3. Woche 2026 – Rollstuhlgerechter Strandweg im Awenda Provincial Park
Im Awenda Provincial Park in Ontario, Kanada, gibt es einen Wanderweg, der auch ein Stück am Strand vorbei führt. Damit …
Mosaiksteine über das Zusammenleben von nichtbehinderten und behinderten Menschen.
Was macht man, wenn man vermittelt bekommt, andern eine Last zu sein?
Ich schätze, viele Menschen mit Behinderung haben schon die Erfahrung gemacht, dass andere es manchmal als Belastung empfinden, auf sie Rücksicht zu nehmen oder sie zu unterstützen. Natürlich passiert einem das nicht immer und auch nicht mit allen Menschen, sondern nur ab und zu.
Vielleicht haben sich andere deshalb manchmal entschieden, nicht mit ihnen, sondern lieber mit Nichtbehinderten ins Kino zu gehen, einen Ausflug zu machen, eine Liebesbeziehung einzugehen, zusammen zu leben, gemeinsam zu verreisen oder etwas anderes zu unternehmen, was mit einer Behinderung vielleicht aufwendiger ist. Oder vielleicht sind sie gleich von vorneherein keinen näheren Kontakt eingegangen, um nicht später für Hilfeleistungen oder Pflege verantwortlich zu sein. Hierbei ist egal, ob der vermutete Aufwand überhaupt real ist oder ob er nur im Kopf der Nichtbehinderten existiert und auf das behinderte Gegenüber projiziert wird.
Meist wird einfach gar nichts dazu gesagt, sondern die betreffende Person wird stillschweigend nicht gefragt, ob sie auch mitkommen möchte etc. So vermeidet man geschickt, Benachteiligungen mittragen zu müssen. Und wenn man jemanden mit einer Behinderung von vornherein nicht fragt, ob sie dabei sein möchte, fällt diese Vermeidungsstrategie noch nicht einmal auf.
Eigentlich ist es für Nichtbehinderte ganz einfach: Wenn sie vermeiden, mit behinderten Menschen Kontakt zu haben und sich anzufreunden, müssen sie sich mit den gesellschaftlichen Barrieren nicht auseinandersetzen. Ein aussonderndes Schulsystem, ein teilweise getrennter Arbeitsmarkt und manchmal noch ein paar andere getrennte Lebensbereiche (Wohnen, Sport, ) tragen das Ihrige dazu bei.
Immer, wenn man von Anderen als Last angesehen wird, besteht die Gefahr, dass sie den Kontakt vermeiden, um der vermeintlichen Belastung aus dem Weg zu gehen. Deshalb kann es nahe liegen, alles zu tun, um bloß nicht zur Last zu fallen.
Ich bin kürzlich bei einer kleinen Feier nicht erwünscht gewesen, weil es für die Gastgeberin eine zu belastende Vorstellung war, wie ich mit meinem Rollstuhl zu ihr in die dritte Etage komme. Zur Vermeidung dieser Belastung hat sie mich nicht eingeladen. Leider war ich so mutig, von mir aus zu fragen, ob ich kommen kann. So oft, wie die Gastgeberin sich in den Vormonaten mit mir hatte treffen wollen, war ich gar nicht auf die Idee gekommen, dass ich nicht erwünscht wäre.
Die Antwort war allerdings, es würde nicht klappen, dass ich komme. Die Gastgeberin hatte noch so viel anderes zu erledigen.
Sie hätte auch wenigstens sagen können: „Du bist willkommen, aber ich habe leider keine Zeit, mich darum zu kümmern, wie Du hier die Stufen hoch kommst.“ Nach dem Motto: Behinderte dürfen dabei sein, wenn sie andern keine Last sind.
Ich hätte gewusst, wie ich auch ohne ihre Hilfe die Treppen hoch kommen kann. Aber die Wahl, ob ich auch ohne ihre Hilfe kommen will, hat sie mir leider nicht gelassen. Der Schutz vor ihrem Gefühl von Überlastung ging vor.
Es ist ja schön, wenn Leute ihre Grenzen sagen können. Aber es ist schade, wenn unsereins in Folge dessen draußen steht, weil es mit der Behinderung für andere eben zu mühsam ist. Pikanterweise ist die Gastgeberin Dozentin in einem behindert-nichtbehinderten Kunstprojekt mit hehren Ansprüchen. Aber anscheinend sieht sie da keinen Widerspruch.
Ich habe mich nach dieser Ausladung ziemlich schlecht gefühlt und war traurig wegen des Gefühls, für andere eine zu große Last zu sein. Und wegen dieser Belastung manchmal unerwünscht zu sein.
Bei dem ganzen Grübeln habe ich weiter überlegt, wie andere Menschen mit Behinderungen mit diesem Problem umgehen.
Ich habe eine ganze Reihe von typischen Erfahrungen und Umgangsweisen gefunden.
Ich kann und will nicht sagen, dass man diese und jene Umgangsweise wählen soll und andere anzulehnen sind. Ich glaube, fast alle haben Vor- und Nachteile. Ich habe mir die Mühe gemacht, diese unterschiedlichen Haltungen zu sammeln, weil ich gut finde, sich bewusst damit auseinander zu setzen, was man tut, um von andern nicht als Last betrachtet zu werden. Danach kann man überlegen, ob man für sich persönlich (noch) die richtigen Strategien hat oder ob man es lieber anders halten würde.
Ich wünsche mir, dass behinderte Menschen all das tun, was sie können. Aber wenn Rücksichtnahme und Unterstützung mal tatsächlich nötig sind – dass wir von andern dann nicht zur Last deklariert werden oder vorauseilend der Kontakt gemieden wird.
Ein gutes Fazit für diesen Artikel wäre, dass man das Recht hat, andere auch mal zu belasten. Weil es normal und unser Recht ist, behindert zu sein und die entsprechenden Rücksichtnahmen und Unterstützung zu erwarten.
Dieser Artikel ist eine Kurzfassung von einem Text, der auch in voller Länge sehr lesenswert ist! Link zur längeren Fassung.
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Im Awenda Provincial Park in Ontario, Kanada, gibt es einen Wanderweg, der auch ein Stück am Strand vorbei führt. Damit …