Tirol: Zu viel Geld werde in die Aussonderung investiert

Seit wenigen Tagen liegt ein Rohbericht des Tiroler Landesrechnungshofes vor, der wohl zu einigen Diskussionen über den Sinn von Sonderschulen führen dürfte. Die GRÜNEN fordern die Schließung, um die freiwerdenden Mittel in Inklusion zu investieren.

Tiroler Wappenadler an Hausfront
BIZEPS

Seit wenigen Tagen liegt jetzt der Rohbericht zur Überprüfung der Landessonderschule in Kramsach vor, „der wohl zu einigen Diskussionen über den Sinn von Sonderschulen führen dürfte“, sagt die Tiroler Tageszeitung (TT) voraus.

Tirol „ein stark sonderschulorientiertes Land“

Wie der Rechnungshof in seinem Bericht anmerkt, „ist Tirol – im Gegensatz etwa zur Steiermark, die eine hohe Integrationsrate in den Regelschulen aufweist – ein stark sonderschulorientiertes Land“, führt die TT weiter aus. Der Rechnungshof empfiehlt die Neuerstellung eines Konzeptes.

Konkret werden in der Schule 50 Schülerinnen und Schüler unterrichtet, wovon 22 im angeschlossenen Schülerheim wohnen. Die Kosten sind enorm, wie die Zeitung mit Verweis auf den Rechnungshof festhält: „Im Vorjahr wies die Schule nämlich einen Abgang von rund 900.000 Euro auf, den das Land zur Gänze tragen muss. Dazu kommen noch die Ersätze aus dem Tiroler Rehabilitationsgesetz von rund 550.000 Euro. Die Kosten für den Umbau schlugen 2008 mit 7,6 Millionen Euro zu Buche.“

GRÜNE fordern Inklusion

„An der Landessonderschule Kramsach sieht man vor allem eines sehr gut: Nicht die Nachfrage durch Kinder mit Behinderungen führt dazu, dass es Sonderschulen gibt. Sondern das Angebot an Sonderschulen führt dazu, dass Kinder in die Sonderschulen zugewiesen werden“, betont der Landtagsabgeordnete Gebi Mair (GRÜNE). Sonst wäre es nämlich nicht zu erklären, dass die überwiegende Mehrzahl der Schüler aus dem Bezirk Kufstein komme, wo die Schule auch stehe.

Die GRÜNEN hoffen nun auf eine Diskussion über ein inklusives Schulsystem ohne Sonderschulen. Mair fordert, „die Landessonderschulen zu schließen und mit dem Geld Unterstützung für Menschen mit Behinderung im inklusiven Schulwesen und in ihren Familien zu bezahlen“. Dazu zählt er die bedarfsgerechte Persönliche Assistenz zur Entlastung der Familien und zur Selbstbestimmung der Betroffenen, erläutert die TT in dem Bericht.

Abschließend zeigt der Abgeordnete auf, dass diese Fehlentwicklungen in ganz Tirol stattfinden und zu viel Geld in die Aussonderung investiert werde. „Die drei Landessonderschulen in Kramsach, Mils und Innsbruck produzieren 5,3 Mio. Euro an Kosten. Dazu gibt es noch einen Landeszuschuss für Investitionen von 1,8 Millionen. Um wie viel besser wäre dieses Geld aber investiert, wenn die Landessonderschulen geschlossen würden und das Geld für die Einbeziehung in das Regelschulwesen zur Verfügung stünde.“

Sonderschulen menschenrechtswidrig

„Der Monitoringausschuss, der die Einhaltung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen überwacht, erachtet Sonderschulen als menschenrechtswidrig und fordert deren Abschaffung“, berichtet der ORF und verweist auf eine Sitzung des Ausschusses am 28. April 2010 im Parlament.

Begründet wird dies von der Vorsitzenden des Ausschusses, Mag. Marianne Schulze, im ORF-Interview folgendermaßen: „Menschen mit Behinderungen werden aus der allgemeinen Bildung ausgeschlossen, weil es soziale Barrieren gibt – nicht nur physische Barrieren, sondern vor allem Vorurteile und Stereotypen, die dazu führen, dass Menschen mit Behinderungen als anders gesehen werden, anders behandelt werden und deshalb keinen Zugang haben zur gesellschaftspolitischen Mitte und damit auch zu allgemeinen Bildungseinrichtungen.“

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