Ö1 Sendereihe zu 100 Jahre Behindertenbewegung in Österreich: Leben und Wirken von Siegfried Braun
Update: Hier können Sie die vier Beiträge von Ö1 Geschichte nachhören – 7. Dezember 2020, 9. Dezember 2020, 10. Dezember 2020 …
Am 20. Mai 2026 wurde in der Wiener Josefstadt ein „Stein der Erinnerung“ enthüllt. Die Gedenkveranstaltung erinnerte an die „Erste Österreichische Krüppelarbeitsgemeinschaft“ und ihren Gründer Siegfried Braun.
Bei der Enthüllung sprachen Irmtraut Karlsson vom Verein „Steine der Erinnerung Josefstadt“, Astrid Rompolt in Vertretung der erkrankten Stefanie Vasold von der Gemeinderätlichen Kommission für Inklusion und Barrierefreiheit in Wien sowie Martin Ladstätter vom Österreichischen Behindertenrat.
Karlsson erzählte über den Hintergrund der Initiative „Steine der Erinnerung Josefstadt“. Die Initiative erinnert an Menschen, die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurden, und macht ihre Geschichte im öffentlichen Raum sichtbar.
Mit dem Stein wurde an den Einsatz für die Rechte und die Sichtbarkeit behinderter Menschen erinnert. Die „Erste Österreichische Krüppelarbeitsgemeinschaft“ galt als früher Ort der Selbstvertretung und Behindertenpolitik in Wien.

Astrid Rompolt dankte zu Beginn der Veranstaltung der Initiative „Steine der Erinnerung Josefstadt“ für ihre Arbeit und verlas anschließend einen Text von Stefanie Vasold:
Wir enthüllen heute den Stein für Siegfried Braun und die „Erste österreichische Krüppelarbeitsgemeinschaft“. Und dieser Stein erinnert an mehr als an eine historische Organisation.
Er erinnert an einen grundlegenden politischen Gedanken: Dass Menschen mit Behinderungen mehr brauchen als Fürsorge und Versorgung. Dass Menschen mit Behinderungen selbst sprechen, selbst entscheiden und selbst ihre Interessen vertreten müssen.
Zum Abschluss appellierte Rompolt an die anwesenden Bewohner:innen des Grätzls, über die Bedeutung der Erinnerungssteine weiterzuerzählen und die Geschichten dahinter lebendig zu halten.


Martin Ladstätter würdigte in seiner Rede das Leben und Wirken von Siegfried Braun. Braun gründete bereits 1926 die „Erste Österreichische Krüppelarbeitsgemeinschaft“ und setzte sich früh für Rechte, Respekt und Selbstbestimmung behinderter Menschen ein. Sein Motto lautete: „Rechte, nicht Almosen!“
Der Erinnerungsstein am Therese-Schlesinger-Hof (Wickenburggasse 15) sei ein besonders passender Ort, weil sich dort ab 1930 eine Werkstätte der Krüppelarbeitsgemeinschaft befand. Außerdem erinnert der Name des Hofes an die behinderte Frauenrechtlerin Therese Schlesinger.
Ladstätter sprach auch die schwierigen Seiten Brauns an, etwa seine Sturheit und Konflikte mit anderen. Gleichzeitig habe gerade seine Entschlossenheit dazu beigetragen, dass die Anliegen behinderter Menschen überhaupt öffentlich wahrgenommen wurden.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Brauns Arbeit zerstört. Als jüdischer Aktivist und Mensch mit Behinderung wurde er verfolgt, in ein Heim gebracht und schließlich in einem Konzentrationslager ermordet.
Dieser Erinnerungsstein ist kein altes Geschichtsbuch, sondern ein Auftrag für uns alle im Hier und Jetzt.
Der Erinnerungsstein stehe daher nicht nur für das Gedenken an die Vergangenheit, sondern auch für einen Auftrag in der Gegenwart: Ausgrenzung zu bekämpfen, Barrieren abzubauen und für Gleichberechtigung, Würde und den Schutz benachteiligter Menschen einzutreten.

Siehe: BIDOK, Österreichischer Behindertenrat
Update: Hier können Sie die vier Beiträge von Ö1 Geschichte nachhören – 7. Dezember 2020, 9. Dezember 2020, 10. Dezember 2020 …
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