Suizidprävention: Neue zusätzliche Herausforderungen

Ein wichtiger Beitrag zur Suizidprävention ist der verantwortungsvolle Umgang der Medien mit diesem sensiblen Thema. Ein Kommentar.

Cartoon mit Weggabelung: Medien-Symbole oben, links assistierter Suizid, rechts Palliativ, Pflege und Assistenz als Alternativen.
BIZEPS / ChatGPT, KI-generiert

Am 10. September 2026 beging die WHO gemeinsam mit der IASP den internationalen Tag der Suizidprävention.

Das Thema Selbsttötung ist vor allem für den betroffenen Menschen, der sein Leben beendet hat, sowie für seine Angehörigen, Freundeskreis und Bekannten ein einschneidendes, unumkehrbares Ereignis bzw. für die Hinterbliebenen ein schweres emotionales Trauma.

Suizide sind nach wie vor mit Scham, Ängsten, veralteten – kirchlichen – Wertvorstellungen verbunden.

Ein wichtiger Beitrag zur Suizidprävention ist der richtige Umgang der Medien mit diesem Thema. Siehe dazu den aktualisierten „Leitfaden zu Berichterstattung über Suizid“ des Kriseninterventionszentrums.

Diese Richtlinien wurden erfreulicherweise durch Anmerkungen zur Berichterstattung über assistierten Suizid ergänzt. Leider kam es bis in die jüngste Zeit immer wieder zur Missachtung der Sorgfaltskriterien. Problematisch ist weiters der manchmal tabulose Umgang mit dem Thema auf Social Media.

So wurden/werden Menschen, die zB über ihre schweren Erkrankungen und persönlichen Gedanken zum „assistierten Suizid“ berichten, oft heroisiert und als Vorbild für ein vermeintlich „selbstbestimmtes“ Lebensende verehrt. Das ethisch komplexe Thema des assistierten Suizids bzw. der (in Österreich verbotenen) aktiven Sterbehilfe wird hier simplifiziert und meist einseitig populistisch dargestellt.

Doch gerade der in den letzten Jahren äußerst einseitig geführte Diskurs über das Thema Sterbehilfe hat dazu geführt, dass der „assistierte Suizid“ als die eine wahre, selbstbestimmte und würdevolle Möglichkeit der Lebensbeendigung bei schwerer unheilbarer Erkrankung angesehen wird.

Möglichkeiten der Palliativ- und modernen Schmerzmedizin, der Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Möglichkeiten durch das neue Ärztegesetz kamen zu kurz.

Zu kurz kamen auch die Stimmen von schwer chronisch kranken bzw. behinderten Menschen

Das führte dazu, dass es in Österreich seit 2022 zwar die Möglichkeit der Sterbeverfügung (assistierter Suizid) gibt, jedoch nach wie vor einen eklatanten Mangel in der Langzeitpflege, in der vor allem ländlichen Hospiz- und Palliativversorgung, einen Stillstand in Sachen De-Institutionalisierung, noch immer keinen österreichweiten Rechtsanspruch auf ausreichende, bedarfsgerechte Persönliche Assistenz bei Behinderung.

Durch die multiplen chronischen Krisen haben sich diese Versäumnisse nun gerächt und berühren immer stärker das Existenzrecht von vulnerablen, nicht (mehr) leistungsfähigen Menschen.

  • Es geht nicht darum, vulnerable Menschen grundsätzlich unter eine Glasglocke zu stecken und zu beschützen. Es geht darum, dass es nach wie vor gleichwertige Alternativen zum assistierten Suizid geben muss. Und es geht darum, zu warnen, dass eugenische und utilitaristische Herangehensweisen starken Aufwind erhalten.
  • Es geht darum, dass sich kein Mensch rechtfertigen muss, wenn er mit schwerer Krankheit bis zuletzt in Würde gut leben möchte.
  • Es geht darum, dass sich unsere Gesellschaft nicht dahin gehend verändert, dass es für alle ab 75 Jahre eine sog. Letzte-Wille-Pille gibt.
  • Es geht darum, den bereits begonnenen Wertewandel in unserer Gesellschaft wieder ins Lot zu bringen. Es gibt kein unwertes Leben. Jeder Mensch ist gleich viel wert. Unabhängig davon, ob und in welchem Ausmaß er „Leistung“ erbringt oder nicht.

Natürlich ist die ärztliche Mitteilung einer lebensverändernden Diagnose mitunter ein schwerer Schock, der erst mal verdaut werden muss. Ich verstehe jede Ohnmacht, Wut und Verzweiflung nur zu gut.

Was ich jedoch persönlich für heute noch mitgeben möchte:

Ich habe meine Entscheidung für ein Weiterleben mit all den Diagnosen, Symptomen, Schmerzen, Problemen nicht, nie bereut. Ich habe nur dieses eine Leben.

Ich habe Menschen kennen gelernt, denen ich sonst wohl nie begegnet wäre. Ich habe Erfahrungen gemacht, die mir sonst vielleicht verborgen geblieben wären. Mein Leben ist anders verlaufen, als eigentlich geplant. Doch es war weder fremdbestimmt noch unwürdig.

Ich habe gelernt, mit dieser Herausforderung zu leben. Und gleichzeitig nicht vergessen, was wirklich im Leben zählt.

Die ungebrochene emotionale Unterstützung meiner 2024 verstorbenen Mutter, eine langjährige bis dato anhaltende Freundschaft, die es mir ua ermöglicht (hat), 1 x im Jahr ein Stück weit wieder die Berge erleben zu können, kleine Glücksmomente im Alltag.

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