Titelblatt von DATUM

Thema „Sex und Behinderung“ im Magazin „Datum“

Um "Sex und Behinderung" geht es in der aktuellen Ausgabe des Magazins "Datum".

Ein Strumpfhalter mit nur einem Strumpf ziert die Titelseite der aktuellen Ausgabe des Magazins „Datum“. „Datum“ ist ein junges österreichisches Magazin, das zehn Mal im Jahr erscheint. In der April-Ausgabe geht es unter anderem um „Sex und Behinderung“.

Autor Markus Pühringer porträtiert mehrere behinderte Menschen und ihren Umgang mit Sexualität. Dabei steht ein Thema im Vordergrund: Prostitution. Alle im Datum-Artikel Befragten nutzen die Dienste von Huren oder Callboys oder sind selbst als Dienstleister tätig. Da ist zum einen Herr K., der einen E-Rollstuhl nutzt und einiges organisieren musste, bevor er ins Bordell kam. Zu Frauen außerhalb des Milieus findet er nur schwer Kontakt: „Einige Frauen sehen einen Rollstuhlfahrer und nicht den Mann im Rollstuhl“, zitiert ihn Datum. Auch sexuelle Assistenz ist ein Thema des Artikels. Die Sexualbegleiterin Nina de Vries kommt zu Wort.

Pühringer beschreibt in dem Bericht zudem die Erfahrungen von Andrea Mielke, die die Dienste eines Callboys in Anspruch nahm. Sie ist E-Rollifahrerin und auf persönliche Assistenz angewiesen. „Ich habe mir gedacht, das sehe ich jetzt genauso wie ein Bewerbungsgespräch, wie wenn ich eine Assistentin einstellen würde. Es ist auch eine Dienstleistung, es geht halt nicht um Putzen, Kochen, Abwaschen und Assistieren beim Anziehen, sondern um Sex“, sagt Mielke in „Datum“.

Auch wenn der Autor es schafft, dass Thema sehr unaufgeregt und nicht sensationslustig zu beschreiben, hat er offenbar übersehen, dass das Thema „Sex und Behinderung“ nicht nur aus „Prostitution“ besteht. Vielmehr wird der Eindruck erweckt, dass das der einzige Ausweg ist. Wenigstens ein Paar zu Wort kommen zu lassen, hätte dem Artikel gut getan.

Warum einige behinderte Menschen Probleme haben, einen Partner zu finden und dass insbesondere behinderte Frauen davon betroffen sind, wird in dem Artikel nicht deutlich. Auch dass es eine Vielzahl behinderter Menschen gibt, die auch mit Behinderung in glücklichen Partnerschaften leben, darüber verliert der Autor kein Wort. Schade. Dann hätte man nämlich auch der Frage nachgehen können, was es dazu bedarf, welche Rolle die Gesellschaft dabei spielt und welche Faktoren sonst noch wichtig sind. Das Thema Prostitution derart in den Vordergrund zu rücken, führt auch dazu, dass man sich diesen Fragen nicht stellen muss und eine Lösung des Problems greifbar nah erscheint. Dass Prostitution aber – wenn überhaupt – für viele nur eine Notlösung ist, wird in dem Artikel nicht wirklich klar. Die meisten Menschen, auch behinderte Menschen, sehnen sich nach einer Partnerschaft und nicht nur nach Sex. cl

Information: „Datum“ ist in Österreich an mehr als 1000 Verkaufsstellen erhältlich und kostet 4,50 Euro. In Deutschland ist das Magazin am Kiosk leider noch nicht zu haben. Im Abo ist „Datum“ auch außerhalb Österreichs zu beziehen.

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  • Als gehbehindertem Mann wurde mir immer mehr bewusst, dass ich beim anderen Geschlecht chancenlos bin und schlichtweg übersehen werde. Da ich mich aber genau wie ein Nichtbehinderter nach Nähe und Sex sehnte, litt ich darunter oft mehr, als durch mein Handicap. Der Besuch Prostituierter kam für mich aus vielerlei Gründen nicht in Frage. So entwickelte ich mit der Zeit Phantasien und Gefühle, welche quasi aus meiner Not eine Tugend machten: ich genoss und genieße gerade diese körperliche Unterlegenheit und die Ablehnung, welche mir von schönen, sportlichen Frauen vermeintlich oder tatsächlich wiederfährt. Während ich früher aus Scham über meine Beine am Liebsten im Boden versunken wäre, genieße ich heute die verstohlenen Blicke attraktiver Frauen und suche extra deren Nähe. Dies regt meine Phantasien ungeheuer an, auch wenn es leider bisher kaum zu wirklichen Beziehungen kam, welche auch meine Bedürfnisse nach Nähe und Geborgenheit erfüllen konnten.