Symposium „Lebensarten“ – ein Erfahrungsbericht

Am 22. und 23. Oktober 2009 fand im Congress in Graz ein Kongress zum Thema Lebensarten von behinderten Menschen statt. Organisiert wurde diese Veranstaltung durch Alpha Nova.

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Wie dem Programm zu entnehmen ist, gab es nach anfänglichen Vorträgen am Nachmittag Platz fürverschiedene Themengebiete rund um Behinderung und Assistenz.

Ich nahm am ersten Workshop unter dem Titel „Rechtsanspruch oder Bettelstaat“ teil. Inhalt dieses Workshops war es, der Frage nachzugehen, ob wir aktuell (in der Steiermark) eher in einem Bettelstaat leben oder vielmehr durch das aktuelle Behindertengesetz (gut) versorgt sind. Dazu waren folgende Personen eingeladen, die in der so genannten Fishbowl-Methode über diese Fragestellungen diskutierten:

  • Dr. Wolfgang Sellitsch – Lebenshilfe Steiermark
  • Dr. Günther Felbinger – Referat Sozialplanung Land Steiermark
  • Walter Purkarthofer – Referatsleiter Magistrat Graz
  • Gerhard Mosler – Leitung Verein Individueller Hilfebedarf
  • Reinhold Pichelhofer – Leitung Integrative Wohngemeinschaften alpha nova

Für mich auffällig dabei war, dass man der Programmankündigung nicht Rechnung trug, wenn man darin schreibt „Im Steiermärkischen Behindertengesetz sind verschiedenste Rechtsansprüche für Menschen mit Behinderung formuliert. Wir wollen in diesem Workshop der Frage nachgehen, wie die verschiedenen Beteiligten (Betroffene, Behörden, Träger, MitarbeiterInnen, Angehörige, …) die Praxis erleben und beurteilen.“, da im Experten-Team ein Jurist, der Leiter des IHB-Teams und – entgegen der Ankündigung – eine betroffene Mutter Platz fanden.

Dies sollte nun nicht bedeuten, dass ich der Mutter von zwei betroffenen Kindern ihr Expertenwissen absprechen möchte, jedoch war auch ein Gutteil persönliche Assistenz/persönliches Budget ein Thema, welches (naturgemäß) von den verschiedensten Personen unterschiedlich beurteilt wurde. Es war aber anscheinend nicht möglich, Betroffene aus deren Sicht darüber sprechen zu lassen.

Umso lobenswerter fand ich es, dass es möglich war, eine Diskussionsform zu finden, in dem Personen wie ich dennoch die Möglichkeit hatten, die vorhandenen (negativen) Einstellungen zum Thema persönliche Assistenz/persönliches Budget durch eigene Erfahrungen zu widerlegen/zu schildern.

Am nächsten Tag wurde zunächst das Ergebnis der einzelnen Workshops vom Vortag präsentiert, bevor es dann eine Podiumsdiskussion zum Thema „Persönliches Budget – wahre Freiheit oder Mogelpackung?“ gab. Teilnehmende an dieser Diskussionsgruppe waren:

  • Thomas Driesen, Leiter von Alpha Nova
  • Franz Wolfmayr, Präsident der steirischen Behindertenhilfe
  • Siegfried Suppan, Steirischer Behindertenanwalt
  • Sebastian Ruppe, Rollstuhlfahrer und
  • ich, wobei meine Teilnahme eher spontan war, da eine der geladenen Personen kurzfristig verhindert war.

In diesem Zusammenhang sehr löblich und zu erwähnen ist, dass der Diskussionsleiter des Workshops, an dem ich am Vortag teilnahm, sehr wohl daran interessiert war, (mehrere) Meinungen von Betroffenen zu hören.

Was den Inhalt der Diskussion angeht, so empfand ich es als sehr, sehr interessant, die verschiedenen Zugänge, Erfahrungen und Positionen zu hören/zu diskutieren. Weniger positiv empfand ich es, ein bisschen das Gefühl bekommen zu haben, dass das Grundproblem des persönlichen Budgets darin liegt, dass eben nicht jeder Betroffene die notwendigen Kompetenzen/Fähigkeiten mitbringt.

Was ich damit NICHT sagen möchte, ist, dass ich der Meinung bin, dass wirklich jeder betroffene Mensch die notwendigen Kompetenzen mitbringt, gleich wenig glaube ich jedoch, dass es KEINE Personen gibt, die die notwendigen Fähigkeiten/Kompetenzen sehr wohl mitbringen. Man könnte dieses Gedankengut so weit führen, dass man auf die Idee kommen könnte, dass es unter behinderten Menschen keine Juristen, Betriebswirte und sonstige Personen gibt, die diese Kompetenzen haben und/oder sich bereit erklären, diese weiterzugeben.

Es tut mir an dieser Stelle leid, wenn dies tatsächlich eine absolute Unterstellung ist, jedoch werde ich das Gefühl nicht los, dass behinderte Menschen für die Organisationen nur dann interessant sind, wenn diese als Träger und somit wirtschaftliche Zwischeninstanz auftreten können.

Ich würde mir wünschen, dass in derartig harten wirtschaftlichen Zeiten Träger und behinderte Menschen an einem Strang ziehen und ganz offen darüber diskutieren, wer welche Unterstützung (nicht) benötigt.

Auf die Gefahr hin, nun definitiv zu weit in meinem Wunschtraum zu gehen, sollte es im Idealfall möglich sein, gemeinsam allen unterstützungsbedürftigen Menschen jenes System zu geben, welches für sie das richtige ist, ohne dabei Angst zu haben, dass wahre Selbstbestimmung in Form von persönlicher Assistenz automatisch den Verlust in finanzieller Hinsicht darstellt, sondern für eine gewisse Zielgruppe DIE Möglichkeit bietet, wirklich selbstbestimmt leben zu können!

Abschließend noch einen Wunsch an künftige Organisatoren derartiger Veranstaltungen: Um eine möglichst ausgewogene Diskussion zu ermöglichen, wäre es sinnvoll, Moderatoren zu engagieren, die nicht Arbeitnehmer des Veranstalters sind und somit naturgemäß eine gewisse Arbeitgeber-Nähe darstellen (müssen).

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