Statements der Behindertensprecher der GRÜNEN, Theresia Haidlmayr

Anlässlich der Sendung von Freak-Radio, aufgezeichnet am 5.2.2003 zum Thema Pflegescheck statt freie Wahl der Assistenz.

Theresia Haidlmayr
GRÜNE

Freak-Radio: Wird behinderungsbedingter Mehraufwand künftig überhaupt noch finanziert?

Theresia Haidlmayr: Das ist ein völliger Blödsinn! Sie (=die SPÖ, Red.) haben gesagt, sie wollen das Pflegegeld abschaffen, und den Pflegescheck einführen, um erstens die Schwarzarbeit zu reduzieren (also kann der Irrtum nicht so groß gewesen sein, wie sie jetzt tun), sondern sie wollten die Umwandlung des Pflegegelds in eine Sachleistung, und damit die behinderten Menschen wieder in die Abhängigkeit von ambulanten und stationären Einrichtungen bringen, denn sie wollten damit natürlich auch der Volkshilfe und allen ihren parteipolitischen Vereinen dienen – und natürlich auch einen kleinen Vorschuss an die ÖVP leisten fürs Hilfswerk.

Freak-Radio: Wie sollen adäquate Assistenzleistungen künftig aussehen?

Theresia Haidlmayr: Wie das künftig heißen soll, ist mir persönlich egal. Mir ist es nur wichtig, dass es endlich bedürfnisgerecht wird: Denn das derzeitige Pflegegeld ist ja nur ein Zuschuss zu den tatsächlichen Hilfe- Pflege- und Assistenzleistungen, die man braucht. Man muss im ersten Schritt zumindest eine offene Pflegegeldstufe machen, das heißt für mich konkret: Wenn ich nachweisen kann, dass ich mit meinem Pflegegeld in meiner Pflegeeinstufung nicht auskomme, dass ich dann die Differenz ersetzt bekomme. Das muss der erste Schritt sein. Ob und wie das heißt, das ist für mich persönlich und für viele andere unwesentlich.

Freak-Radio: Trennung zwischen behinderten und alten Menschen?

Theresia Haidlmayr: Ich finde das alles so verrückt! Jetzt ältere und behinderte Menschen auseinander zu dividieren! Jetzt sagt man, du bist noch ?jung?, du kannst dein Pflegegeld auf die Hand bekommen ? und jetzt bist du 60 oder 65 und ab morgen ist Ruhe! Das geht nicht: Das Pflegegeld muss für alle gleich sein – unabhängig von Ursache der Behinderung, Intensität der Behinderung und Alter der Person. Denn wenn jemand für sich selbst nicht mehr kompetent ist, dann hat er sowieso in der Regel einen Sachwalter, beziehungsweise bei Minderjährigen in der Regel die Erziehungsberechtigten.

Wenn heute wer glaubt, die alte Oma verwendet das Pflegegeld falsch, weil sie schon so verwirrt im Kopf ist, dann muss man sich halt überlegen, ob man nicht einen Sachwalter organisiert, aber zu trennen und zu sagen, ab diesem Alter gebe ich ihr oder einem anderen das nimmer in die Hand, weil er einfach nicht mehr so weit ist, dass er das selbst organisieren kann, halte ich für einen Wahnsinn!

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0 Kommentare

  • Lieber Günter, diese krausen Ideen tauchen immer wieder auf, leider ist auch der derzeitige Bundeskanzler (wie schon manche vor ihm) sehr schlecht beraten. Zusätzlich zum Pflegegeld etwas tun zu müssen, ist allgemein bekannt und dies würde auch direkt und indirekt Mehrbeschäftigung generieren. Aber diese dringend nötigen und arbeitsmarktpolitisch gebotenen Mehrausgaben nun mittels bevormundender Sachleistungen machen zu wollen entspricht einer Denke des vorigen und vorvorigen Jahrhunderts.
    Ein Ersatz des Pflegegeldes, auch nur teilweise, durch Sachleistungen ist absoluter Nonsens, weil eine „arbeitsrechtliche“ Arbeitsstunde etwa das 10-30- fache einer informellen Stunde kostet. Bei völligem Ersatz der Geldleistungen durch Sachleistungen würden für das Pflegesystem, schon alleine mit dem durch die PG-Einstufung zuerkannten Stundenbedarf, mehr Mittel aufzuwenden sein, als derzeit für das gesamte Gesundheitssystem aufgewendet wird. Wie macht das der Herr Bundeskanzler, jetzt in der Krise? Also mal abwarten, wie er sich das wirklich vorstellt.

  • Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Faymann!!

    Mit großer Bestürzung lese ich das Sie heute bei Ihrer Festrede
    den Vorschlag machten das Pflegegeld zur einer Sachleistung umzuwandeln.

    Arbeitsplätze im Pflegebereich
    Mehrere tausend Arbeitsplätze sollen im Bereich Pflege geschaffen werden. Insgesamt ist Faymann hier der Meinung, dass eine Verlagerung der Geldleistungen zu Sachleistungen stattzufinden habe. So solle es einen Ausbau der Pflegezentren geben, statt nur aufs Pflegegeld zu setzen.
    Um dieses und ähnliche Projekte finanzieren zu können, setzt der Kanzler auf die Verwaltungsreform, die bis Ende der Legislaturperiode 3,5 Milliarden Euro bringen soll. Die Finanzstaatssekretäre werden dazu aufgefordert, vierteljährlich über die Konsolidierung des Staatshaushalts zu berichten.

    Mein Name ist Günter Leonhartsberger bin 47 Jahre und seit meinen 11.Lebensjahr schwer gehbehindert.
    Werde von meiner Frau betreut und möchte auch von keiner anderen Organisation betreut werden.
    Den die kommt um 8 und ist wieder nach einer Stunde weg und kommt dann nochmals am Abend.

    Was ist aber die restliche Zeit wenn ich um 10 Uhr aufs WC muss soll ich dann bis am Abend in der Sch… sitzen oder liegen?Auch möchte ich mich duschen wenn ich will oder mal länger schlafen?

    Es kann schon sein das es für gewisse Betroffene eine Erleichterung ist,aber lassen Sie uns Behinderte wenigstens selbst entscheiden wer uns betreut. Ich glaube es ist immer noch die billigste Lösung. Ich bekomme Pflegestufe 4 also 660 Euro der Plegeaufwand ist ca.6 Stunden am Tag als 660:180=3,60Euro
    also kein Überbezahlter Stundenlohn.
    Aber wir sind zufrieden und für mich das wichtigste ich werde betreut in den eigenen vier Wänden und von meiner Frau vor der ich kein Schamgefühl habe und weiß was ich brauche.

    Bitte Herr Bundeskanzler lassen Sie uns die letzte Würde und die freie Entscheidung. Das Pflegegeld soll weiter eine Geldleistung bleiben!!

    Mit freundlichen Grüßen Leonhartsberger Günte