UN-Menschenrechtsausschuss prüft Österreich
Im Rahmen der Vereinten Nationen ist Österreich verpflichtet, den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte (CCPR) einzuhalten. Der Internationale …
Die Problematik ist seit Jahren bekannt und in zahlreichen internationalen Menschenrechtsdokumenten zur Situation in Österreich festgehalten - dennoch erhält sie vergleichsweise wenig öffentliche Aufmerksamkeit.
Frauen mit Behinderungen sind im Bereich Sexualität, Verhütung und medizinischer Eingriffe häufig nicht ausreichend informiert und können Entscheidungen nicht immer selbstbestimmt treffen.
Die Dokumentation „Hauptsache, du kriegst kein Kind“ des Medienprojekts andererseits ist daher wichtig und zeigt: Menschen mit Behinderungen werden in Deutschland und Österreich teils sterilisiert, ohne frei darüber zu entscheiden. Kritisiert werden vor allem mangelnde Aufklärung und fehlende Selbstbestimmung; auch bei der Verhütung.

Diese Erfahrungen bestätigt Elisabeth Udl, Geschäftsführerin der Beratungsstelle Ninlil, im Interview mit BIZEPS: „Frauen*, die zur Beratung bei Ninlil kommen, berichten von ähnlichen Erfahrungen.“
Viele Frauen berichten laut Udl von langfristiger Verhütung, „die ihnen dringend empfohlen wird“, etwa die Drei-Monats-Spritze oder Implantate – ohne ausreichende Möglichkeit, „sich mit der Funktionsweise und Nebenwirkungen auseinanderzusetzen“.
In einzelnen Fällen werde das Ausmaß medizinischer Eingriffe erst später klar: Betroffene erzählen „von Operationen, bei denen ihnen erst nach erfolgtem Eingriff klar wurde, dass es sich dabei um eine nicht umkehrbare Sterilisation gehandelt hat“.
Ein zentrales Problem ist für Udl der fehlende Zugang zu Wissen: „Für Frauen* mit Lernschwierigkeiten gibt es zu wenig Zugang zu Informationen rund um Körper, Sexualität und Frauengesundheit.“
Nötig wären „ausführliche Möglichkeiten der Auseinandersetzung – mit Zeit, Raum für Rückfragen und Wiederholungen, und Unterlagen in Leichter Sprache“. Doch: „All das ist im medizinischen Alltag nicht vorgesehen.“
Dass fehlende Selbstbestimmung im Gesundheitsbereich auch eine menschenrechtliche Dimension hat, zeigt die Prüfung Österreichs durch den UN-Menschenrechtsausschuss. Wie früh und wie umfassend Benachteiligung beginnt, macht auch der Monitoringausschuss-Text über Mädchen mit Behinderungen, die im Gesundheitssystem besonders benachteiligt sind deutlich.
Auch in den Staatenprüfungen Österreichs vor UN-Fachausschüssen wurde das Thema mehrfach Auch in den Staatenprüfungen Österreichs vor UN-Fachausschüssen wurde das Thema mehrfach aufgegriffen.
Markus Schefer vom UN-Fachauschuss bestätigte dies gegenüber andererseits: „Im Rahmen der Staatenprüfung ist deutlich geworden, dass fragwürdige Sterilisations-Praktiken nach wie vor bestehen. Dass Menschen mit Behinderungen sterilisiert werden, ohne dass sie ihre freie, umfassende, persönliche Einwilligung gegeben haben und dass hier entsprechend noch erheblicher Handlungsbedarf besteht.”
Studien und die Dokumentation zeigen ähnliche strukturelle Probleme. Fachleute sehen daher dringenden Handlungsbedarf – vor allem bei verständlicher Aufklärung und der Stärkung selbstbestimmter Entscheidungen. (Siehe auch umfangreiche Informationen des Österreichischen Behindertenrats)
Der Behindertenrat hielt schon 2010 im Bericht an die UNO fest:
Die Praxis zu Sterilisation von Menschen mit Behinderungen spielt sich in einer Grauzone ab, die auf den ungenauen Begriff der „guten Sitten“ und die darauf basierende Einschätzung der ärztlichen Gutachterlnnen zurückzuführen ist. Mangels Vorliegens offizieller Zahlen ist nach wie vor von einer hohen Dunkelziffer von sterilisierten Frauen mit Lernschwierigkeiten im gebärfähigen Alter auszugehen. Es fehlt auch hier vielfach an ausreichender Information und Beratung für Betroffene.
Auch diese wichtige andererseits Dokumentation hat wieder zahlreiche Reaktionen hervorgerufen.
Wichtig wäre jedoch, nicht nur kurzfristig empört oder verwundert zu reagieren, sondern anzuerkennen, dass die von der UN, dem Österreichischen Behindertenrat und dem Monitoringausschuss aufgezeigten Missstände tatsächlich bestehen.
Noch wichtiger ist dann auch konkret etwas zur Verbesserung der Situation zu tun.
Siehe: DerStandard, Tiroler Tageszeitung, NÖN, ORF, Grüne, FmB, Behindertenanwaltschaft, Salzburger Nachrichten, Südtirol News, Kurier
Im Rahmen der Vereinten Nationen ist Österreich verpflichtet, den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte (CCPR) einzuhalten. Der Internationale …
Zum Weltfrauentag am 8. März macht der Unabhängige Monitoringausschuss auf die gravierenden Defizite in der Gesundheitsversorgung von Mädchen und jungen …
Wenn es um Menschen mit Lernschwierigkeiten und Kinderwunsch geht, ist es für die Lebens- und Sozialberaterin Elisabeth Chlebecek wichtig, dass …
Barrierefreiheit sichtbar gemacht: Jede Woche ein Bild, das Erfolge feiert oder Hürden aufzeigt.
Dieser Wegweiser zu öffentlichen Toiletten wurde in Malta gesichtet. Vielen Dank unserer Leserin Elisabeth Chlebecek für dieses Foto!