Sozialministerin lässt 40 Mio. Euro liegen

Am 31. Juli 2018 fand zum Thema Verbesserung der Inklusion in der Arbeitswelt eine Pressekonferenz mit Behindertenanwalt Hansjörg Hofer und Vertretern der Bundesarbeitsgemeinschaft „Freie Wohlfahrt“ in Wien statt.

Martin Schenk, Hansjörg Hofer, Erich Finninger
BIZEPS

Das Risiko, von Arbeitslosigkeit betroffen zu sein, ist für Menschen mit Behinderungen dreimal so hoch wie für Menschen ohne Behinderung. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass wenige Menschen mit Behinderungen dem Arbeitsmarkt überhaupt zur Verfügung stehen, ihr Anteil an den arbeitslosen Personen aber doppelt so hoch wie jener der Menschen ohne Behinderung.

Es braucht viel Unterstützung der Öffentlichen Hand für die berufliche Eingliederung von Menschen mit Behinderungen. Der von der Sozialministerin verwaltete Ausgleichstaxfonds, hat durch einen Parlamentsbeschuss im vorigen Jahr rund 40 Mio. Euro jährlich an zusätzlichen Mitteln aus dem Bundeshaushalt zur Verfügung gestellt bekommen. Aus diesem Fonds werden Förderungen für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen finanziert.

Wie werden diese 40 Mio. Euro verwendet?

„Es passiert mit dem Geld nichts, das Geld scheint gehortet zu werden“, kritisiert Behindertenanwalt Hansjörg Hofer.

Die Bundesregierung ist gefordert, ein Maßnahmenpaket zu schnüren, um die hohe Arbeitslosigkeitsrate von Menschen mit Behinderungen zu senken.

Wo liegen die Probleme?

Ebenfalls bedenklich stellt sich die Situation von Menschen mit schwerer Behinderung und einem höheren Unterstützungsbedarf dar, die in Einrichtungen der Tagesstruktur (Werkstätten, die der Beschäftigungstherapie dienen) tätig sind. Sie gelten nicht als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, erhalten daher kein Entgelt und sind nicht voll sozialversichert. Zusätzlich werden diese Menschen ein Leben lang rechtlich als „Kinder“ behandelt werden.

Erich Fenninger (Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt BAG und Direktor der Volkshilfe) meint, man müsse „weg vom Taschengeld, hin zur Entlohnung“.

Ein weiteres Problem ist, dass junge Menschen mit Behinderungen oft vorschnell und ohne ausreichende Prüfung ihrer Stärken und Fähigkeiten im Zusammenwirken von AMS und Pensionsversicherung als „arbeitsunfähig“ abgestempelt.

Diese Menschen bekommen dann keine Hilfe vom AMS oder dem Sozialministeriumservice und sind auf die Beschäftigung in einer Einrichtung der Tagesstruktur angewiesen.

Fähigkeiten und Stärken

Um die Fähigkeiten und Stärken von einem Menschen mit Behinderungen festzustellen, braucht man ausreichend Zeit für praxisorientierte Probephasen. Es wird aber auch Persönliche Assistenz am Arbeitsplatz, das Job Coaching oder die Arbeitsassistenz benötigt.

„Wer früh hilft, hilft doppelt“, fügt Martin Schenk (Stellvertretender Direktor der Diakonie) hinzu.

Denn, wenn die Umstände stimmen, könnten auch Menschen mit hohen Unterstützungsbedarf einem Beruf nachgehen und somit eigenständig und selbstbestimmt Einkommen erwirtschaften.

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3 Kommentare

  • Mein Verdacht ist, das dieses Geld „gesammelt“ wird, um damit die angekündigte Erhöhung des Pflegegeldes ab Stufe 4 zu finanzieren.
    Leider sind von dieser Regierung keine konstruktiven Schritte zu erwarten, weil Kurz viel zu abhängig von seinen Freunden aus der Wirtschaft ist. (Bierer und Kollegen).
    Und da hätte man es sich wirklich sparen können alibihalber zwei Rollstuhlfahrerinnen in den Nationalrat zu verfrachten, von denen zumindest eine wohl nicht den Zweck hat uns zu vertreten, sondern im Notfall Kurz zu verteidigen. (Ich sehe schon die Kommentare: Na wenn die Grünberg als Betroffene meint es past schon, dann wird es schon in Ordnung sein). So kann man die Aufregung in der Öffentlichkeit stark reduzieren.

  • Sehr geehrter Damen und Herrn !
    Spannend ist nur das wir für unsere Fahrtendienstzentrale dringend Mitarbeiter/Innen
    durchaus bevorzugt mit Behinderung suchen und keine bekommen.
    Herr Ladstätter weiss auch darüber Bescheid.
    Für Tips wären wir sehr dankbar
    MfG
    Thomas Haller

    • Na wenn ihr anständige Löhne zahlen würdet, hättet ihr auch Personal.