Tirol: Die Vernunft hat doch gesiegt – Lift wurde eingebaut

Der Bürgermeister von Pians sah nicht ein, warum die Hauptschule einen Lift benötigt. "Zum Lifteinbau in der Hauptschule Pians lässt sich nun ein Erfolg feststellen", informiert Gerhard Walter (SLI) gegenüber BIZEPS-INFO.

Ortschild mit Aufdruck Tirol
BilderBox.com

„Vor mehr als 2 Jahren“ hat ORF-Tirol in der Reihe „Ein Fall für Motz“ von einem Volksschüler, der einen Rollstuhl benützt und bald die Hauptschule von Pians besuchen sollte, berichtet. Doch diese Hauptschule hatte zwar einen Liftschacht, aber keinen Lift, erinnert ORF-Tirol im Erfolgsbericht am 7. Dezember 2008.

Da in dieser Schule ein größerer Umbau bevorstand, sollte der Lift auch gleich eingebaut werden. Die Eltern, der Direktor und das Bundessozialamt unterstützen den Lifteinbau. Doch der Bürgermeister war aus Kostengründen gegen den Lifteinbau und es wurde eine Treppenraupe angeschafft.

Ungeeignete Treppenraupe

„Gegen die Treppenraupe spricht, dass das Kind die Treppenraupe nicht selbstständig fahren kann“, meinte Mag. Walter Guggenberger, Leiter der Landesstelle Tirol des Bundessozialamtes. Der Direktor Hauptschule führte einen weiteren Nachteil an: Der Schüler würde 8 Minuten benötigten um in das oberste Geschoss zu gelangen.

Land zahlt zwei Drittel der Kosten

Das Land Tirol hat nun dem peinlichen Schauspiel ein Ende gesetzt. Um dem Streit ein Ende zu bereiten, hat das Land Tirol zwei Drittel der Kosten des Lifteinbaus übernommen. Den Rest brachten die Schulerhalter – die Gemeinden Pians, Stanz, Grins, Tobadill, Strengen – auf.

Vorgeschichte

Schon im Jahr 2006 beschäftigte dieser Diskriminierungsvorfall aus Tirol die Medien. Wir berichteten von einer Pressekonferenz der Anwaltschaft für Gleichbehandlungsfragen, in der Mag. Herbert Haupt kritisierte, dass die Bundesländer nicht an das Behindertengleichstellungsgesetz gebunden sind. Daher „könne man nur betteln“; in diesem Fall leider erfolglos, hielt er damals fest.

Schule wieder nicht barrierefrei
SprecherIn: Mag. Herbert Haupt (Behindertenanwaltschaft)
Audioquelle: BIZEPS

Ich darf Ihnen einen Fall aus dem Tiroler Unterland schildern. Am Arlberg, sicher keine Finanzschwache Region, geht man daran ein Hauptschule neu zu bauen. Man hat pro Jahr zwischen 12 und 15 Skihaxn und Skihände, und einige Kinder mit Behinderungen, die Barrierefreiheit durchaus im Unterricht brauchen würden.

Die zuständigen Bürgermeister waren nicht bereit, trotz Intervention der Behindertenorganisationen, trotz Intervention des Bundessozialamtes, trotz meiner Intervention und meiner Intervention auch beim Land Tirol, hier umzudenken und den Neubau der Schule barrierefrei zu gestalten.

Auch Bundessozialamt chancenlos

BIZEPS-INFO führte am 29. Jänner 2007 mit dem Leiter der Landesstelle Tirol des Bundessozialamtes, Mag. Walter Guggenberger, diesbezüglich ein Gespräch. Er bestätigte die Widerstände seitens des Bürgermeisters und berichtete, dass dieser schon eine Treppenraupe angeschafft habe.

Besonders verärgert zeigte sich Guggenberger, weil „es sogar einen Liftschacht gibt“; der Bürgermeister aber gegen einen Lift sei.

Nun ist alles gut?

Der Bürgermeister lehnt gegenüber dem ORF-Tirol eine Stellungnahme ab und hat auch verboten, den Lift in der Schule zu filmen.

In einem Interview mit dem Bezirksblatt Landeck zeigt sich der Bürgermeister, Peter Rauchegger, verärgert und sieht Teile der Lehrerschaft als Auslöser des Konflikts. Manche hatten in der Vergangenheit viel Energie in das Ziel hineingesteckt, „den 131.000 Euro teuren Lift durchzudrücken, statt zu helfen, die wesentlich billigere Lösung der Treppenraupe weiter zu führen.“

Bis zum Schluss verstand er nicht, warum Selbstständigkeit wichtig ist. „An der Hauptschule Pians wird Solidarität nicht sehr groß geschrieben“, meint er im Interview mit dem Bezirksblatt.

Noch etwas zeigt der Vorfall wiederholt deutlich: Das Behindertengleichstellungsgesetz ist besonders im Bereich barrierefreies Bauen ein zahnloses Gesetz. Aber diese Erkenntnis ist leider nicht neu.

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