Tagung: Inklusive Arbeitswelt versus „hocknstad und behindert“

Am 5. März 2019 fand im ÖGB- und Gewerkschaftshaus Catamaran in Wien eine Tagung für Behindertenvertrauenspersonen statt.

Podium zur Diskussion: Österreich - Sind wir gut am Weg?
BIZEPS

Neben Fachvorträgen zum Thema gab es bei dieser Tagung auch ein buntes Rahmenprogramm. Reinfried Blaha verzauberte beispielsweise das Publikum mit eindrucksvollen Reisefotos und Erzählungen (siehe auch diesen Artikel). Sein in die Luft gezeichnetes „Vieles ist möglich“ war eine anspruchsvolle Vorgabe für die folgende Diskussion.

In einer hochkarätigen Podiumsdiskussion „Österreich – sind wir gut am Weg … ?“ wurde blitzlichtartig beleuchtet, mit welchen Herausforderungen Österreich zu kämpfen hat und wo wir schon Schritte zu einem inklusiven Arbeitsmarkt gesetzt haben.

Herbert Buchinger versuchte, den AMS-Algorithmus betreffende Befürchtungen zu entkräften. Auf eine seit 1. März 2019 zur Verfügung stehende neue Inklusionsförderung für Unternehmen verwies Günther Schuster (Sozialministeriumservice). Diese Förderung soll einen „Lückenschluss“ bei bisherigen Förderungen darstellen.

Behindertenanwalt Hansjörg Hofer zeigte die Bedeutung von inklusiver Bildung als Vorstufe einer inklusiven Arbeitswelt auf und Julia Jungwirth (ÖZIV) verwies auf den oft vernachlässigten Aspekt „Gender“ in der Diskussion.

Einig waren sich viele TeilnehmerInnen am Podium – wie häufig bei solchen Veranstaltungen -, dass „die Wirtschaft“ sich dieses Themas nicht ausreichend widmet. Man werde „noch näher an die Unternehmen“ rücken müssen.

Auf den Nutzen und die Wichtigkeit von Persönlicher Assistenz am Arbeitsplatz kam Roswitha Schachinger (WAG Assistenzgenossenschaft) zu sprechen und erklärte diese Unterstützungsleistung, indem sie nicht zuletzt den Mehrwert für Unternehmen unterstrich.

Für den Österreichischen Behindertenverband erläuterte Herbert Pichler anhand von Praxisbeispielen, wo noch deutlicher Verbesserungs- und Abstimmungsbedarf in der öffentlichen Verwaltung besteht. Er hob das deutsche Modell der Schwerbehinderten-Vertretung positiv hervor.

Schade war, dass die Diskussionszeit mit 10 Teilnehmenden etwas zu kurz bemessen war, um ausreichend Raum für Diskussion zur Verfügung zu haben.

Exoskelett
BIZEPS

Einlage zum Faschingsdienstag

Ein skurriles Detail – der ansonsten gut gelungen Veranstaltung – war die Aussage eines Anbieters von Exoskeletten.

Sein Produkt – so hob er hervor – habe den Vorteil, dass man sich bei dessen Verwendung nicht mehr um die Probleme mit dem Denkmalschutz und der Barrierefreiheit kümmern müsse.

Da er diese Aussage am Faschingsdienstag tätigte, wollen wir mal nicht so streng sein.

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3 Kommentare

  • Ich hatte diese Präsentation des Exosklettes durchgeführt und möchte an dieser Stelle erwähnen, dass ich keinster Weise erwähnte, dass man sich nicht mehr um die Probleme der Barrierefreiheit bei denkmalgeschützten Gebäuden kümmern müsse.

    Ich erwähnte dass man, wenn man Besitzer eine solches Exoskelettes ist, man auch in Gebäude gelangen kann, die nicht barrierefrei sind, wie denkmalgeschützte Gebäude (wurde von meinem Vorredner erwähnt), mit der vorhandenen Treppenfunktion des ReWalk-Systems.

    • Genau so steht es oben. Drum steht dort auch „… bei dessen Verwendung …“. Diese völlig Entgleisung hatte nur deswegen keine Konsequenzen, weil es eben der Faschingsdienstag war.

  • In meinem Beratungsalltag erlebe ich immer wieder verzeifelte Betroffene, die jahrelang weder eine adäquate Ausbildung noch einen passenden Arbeitsplatz „ergattern“. Jugendliche sind nach dem Ende der Schule dann plötzlich ohne Perspektive zuhause, was auch für die Angehörigen sehr belastend ist. Zwar gibt es immer wieder Ausbildungsprojekte, diese sind aber meist rasch „ausgebucht“. Zudem sind BEeinträchtigungen vielfältig, was auch eine hohe Felexibilität bei Ausbildungsangeboten voraussetzt. Oft bleiben für die Betroffenen dann nur mehr Angeboten für Fähigkeitsorientierte Aktivität (aber auch hier sind die Wartezeiten in OÖ oft sehr lange!), obwohl hier sicherlich ganz andere Wege gangbar wären. Inklusion ist derzeit nur Illusion -LEIDER!!!!!