Tipps für das erste Zusammentreffen mit Kindern mit Behinderungen

Mutter von zwei Kindern im Rollstuhl gibt sieben Tipps für das erste Zusammentreffen mit ihren Kindern. Was ist davon zu halten? Braucht man das? Ein Kommentar.

Viele verschiedene Hände und Füße
Pixabay

Wie soll man nicht behinderte Kinder auf das Treffen mit Kindern mit Behinderung vorbereiten? Dieser Frage widmete sich Kelly Mantoan, die selbst Mutter zweier Kinder mit Behinderung ist.

Inspiriert durch die Anfrage ihrer Freundin, die sich unsicher war, wie ihr nicht behindertes Kind reagieren würde, wenn es das erste Mal auf Mantoans Kinder trifft, die im Elektrorollstuhl sitzen, veröffentlichte Kelly Mantoan auf The MIGHTY sieben Dinge, die man Kindern über andere Kinder mit Behinderungen erzählen kann. Gut gemeint, aber…

Ist das wirklich notwendig?

Zugegeben, die Tipps lesen sich nicht schlecht. Man soll zum Beispiel dafür sorgen, dass Menschen mit Behinderungen zum normalen Bestandteil des Alltags des eigenen Kindes werden. Das ist auch bekannt unter dem Begriff Inklusion. Man könne ja dafür sorgen, dass das eigene Kind Sendungen sieht oder Bücher liest, wo Menschen mit Behinderungen vorkommen.  Dann könne das Kind Fragen stellen, die man möglichst offen beantworten soll.

Zudem sei es natürlich wichtig, dass das Kind Kontakt zu Menschen mit Behinderung hat.

Der nächste Tipp klingt ziemlich seltsam. Wenn man sich nicht sicher ist, wie das Kind auf das Zusammentreffen reagiert, heißt es, solle man ein Foto des behinderten Kindes, das man besucht, herzeigen. Jetzt kann das Kind wieder Fragen stellen.

Wie zum Beispiel: Warum benutzt das Kind einen Rollstuhl? Diese Fragen sollte man ohne großes Aufheben beantworten. Dann solle man das Kind auf Gemeinsamkeiten mit dem behinderten Kind hinweisen: „Schau auf das T-Shirt. Da ist eine Marvel Figur drauf. Die magst du doch auch. Darüber könntet ihr doch reden.“ Würde man seinem Kind auch Bilder von anderen Personen zeigen, die es noch nicht kennt, um es auf ein Treffen vorzubereiten?

Das Nächste sollte selbstverständlich sein. Man solle mit gutem Beispiel vorangehen und den Menschen mit Behinderung wie jedes andere Kind behandeln. Es sei zum Beispiel nicht notwendig, das behinderte Kind unnötig zu loben. Auch solle man die Behinderung nicht als Krankheit betrachten.

Zum normal Behandeln gehört auch, sagt Mantoan, dass man dem Kind mit Behinderung beim Spielen nicht alles durchgehen lässt. „Du musst nicht immer tun, was mein Sohn sagt, nur weil er behindert ist.“ Ich glaube diesen Punkt machen sich Kinder in der Regel selbst aus.

Wir alle wissen, wie faszinierend Rollstühle für Kinder sein können. Laut Mantoan solle sich das Kind aber nicht auf das Hilfsmittel konzentrieren und dieses keinesfalls anfassen, da es wie ein Körperteil des Kindes wäre. Rollstühle können durchaus eine Möglichkeit sein, ins Gespräch zu kommen. Anfassen ist meiner Meinung nach schon möglich, natürlich nur mit Absprache mit dem Rollstuhlbesitzer oder der Rollstuhlbesitzerin.

Der letzte Tipp ist der einzige, mit dem ich mich anfreunden kann. Wenn man Menschen für das Thema Behinderung sensibilisieren möchte, sollte dies durch Menschen mit Behinderungen geschehen. Nur eine Gruppe Jugendlicher in Rollstühle zu setzen, lässt diese nicht verstehen, was ein Leben mit Behinderung bedeutet, sagt Mantoan. Dem stimme ich absolut zu.

Fazit

Die Tipps sind gut gemeint, stellen aber das, was sie eigentlich wollen, selbst in Frage, nämlich dass das Kind mit Behinderung wahrgenommen wird wie jedes andere. Würde das Kind wahrgenommen werden wie jedes andere, bräuchte man dann vor einem Treffen eine Liste von Tipps, wie man ein nicht behindertes Kind auf das Zusammentreffen vorbereitet?

Macht man dann damit nicht erst recht aus einer völlig normalen Situation, nämlich dem Zusammentreffen von Kindern, etwas Seltsames, auf das man jemanden vorbereiten muss? Unterstellt man damit nicht schon im Vorhinein, dass das nicht behinderte Kind durch die Situation verunsichert sein wird und einen Fehler machen wird?

Und wenn mal die eine oder andere Frage kommt, ist das wirklich so schlimm? Wäre es nicht sinnvoller, die Situation einfach laufen zu lassen und zu sehen, was diejenigen, die es betrifft, nämlich die Kinder, daraus machen?

Zu aller Letzt wäre es vielleicht sinnvoll, dem letzten Tipp zu folgen und anstatt mögliche Fragen schon vorab zu beantworten, den Menschen mit Behinderung selber antworten lassen.

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