integration von Kindern, die lernfähig sind und eine Chance haben eines Tages (weitgehend) selbstständig und selbstbestimmt zu leben.
    Ich bin selber 38 und querschnittgelähmt, besuchte eine „normale“ Schule. Bildung, die eine Bürotätigkeit (sitzende Tätigkeit), also kein „Laufereien“ ermöglicht ist extrem wichtig für eine lebenswerte Zukunft.
    Mit Sorge sehe ich, daß Kinder mit schlechten Deutschkenntnissen oder Verhaltensauffälligkeiten in der Sonderschule landen. Das verringert deren Chancen auf eine gute Zukunft und einen Arbeitsplatz. Schulen sollten generell barrierefrei sein und körperbehinderten Kindern, sowie sinnesbehinderten Kindern zugänglich sein!

  • Thread-Beleuchtung:
    „Ein sozialdemokratischer Kommunalpolitiker gab zum Besten, man tue doch heute schon so viel für die Behinderten, beim Adolf habe man sie noch vergast“ — war das Buchinger ?
    Der fürs Verbotsgesetz sonderzuständige Staatsanwalt Karl René Fürlinger: „Häufig müssen Anzeigen zurückgelegt oder Verfahren eingestellt werden, weil dem Verdächtigen kein Wiederbetätigungsvorsatz oder ein Erwecken einer nationalsozialistischen Gesinnung bei anderen nachzuweisen ist.“
    Eh noch alle „Österleicher“ wach, oder was??!

    „Tochter Michaela ist geistig schwerstbehindert“ — das Österleich 1938 aufgedrückte NS-Gesetz zur „Verhütung erbkranken Nachwuchses“ gab sich noch mit der Erfindung von „Kategorien“ „“geisteskrank““ und „“geistig behindert““ zufrieden.

    Gewisse Elternteile scheinen durch diese „rassenhygienischen“ Kategorien erst wohl doppelt erweckt worden zu sein.

  • Nachtrag an Sandra Leitner: Mit Ihrem Satz „Wir sind als Eltern froh, dass unsere Kinder stundenweise die Schule besuchen können“ drücken Sie die Situation sehr treffend aus. In dieser Rolle der „dankbaren“ Almosenempfänger versucht man uns zu halten, da hätte man uns gerne. Von dieser Haltung als eindeutiges Benachteiligungsopfer profitieren aber nur die hoheitlichen Diskriminierer mit ihren ökonomistischen Rechenstiften. Denn es handelt sich dabei eindeutig um indirekte Diskriminierung durch Assoziierung. Sie werden mit diesem „stundenweise“ wirtschaftlich und persönlich gegenüber Eltern nichtbehinderter Kinder substanziell diskriminiert. Einzig aufgrund der Art der Behinderung Ihres Kindes. Das darf nicht so bleiben, das ist rechtswidrig. Wir Betroffenen dürfen das auch nicht als gegeben hinnehmen.
    Noch eine Ergänzung zu den m.E. leider noch notwendigen basalen „Sondergruppen“ für schwerst Mehrfachbehinderte: Das Optimum wäre trotzdem, wenn auch diese jungen Menschen (mit basalem Förderbedarf) in die normale Klassengemeinschaft inkludiert wären, im Falle gegenseitiger Beeinträchtigung aber die Einzelförderung in einem schallmäßig abgetrennten Raum mit Sichtkontakt stattfindet. In manchen Unterrichtsgegenständen, bzw. wenn die Aufmerksamkeit und Aufnahmefähigkeit dies erlauben, sowie in den Pausen die Klassengemeinschaft wieder hergestellt wird. Ich würde das als notwendige Adaptierung im Sinne der UN-BRK ansehen.

  • Liebe Sandra Leitner, ich verstehe Sie sehr gut. Unsere Katja ist mit ihren 22 Jahren auch auf dem Entwicklungsstand eines Säuglings von ganz wenigen Monaten. Bei unseren damaligen Überlegungen betreffend eventueller Integration in eine Integrationsklasse kamen wir auch zur Überzeugung, dass für sie eine S-Klasse, also eine „basale Gruppe“ viel idealer ist. So war es auch. Es darf einzig um die individuellen Bedürfnisse gehen und die sind bei ganz wenigen Menschen, wie vermutlich Ihrer Tochter Michaea auch, darauf gegründet, dass eine intensive Einzelförderung (wie eben bei einem Baby) nötig ist. Die Problematik der gegenseitigen Beeinträchtigung und Verunmöglichung eines gemeinsamen Unterrichts hätte auch bei Katja zugetroffen.
    Wir reden jatzt aber von einer ganz speziellen kleinen Gruppe innerhalb der Kinder mit SPF. In den basalen Gruppen, die wir kennenlernten, haben wir aber auch einige Mitschüler von Katja erlebt, die dort sicher nicht sein hätten sollen und denen dort leider ganz massiv Chancen vorenthalten wurden. Inklusive Bildung ist ein Menschenrecht, der gemeinsame Unterricht Behinderter und Nichtbehinderter muss Standard werden. Die Kompetenzen bisheriger (getrennter) Schulsysteme müssen zusammengeführt werden, es braucht also niemand um seine Arbeitsstelle bangen, im Gegenteil. Eltern müssen auch die Sicherheit haben, dass die intensiven Schutz- und intensiven Einzelförderungsbedürfnisse nicht unter die Reformräder kommen.
    Es wird vermutlich ein kleiner „Rest“ von schwerst mehrfachbehinderten Kindern bleiben, bei dem die Inklusion nicht im gemeinsamen Unterricht möglich sein wird. Aber auch da ist es wichtig, möglichst viele Begegnungen und gemeinsame Aktivitäten untereinander und miteinander zu setzen. Jedenfalls in einer Schule am Wohnort unter einem „gemeinsamen Dach“, wie für alle anderen Kinder auch.

