Trübswasser: Novelle zum Schulorganisationsgesetz gefährdet Integration ab dem 9. Schuljahr

Grüne schalten LH Pühringer und Oö. Landtag ein

Gunther Trübswasser
GRÜNE

„Die Erfahrungen mit der hohen Arbeitslosigkeit von Menschen mit Behinderungen haben gezeigt, dass eine bestmögliche Bildung und Ausbildung die Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Integration der Betroffenen am Arbeitsmarkt sind“, ist LAbg. Gunther Trübswasser überzeugt. „Das bedeutet dass Integration in mittleren und höheren berufsbildenden Schulen nach dem 9. Schuljahr verstärkt und ausgebaut werden müsste. Die Schulgesetznovelle, die ein Ende der Integration mit der Polytechnischen Schule festschreibt, geht in die entgegensetzte Richtung.“

Eltern von Kindern, die eine erfolgreiche integrative Vorschul- und Schullaufbahn hinter sich haben, sehen die Zukunft ihrer Kinder gefährdet, wenn sie mit 15 Jahren die Schule verlassen müssen. Meist bleibt nur mehr „Beschäftigungstherapie“ in einer Tagesheimstätte oder die Unterbringung in einer „Geschützten Werkstätte“. Alle Integrationsbemühungen wären dann umsonst gewesen, weil der Weg in einen Beruf und damit in ein selbstständiges Leben versperrt bliebe.

Land Oberösterreich zeigt einen Erfolg versprechenden Weg: Das Rahmenkonzept des Oö. Landesschulrats!

Oberösterreichische ExpertInnen haben gemeinsam mit LehrerInnen ein zukunftsweisendes Konzept entwickelt, das Kinder mit Förderbedarf nach dem 15. Lebensjahr auf Berufe vorbereiten und sozial integrieren soll: Das Rahmenkonzept. Es wird laufend evaluiert und verbessert, zuletzt im März 2002.

Beispielhafte Projekte stehen durch die Novelle vor dem AUS
Eines der beispielhaften Projekte: Im Herbst 1999 startete in Oberösterreich das Projekt Integration behinderter Jugendlicher an der Landwirtschaftlichen Fachschule in Weyregg. Das Projekt war vorerst nur auf ein Jahr befristet. Aufgrund der guten Erfahrungen und der Erkenntnis, dass ein Jahr zu wenig ist, konnte schließlich ein Weg zur Fortsetzung für weitere 2 Jahre gefunden werden.
3 Jugendliche mit Behinderungen absolvierten zuletzt die 3-jährige Landwirtschaftliche Berufs- und Fachschule Weyregg a. A. mit großem Erfolg. Den Jugendlichen steht dadurch der Weg in eine „normale“ Berufslaufbahn offen.

Durch den Einsatz der Eltern und des Lehrkörpers sowie mit Unterstützung des Landes OÖ. war dieses Projekt möglich und steht jetzt vor dem Aus. Nunmehr scheint – nicht zuletzt durch die Novellen zu den Schulgesetzen, die am 18. Juni 2002 vom Ministerrat beschlossen wurden – die Zukunft dieses wichtigen Integrationsprojekts an der LWFS Weyregg ungewiss.

Trübswasser: „Sowohl die Weiterfinanzierung durch das Land OÖ., als auch die Begrenzung der Integration durch das Schulgesetznovelle 2002 bringen dieses und viele andere erfolgreiche Integrationsprojekte zu Fall.“

Grüne starteten eine Initiative für die Sitzung am 4. Juli 2002, in der eine gemeinsame Resolution im Oö. Landtag verabschiedet werden soll und stellen an LH Pühringer eine mündliche Anfrage.

Der Wortlaut des dringlichen Antrags: „Die Oö. Landesregierung wird aufgefordert, bei der Bundesregierung dafür einzutreten, dass bei der kommenden Novellierung des Schulorganisationsgesetzes, des Schulunterrichtsgesetzes und des Schulpflichtgesetzes die Wahlmöglichkeiten und die Standards bei der Integration von Schülerinnen und Schülern mit Behinderungen ab der 9. Schulstufe erhalten und ausgebaut werden. Dabei mögen die gut evaluierten Ergebnisse der Schulversuche in Oberösterreich Berücksichtigung finden.
Weiters wird die Oö. Landesregierung aufgefordert, dafür einzutreten, dass auf Basis des Rahmenkonzepts des Landesschulrats für Oberösterreich alle berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) in das gesetzliche Wahlrecht zur Integration einbezogen werden bzw. die Durchführung von Schulversuchen in allen BMHS in der geplanten Novelle vorgesehen wird.“

Damit sollen jene Passagen der Schulgesetznovelle verhindert werden, so die Antragsbegründung der Grünen, die „den positiven Erfahrungen mit dem „Oberösterreichischen Modell“ der schulischen Integration zuwider laufen, weshalb die Oö. Landesregierung für die Weiterführung bzw. den Ausbau dieses Modells eintreten möge.“

Die mündliche Anfrage des Grünen Integrationssprechers, Gunther Trübswasser, richtet sich wegen der Fortführung des Integrations-Projekts an der Landwirtschaftlichen Berufs- und Fachschule Weyregg an LH Pühringer: „Welche Schritte werden Sie unternehmen, dass dieses Projekt, das für die berufliche Ausbildung bzw. die spätere Integration der Jugendlichen mit Behinderung am Arbeitsmarkt von eminenter Bedeutung ist, weitergeführt werden kann?“

„Von der Fortführung dieses und ähnlicher Projekte wird es abhängen, wie ernst es der ÖVP um die berufliche Eingliederung von Menschen mit Behinderung ist“, gibt Trübswasser zu bedenken. „Alle Bemühungen, in späteren Jahren eine Eingliederung zu forcieren bleiben Stückwerk, wenn die integrative und optimale schulische Ausbildung mit dem 9. Schuljahr abgeschnitten wird, wie dies die Schulgesetznovelle vorsieht.“

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