Spanien ändert Verfassung: „Invalide“ wird zu „Menschen mit Behinderung“

Respektvolle Sprache: Mit der angekündigten Änderung des Artikels 49 der Verfassung verabschiedet sich das Land von dem Begriff "Invalide" und ersetzt ihn durch "Menschen mit Behinderung"

Flagge Spanien
Free-Photos auf Pixabay

In einem längst fälligen Schritt der Inklusion haben Politiker:innen in Spanien kürzlich angekündigt, das Wort „Invalide“ aus seiner Verfassung zu streichen.

Diese Änderung ist das Ergebnis eines zwanzigjährigen Kampfes der spanischen Behindertenorganisationen für mehr Respekt und Gleichberechtigung.

Das Wort „Minusvalidos“ wird ersetzt

Statt von „Invalide“ (Minusválidos) wird in Artikel 49 der spanischen Verfassung künftig von „Menschen mit Behinderung“ die Rede sein.

Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Integration von Menschen mit Behinderungen in die Gesellschaft. Die ursprüngliche Bezeichnung „Minusválidos“, die man auch als „die, die weniger wert sind“ übersetzt werden kann, wurde als herabsetzend und respektlos kritisiert.

Die Notwendigkeit einer respektvolleren Terminologie wurde immer lauter gefordert, und die spanischen Organisationen von Menschen mit Behinderungen führten einen langen Kampf, um diese wichtige Veränderung herbeizuführen. Der Erfolg dieser Bemühungen wird daher sehr begrüßt.

Zustimmung der beiden großen Parteien angekündigt

Für die Änderung war die Zustimmung der beiden großen Parteien erforderlich, der regierenden sozialistischen Partei (PSOE) und der oppositionellen konservativen Volkspartei (PP).

Die Überraschung war groß, als diese beiden Parteien kürzlich einen gemeinsamen Entwurf für die Verfassungsänderung einbrachten. Dieses seltene Beispiel für parteiübergreifende Zusammenarbeit in Spanien zeigt, wie bedeutend und notwendig diese Änderung schien.

Sign - Excepto Minusválido
Elliott Brown / flickr

Diese Verfassungsänderung ist mehr als nur eine sprachliche Anpassung; sie ist ein Zeichen für gesellschaftlichen Fortschritt und Respekt. Sie spiegelt eine veränderte Wahrnehmung und Wertschätzung von Menschen mit Behinderungen in der spanischen Gesellschaft wider und ist ein Schritt auf dem Weg zu einer inklusiveren und gerechteren Gesellschaft.

Im Alltag sieht man aber noch immer den diskriminierenden Sprachgebrauch „minusvalido“. Doch dies wird sich hoffentlich bald ändern.

Auch im Österreichischen Recht gibt es noch „Invalide“

In Österreich spricht man auch nicht mehr von Invaliden, weil dies ähnlich wie bei dem Wort „minusvalido“ von den weniger wert seienden Personen stammt.

Wer allerdings glaubt, dass es im österreichischen Recht das Wort Invalide nicht mehr gibt, irrt. In § 16 des Glücksspielgesetzes wird noch immer von „Invalide“ gesprochen. Eine Änderung wäre zeitnah angebracht.

Nationaler Aktionsplan Behinderung kündigte Arbeitsgruppe an

Laut Nationalem Aktionsplan Behinderung (2022-2030) wurde als Maßnahme Nummer 1 angekündigt, dass ab 2024 mit der Zuständigkeit des Sozialministerium zu erfolgen hat:

Unter Einbeziehung von Expert:innen mit Behinderungen Einrichtung einer Arbeitsgruppe ‚Screening der österreichischen Rechtsvorschriften hinsichtlich inhaltlicher Übereinstimmung mit der UN-BRK‘ – einschließlich Durchforstung der Rechtsordnung in Bezug auf die Verwendung diskriminierender Begriffe und betreffend die Zulassung zu Berufen und Berufsausbildungen.

Diese noch zu gründenden Arbeitsgruppe wird viel zu tun haben.

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2 Kommentare

  • Lieber Martin, wie du ganz unten richtig schreibst, wurde das Wort „minusvalido“ ersetzt – das bedeutet also, das Wort Invalide wurde gestrichen. „Behinderte“ standen nie in der Spanischen Verfassung, sondern immer noch Invalide. Ersetzt wurde es durch „personas con discapacidad“ – was richtig übersetzt wurde mit „Menschen mit Behinderung“. Da es unter Behinderten – wie mir, die ich so von mir spreche – verschiedene Ansichten zum Gebrauch von „behindert“ gibt, ist es journalistisch nicht ganz sauber, den Titel so zu formulieren.

    • Danke Lisa für den Hinweis! Ich habe den Artikel nun geändert.