  • Lieber Fraza, ich meine Sie haben sich über Charlotte in eine Fehleinschätzung verrannt, was nur auf mangelnde Informationen beruhen kann. Aus der prinzipiellen Ablehnung von Aussonderungskonzepten und der menschenrechtsbasierten Einforderung des Rechtes auf Inklusion in allen Lebensbereichen haben Sie sich offensichtlich als Mitarbeiter einer Einrichtung sehr angegriffen gefühlt, was absolut nicht nötig wäre. Sie stellen ja nicht die Weichen und ich bin überzeugt, Sie persönlich würden auch massiv von der konsequenten und raschen Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention profitieren.

    Glauben Sie mir, in den zwanzig Jahren der Betreuung unserer Pflegetochter haben wir schon mit sehr vielen BehindertenbetreuerInnen, Einrichtungsleiterinnen, SonderschulpädagogInnen und Helferinnen zu tun gehabt. Wir haben sehr viele positive Erfahrungen gemacht. Es bestand immer ein korrektes bis ausgezeichnetes Verhältnis das sich mit sehr vielen davon auch über Jahre im Nachhinein bis heute fortsetzte. Ich selber würde diese ausdauernde Beziehungspflege nie schaffen. Teilweise reichen Freundschaften bis in die Kindergartenzeit unserer Katja zurück.

    Probleme gab es nur da, wo elementare Interessen unserer Pflegetochter grob missachtet wurden, wo es z.B. um schlimme Verletzungen durch sträflich vernachlässigte Aufsichtspflicht in einer Schule ging und der SPZ-Schulleiter absolut nichts dagegen unternehmen wollte, sondern Katja dafür verantwortlich machen wollte (10 Jahre im Nachhinein ist nun endlich Gerechtigkeit eingetreten). Bei der anderen Geschichte, die ja ausführlich nachzulesen ist, geht es um Gesundheitsverschlechterungen innerhalb kurzer Zeit weil nicht auf uns gehört wurde und um einen fristlosen und ungesetzlichen Pflegeabbruch, weil wir die Mängel aufzeigten und z.B. auf das gesetzlich verbürgte Recht der freien Arztwahl bestanden. Wir haben immer sehr viel auszureden versucht und schriftlich erklärt, bevor es manchmal zu Konfrontationen und Konflikten kam. Da haben wir uns sicher nichts vorzuwerfen.

    Das mit den Stufen haben Sie irgendwie auch völlig falsch verstanden: Mit Verweis auf die Stufen zum Eingang einer neu errichteten Volksschule, sollte ein Kind, welches einen Rollstuhl nutzte, in die ca. 25 km entfernte Sonderschule des Bezirkes eingeschult werden. Und keine Sorge, Charlotte und ich wollen keinesfalls den Menschen vergessen.

  • Liebe Charlotte! Langsam beginne ich sie um ihre Unwissenheit zu bemitleiden. Wenn man sich in etwas so verrennt das man das wesendliche um das es bei Behinderung geht nicht mehr sieht, tut einem das Herz weh. Wie gerne möchte ich ihnen glückliche behinderte Menschen „zeigen“ (aber nicht wie Tiere im Zirkus vorführen). Irgendwann wenn die Zeit gut ist werden sie „SIE“ selbst finden. Und sie werden an die verlorene Zeit zurückdenken die sie in ihren Gram verbracht haben. Versuchen sie auf behinderte Menschen und deren Begleiter so zuzugehen wie sie es sich wahrscheinlich im Innersten wünschen (aber leider noch nicht sagen können).
    Übrigens es liegt in der Natur der Menschen seit Anbeginn Höhenunterschiede mit Leitern (heute gibt es Aufzüge) oder Stufen (heute gibt es Teppenlifter) zu bewältigen. Und wie schon einmal von mir verlautbart, mit Menschen reden und nicht nur immer jammern bringt einem schneller ans Ziel. Ein gut gemeinter Gedanke zum Abschluß, Kämpfen sie weiter für die Rechte von Behinderten, aber vergessen sie nicht den „Menschen“.

