Spitäler mit Videodolmetschen für Gebärdensprache

Gerade im Spital sind sprachliche Barrieren besonders problematisch. Dies gilt besonders für gehörlose PatientInnen. In einem Pilotversuch wird ab Oktober ein Videodolmetschservice getestet. Mit dabei: die Österreichische Gebärdensprache.

Gebärde für Arzt in Österreichischer Gebärdensprache
ServiceCenter ÖGS.barrierefrei

Reibungslose Verständigung ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung. Die gilt auch für die rund 10.000 gehörlosen Menschen in Österreich. Für diese Gruppe ist die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS) Mutter- bzw. Erstsprache.

„Wenn gehörlose Menschen krank werden, kann der Arztbesuch zum Problem werden. Denn gebärdensprachkompetente ÄrztInnen sind rar und DolmetscherInnen nicht immer rasch verfügbar“, erläutert Mag.a Helene Jarmer, Geschäftsführerin des ServiceCenter ÖGS.barrierefrei.

Gebärdensprache im Arztgespräch

In Gesundheitseinrichtungen gibt es unterschiedliche Lösungsansätze für sprachliche Verständigungsprobleme. Oft werden z.B. Angehörige als DolmetscherInnen eingesetzt. Die Qualität der Kommunikation ist damit nicht garantiert. Unzureichende Kommunikation zwischen Arzt und Patient im Gesundheitswesen führt mitunter zu Mehrfachuntersuchungen, fehlender Therapietreue und somit zu weiteren Komplikationen.

Das Pilotprojekt der Österreichischen Plattform für Patientensicherheit, des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin, des Bundesministeriums für Gesundheit, des Zentrums für Translationswissenschaften und des ServiceCenter ÖGS.barrierefrei, setzt hier an: DolmetscherInnen müssen nicht persönlich vor Ort sein, sondern können unkompliziert per Video jedem Arzt/Ärtzinnen – PatientInnengespräch zugeschalten werden um Kommunikation in Muttersprache zu ermöglichen.

Neben Türkisch und BKS (bosnisch, serbisch, kroatisch) kann das Service in den Ambulanzen auch für ÖGS in Anspruch genommen werden. GebärdensprachdolmetscherInnen des ServiceCenter ÖGS.barrierefrei sind Mo-Fr von 9:00-15:00 Uhr verfügbar.

Teilnehmende Ambulanzen

In Wien nehmen ab 7. Oktober zwei Spitäler des Krankenanstaltenverbundes (Semmelweis-Klinik, Rudolfstiftung) und das St. Anna Kinderspital an dem Pilotversuch teil. Bei der AUVA werden es das Lorenz-Böhler-Krankenhaus und das Meidlinger Unfallkrankenhaus sein.

In Niederösterreich wird Videodolmetschung in der Notfallaufnahme am LK St. Pölten und der psychiatrische Ambulanz des LK Neunkirchen angeboten.

In Linz soll es die Notfallambulanz am AKH sein, die PVA will das System in ihrem Rehabzentrum in Felbring in Niederösterreich und bei der Landesbegutachtungsstelle (Pflege) in St. Pölten erproben. Weiters soll das System auch im steirischen KAGES-Krankenhaus in Leoben (Gynäkologie) getestet werden.

„Das österreichweite Projekt ermöglicht gehörlosen Menschen auch abseits der etablierten Gehörlosenambulanzen barrierefreie Arztgespräche und bestmögliche Behandlung“, so Mag.a Jarmer vom ServiceCenter ÖGS.barrierefrei. „In Krankenhäusern sollte es neben Dolmetschangeboten auch eine verpflichtende Ausbildung für den richtigen Umgang mit gehörlosen Menschen geben. Daneben ist auch eine Förderung von entsprechenden Fächern an der Medizinischen Universität notwendig.“

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