SPÖ-Mitarbeiter diskriminiert Nationalratspräsident Hofer

Ein diskriminierender Text des SPÖ-Mitarbeiters Paul Pöchhacker rief gehöriges Aufsehen hervor. Ein Kommentar.

Krüppel-Tweet von Paul Pöchhacker an Norbert Hofer
Hofer, Ing. Norbert

Zusätzliche Brisanz ergab sich aus dem Umstand, dass der SPÖ-Mitarbeiter Paul Pöchhacker möglicherweise dem Kampagnen-Team von Rudolf Hundstorfer (SPÖ) für die Bundespräsidentenwahl angehören könnte und dieser aktuell auch für Behindertenangelegenheiten im Rahmen der Regierung zuständig ist.

Auf Twitter schrieb Paul Pöchhacker kürzlich öffentlich einen Text „Für Norbert Hofer“ plus einen Link zum „Krüppellied“. Der inzwischen gelöschte Text sah so aus.

Gemeint war mit dem Tweet Ing. Norbert Hofer, dritter Nationalratspräsident im Parlament, der seit einem Unfall im Jahr 2003 körperbehindert ist.

Das „Krüppellied“

In diesem bekannten Wienerlied aus den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts persiflieren Helmut Qualtinger und André Heller die Haltung der Wiener gegenüber behinderten Menschen. (Lied / Liedtext)

Es ist eine Neuinterpretation eines Gedichts von Peter Hammerschlag, der damit u.a. die Gegensätzlichkeit der Wiener Seele beschrieb.

Duden: Krüppel ist stark diskriminierend

„Die Bezeichnung Krüppel gilt als stark diskriminierend“, erklärt der Duden und erläutert, dass es aber in den 80er Jahren Gruppen von behinderten Menschen gab, die den schon damals verpönten Begriff als Eigenbezeichnung und sogenanntes Geusenwort verwendeten.

In Österreich war das beispielsweise das „Forum der Behinderten- und Krüppelinitiativen (BUK)“ – Vorläufer der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung. Zu beachten ist dabei aber unbedingt der Umstand, ob sich Personen einer Gruppe selbst bewusst so nennen – meist, um zu provozieren – oder ob es eine Fremdzuschreibung ist.

Heutzutage wird „Krüppel“ ausnahmslos als Schimpfwort gesehen.

Rundum Empörung

Die Bewertungen dieser Entgleisung waren einhellig. Es wurde von Verspottung, Verhöhnung und Schande geschrieben.

Für die FPÖ ist dies – laut Generalsekretär Herbert Kickl – eine „primitive Herabwürdigung von behinderten Menschen“, die – so ergänzte die FPÖ-Abgeordnete Dr. Dagmar Belakowitsch-Jenewein „nicht auch noch Spott und Hohn von oberster Stelle“ brauchen. Man überlege auch eine Anzeige, wurde bekanntgegeben.

Für den ÖZIV-Burgenland ist der Vorfall ein Zeichen, „dass selbst hochrangige Persönlichkeiten in unserem Land vor öffentlicher Diskriminierung aufgrund ihrer Behinderung nicht gefeit sind“.

Entschuldigungen folgten – und wurden auch angenommen

Sowohl Sozialminister Rudolf Hundstorfer als auch der SPÖ-Mitarbeiter und Verfasser des Tweets, Paul Pöchhacker, entschuldigten sich, „aufrichtig für diese Grenzüberschreitung zwischen Scherz und Geschmacklosigkeit“. Pöchhacker hielt auch fest, dass er niemanden verletzen wollte.

Norbert Hofer nahm die Entschuldigungen an. Rudolf Hundstorfer habe ihm versichert, dass der Mitarbeiter nicht in seinem Wahlkampfteam sein werde.

Wer wird hier verletzt?

Was in der Diskussion bisher unbeleuchtet blieb, ist die Frage, wen dieser Vorfall betrifft. Primär traf die Entgleisung von Paul Pöchhacker natürlich Norbert Hofer und – wenn man es weiter sehen will – auch behinderte Menschen im Allgemeinen.

Unbeachtet, aber häufig mindestens so betroffen davon wie die behinderte Person selbst, sind Angehörige. Dieser Aspekt wird häufig unterschätzt.

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5 Kommentare

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  • Die FPÖ wurde von ehemaligen Nationalsozialisten (mit-)gegründet. Diese Tatsache sollte eigentlich reichen um Ihre Aufregung über den Fall als vorgeschoben zu demaskieren.
    Qualtinger war alles andere als ein Menschenfeind, sehr viele der Freiheitlichen sind es durchaus. Hat sich Herr Strache jemals für seine zahlreichen Ausfälle entschuldigt?
    Wenn die SPÖ gleich klein beigibt, hilft sie damit nur den rechten Zündlern.

  • Würde ein Mensch mit dieser Ausdrucksweise nicht optimal als Mitarbeiter in das Hundsdorfer-Team passen?

  • Also ich möchte ja niemand in Schutz nehmen, schon gar nicht einen Politiker, aber das Lied selbst ist ja eine frühe, politisch hochkorrekte Verhöhnung des goldenen Wienerherzens und nicht der Behinderten. Allenfalls kann man Pöchhacker Naivität vorwerfen, weil er sich ja denken konnte, dass er unabsichtlich oder absichtlich missverstanden würde. Ich habe übrigens seinerzeit auch die Meinung vertreten, der junge FP-Politiker, der im Bierzelt UNSERE EHRE HEISST TREUE geschrien hat, hatte möglicherweise das SS-Motto irgendwo aufgeschnappt, ohne sich unbedingt der Herkunft bewusst zu sein – also bloß ein Ungebildeter, nicht unbedingt ein Neonazi. Aber der politische Gegner (in diesem Fall die SPÖ) stürzt sich natürlich immer gerne auf solche Schwachstellen. Analoge Fälle gibt es genug:

    In Josef Haslingers Roman OPERNBALL (1995) kommen bei einem Giftgasanschlag die gesamte österreichische Regierung, aber auch der rechte Oppositionsführer ums Leben, und das hat die FP damals als Aufforderung zum Mord an Jörg Haider sehen wollen und meiner Erinnerung nach sogar eine Klage erwogen. Ungefähr zur gleichen Zeit hat in Amerika ein Spitzenbeamter ein Budget als „niggardly“ bezeichnet und damit ein altes Wort schottischen Ursprungs verwendet, das nicht mehr häufig verwendet wird und soviel wie geizig, schäbig, knauserig bedeutet. Innerhalb von Stunden musste er sein Büro räumen, weil der politische Gegner „niggerly“ verstehen wollte. Der Mann wurde allerdings später von Sprachwissenschaftlern rehabilitiert und durfte seinen Job wieder aufnehmen. Mehr Gelassenheit auf allen Seiten wäre vielleicht besser.