  • Meine Tochter Michaela ist geistig schwerstbehindert und auf einem Entwicklungsstand eines 8 Monate alten Babys obwohl sie 9 Jahre alt ist. Außerdem ist sie schwerst autistisch, hat eine Muskelhypotonie, Epilepsie und eine Stoffwechselkrankheit, weswegen sie sonderpädagogischen Förderbedarf hat, und daher in eine Schule für Schwerstbehinderte geht. In ihrer Klasse befinden sich 8 Kinder, die alle so wie sie mehr oder weniger von Behinderung sei es geistig und körperlich betroffen sind.
    Wir sind als Eltern froh, dass unsere Kinder stundenweise die Schule besuchen können, und wären noch niemals auf die Idee gekommen, dass sie durch die Sonderschule von der allgemeinen Schulbildung ausgeschlossen wären, geschweige denn für die Zukunft keine Möglichkeiten hätten, …
    Ich muss betonen, dass unsere Kinder meiner Meinung nach in Klassen wo sie mit gesunden Kindern integriert werden würden, niemals die Betreuung die sie benötigen würden (brauschen oft eine 1:1 Betreuung) bekommen könnten, geschweige denn ich wäre mir sogar ziemlich sicher, dass die anderen „gesunden, lernfähigen“ Kinder durch unsere Beeinträchtigten Kinder abgelenkt wären.
    Man muss bei dieser Debatte schon unterscheiden zwischen schwerstbehinderten Kindern wie ich eines habe, und lernbeeinträchtigten, etwas schwächeren Kindern, die auch in der Lage sein werden, im späteren Leben irgendwann mal auf eigenen Beinen stehen zu können, was bei meinem Kind nie der Fall sein wird, was zwar traurig ist, aber dies ist nun Mal Tatsache. Leider!

  • Nicht nur Sonderschulen, sondern ALLE sonderbaren Anstalten sind meines Erachtens menschenrechtswidrig. Aber es wird noch Jahre dauern, bis in den Ösi – Köpfen diese Erkenntnis kommt, weil es ja so normal ist, wie es jetzt eben ist. Man kann sich einfach nichts anderes vorstellen!
    Heute denken die meisten Leute immer noch so wie Heidi Leitenbauer im Vorposting schreibt, beim Adolf habe man die alle vergast und heute tut man doch eh schon soviel für die Behinderten!! Man sagte in unserer Gegend vor kurzem immer noch den Eltern mit einem Kind im Rollstuhl – sie sehen doch, dass hier Stufen sind, also geht das nicht. In heilpädagogischen Entwicklungsland NÖ dauert alles noch ein bißchen länger als anderswo …
    Eine Situation wie Reutte, wo es meines Wissens schon lange keine Sonderschule mehr gibt, wäre in NÖ undenkbar. Was täte man denn mit all den SPZ Direktoren? Und alles, was da noch alles für Sonderposten zusammenhängend plötzlich überflüssig werden würde?

  • Sonderschulen sind vor allem auch eines, Sackgassen! Damit wird der weitere Weg in Werkstätten und Heimen determiniert. Sozusagen von der Wiege bis zur Bahre eine Sonderbehandlung, ohne Ausstiegsoption und Selbstbestimmung.

    http://www.brandeins.de/archiv/magazin/dummheit-gibts-gratis-die-oekonomie-der-bildung/artikel/soziale-innovation-folge-19-sonderschulfreie-zone.html

    … Im Reutte der achtziger Jahre interessierten sich Politiker, Schulbürokraten und Lehrer nicht für die Forschungsergebnisse an den Hochschulen. „Akzeptieren Sie doch endlich, dass schwerstbehinderte Kinder nicht in die Volksschule gehören“, versuchte man Heinz Forcher abzuwimmeln. Ein sozialdemokratischer Kommunalpolitiker gab zum Besten, man tue doch heute schon so viel für die Behinderten, beim Adolf habe man sie noch vergast. Forcher, ein gradliniger, zuweilen auch herrischer Mann, begann verbal um sich zu schlagen, „mit dem stumpfen Schwert“, und baute Druck auf: „Wenn mein Sohn diese Schulklasse nicht besuchen kann“, forderte er ultimativ, „trete ich in Hungerstreik.“ Um sein Hotel kümmerte er sich kaum noch; er gab es schließlich auf.

    Ernst Forcher, heute 29 Jahre alt, wurde 1985 das erste Integrationskind im Bezirk Reutte und besuchte fortan die Volksschule in Weißenbach. Sein Vater glaubt heute, „dass Lehrer und Behörden letztlich nachgegeben haben, weil es sonst ihrem Ruf geschadet hätte. Ich habe ja keine Ruhe gegeben.“

    Ausgerechnet der Direktor der Sonderschule in Reutte wurde Forchers engster Verbündeter. In Norbert Syrow war im Laufe der Jahre die bittere Erkenntnis gereift, dass seine Schule hauptsächlich Nachschub für die Behinderten-Werkstätten produzierte. „Meine Schüler haben Jahr für Jahr das Gleiche wiederholt und sind dann in die nächste Klasse aufgestiegen, ohne einen nennenswerten Fortschritt gemacht zu haben“, sagt Syrow heute. Die Schwerstbehinderten waren alle in einer Klasse zusammengefasst.