Test: Die neuen Wiener Kino-Center

Ich habe im November die zwei neuesten Kino-Center Wiens ausprobiert: das UCI Lassallestraße und das Donauplexx/Kinopolis.

Da in den letzten Jahren viele rollstuhlgerechte Kinos zugesperrt haben, hoffte ich, daß diese Neubauten eine Verbesserung der Situation bringen.

Zur Erreichbarkeit mit Öffis (bei der derzeitigen Fahrtendienstsituation besonders wichtig) ist zu sagen:

  • Das UCI ist schlecht zu erreichen, die nächstgelegenen U-Bahn-Stationen haben keinen Lift. Zum Praterstern fährt der Niederflurbus 80 A (ohne Rampe).
  • Kinopolis liegt direkt bei der U1 Kagran, wo es einen Lift gibt.

UCI Lassallestraße
Vom Haupteingang führt eine Rampe ins innere. Für E-Rollis ist die Neigung kein Problem, für Selbstfahrer aber zumindest lästig. Die Kinos selbst sind zwar alle zugänglich, die Rollstuhlplätze sind aber in allen 9 Sälen in der 1. Reihe, da alle Säle den Eingang unten haben. Für Genickstarre ist also gesorgt. Dafür gibt es gleich 2 Rollstuhl-WC´s. Die Lokale im Gebäude sind auch alle zugänglich.

Donauplexx / Kinopolis
Als ich das Kinopolis-Center sehe, habe ich gleich den ersten Schock: etwa 30 Stufen beim Haupteingang. Um’s Eck sieht man durch eine Glastür, daß es einen Lift gibt, der eben zu erreichen ist. Nur leider ist die Tür versperrt. Eine Möglichkeit zum anläuten gibt es auch nicht. Zum Glück bin nicht allein oder mit einem ungeduldigen Fahrtendienstfahrer da, sondern in Begleitung. Ich schick sie rauf, um „Sondierungsgespräche“ zu führen.

Sie kommt zurück, sagt mir, man hat ihr gesagt, der Lift ist kaputt. Netter Versuch, liebe Kinobetreiber. Aber so schnell wird man mich nicht los, ich hab nämlich in der Zwischenzeit von außen gesehen, wie wer mit dem Lift gefahren ist. Also geht meine Begleitung nochmal rauf, fährt mit dem Lift runter, läßt mich von innen rein. Das Frieren draußen hat ein Ende. Juchee!

Das häßliche Plastikambiente des ganzen Komplexes treibt mich in eine Richtung – aufs Rollstuhl-Klo. Dieses kann man nicht auf „besetzt“ schalten, es kann jederzeit jeder reinkommen. Eine gewisse Neigung zum Exhibitionismus sollte man also mitbringen.

Der Saal ist von oben zu begehen, die Froschperspektive der ersten Reihe bleibt einem also erspart. Es ist schon eher eine Storchperspektive, man sitzt höher als alle anderen. Der Storch wird aber arbeitslos bleiben, da Händchenhalten oder sonstige Interaktion mit anderen Kinobesuchern vom Quarantäne-Balkon aus nicht möglich ist.

Jetzt weiß ich, warum die zwei alten von der Muppets Show immer so grantig waren. Nachher entdecken wir noch, daß es auf der Hinterseite einen ebenen Eingang durch ein Lokal gäbe. Ist aber nur ein Notausgang.

An einen Notfall werden sie wahrscheinlich nicht glauben, solange ich nicht das Gebäude anzünde. Wozu ich durchaus Lust hätte. Ziemlich sauer und enttäuscht, daß wieder eine Gelegenheit, behinderten Menschen mehr Freizeitmöglichkeiten zu bieten, gehörig verpfuscht wurde, fahre ich nach Hause. Grindopolis sieht mich nicht wieder.

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