Über Freiheit und Verantwortung in einer Gesellschaft während einer Pandemie

Die eigene Freiheit ist den meisten Menschen sehr wichtig. Sie zählt zu den schützenswertesten Gütern in einer modernen und freien Gesellschaft. Doch damit eine solche Gesellschaft funktionieren kann, muss jede einzelne Person Verantwortung übernehmen. In diesem Kommentar appelliere ich an alle, ihre eigene Freiheit nicht über das gesundheitliche Wohl anderer zu stellen. Ein Kommentar.

Schild mit Aufdruck RIGHT (Pfeil rechts) und Wrong (Pfeil links
Tumisu auf Pixabay

Ich bitte, Folgendes zu berücksichtigen: Eine Pandemie ist eine gesundheitliche Notlage. Die Gesundheit vieler Menschen und sogar menschliches Leben steht auf dem Spiel.

Mein Fachgebiet ist die Ethik. Die Effektivität und Sicherheit von Schutzmaßnahmen kann ich nicht beurteilen.

Freiheit und Verantwortung sind untrennbar miteinander verknüpft

In einer modernen und freien Gesellschaft zu leben, ist mit vielen Vorteilen verbunden – dazu zählen auch unsere Freiheitsrechte. Doch das bedeutet nicht, dass wir alles tun oder lassen können.

Damit möglichst viele Freiheiten für alle garantiert werden können, müssen vernünftige Grenzen der eigenen Freiheit existieren.

Rechte genießen zu dürfen, ohne Pflichten zu haben, ist moralisch gleichsam undenkbar, so wie Pflichten zu haben, ohne im Austausch Rechte genießen zu dürfen. So verhält es sich auch mit unserer Freiheit und der Verantwortung, die wir anderen gegenüber haben.

Wie diese Verantwortung aussieht, kann auf verschiedene Weise formuliert werden. Zum Beispiel: Die eigene Freiheit endet dort, wo die Freiheit der anderen beginnt. Oder: Wir sind in unseren Handlungen frei, solange wir keiner anderen Person damit schaden.

Egoismus und Ignoranz sind das Gift einer Gesellschaft

Eine egoistische Person ist stets nur auf ihren eigenen Vorteil aus, ohne dabei Rücksicht auf andere zu nehmen. Eine ignorante Person weiß Dinge nicht, die sie eigentlich wissen sollte. Derartige Haltungen sind schädlich für eine Gesellschaft.

Wir dürfen nicht nur an uns selbst denken, wir müssen auch unsere Mitmenschen berücksichtigen. Damit wir gute Entscheidungen für uns und andere treffen können, müssen wir entsprechend informiert sein. Nur so können wir die Konsequenzen unserer Handlungen wirklich einschätzen.

Ein Zeitalter der Desinformation?

Doch heutzutage ist es mitunter nicht immer einfach, zu wissen, was richtig und was falsch ist. Überall existieren widersprüchliche, missverständliche und falsche Information.

Verunsicherung, Frustration, aber auch Angst sind dann natürliche und verständliche Reaktionen. Das Vertrauen in die Wissenschaft, die Medien, die Politik und unsere Mitmenschen wird dadurch geschwächt.

Doch dürfen wir uns dann nicht in die Ignoranz flüchten. Wir müssen uns vor Informationsblasen und Echokammern hüten. Blindes Vertrauen und übertriebene Skepsis sind gleichermaßen gefährlich.

Ein wenig Vertrauen in andere Menschen ist notwendig für ein funktionierendes Miteinander und für die Wissenschaft. Dabei dürfen und sollten wir aber einen gesunden kritischen Blick bewahren.

Dem Virus trotzen, die Mitmenschen schützen

Die momentane Pandemie stellt eine Ausnahmesituation dar. Sie ist für die meisten von uns in vielerlei Hinsicht belastend. Es ist verständlich, dass wir darauf emotional reagieren. Doch wir sollten es vermeiden, uns deswegen zu beleidigen oder zu bekämpfen. Denn eines dürfen wir nie vergessen:

Das Virus ist unser Feind – nicht unsere Mitmenschen

Durch unser Verhalten können wir andere und uns selbst schützen, aber auch gefährden. Schutzmaßnahmen erfordern oft, dass wir die eigene Freiheit einschränken. Wie sehr es moralisch verantwortet werden kann, diese abzulehnen, hängt von der individuellen Situation ab.

Je mehr eine Person teil am gesellschaftlichen Leben nimmt und je mehr Verantwortung ihr Beruf mit sich bringt, desto eher ist sie moralisch verpflichtet, möglichst viele Schutzmaßnahmen umzusetzen. Nur eine Person, die völlig alleine abseits der Gesellschaft lebt, darf sich erlauben, sich nicht dafür zu interessieren.

Freiheitseinschränkungen als Grundlage einer freien Gesellschaft

Es mag sich wie ein Paradoxon anhören, doch Freiheitseinschränkungen ermöglichen erst ein friedliches und freies Zusammenleben. Deswegen ist unsere Gesellschaft bereits voll von Einschränkungen – um die Freiheit, Gesundheit und Leben aller zu schützen.

Nicht jede Person darf etwa ein Flugzeug steuern. Eine entsprechende Lizenz ist notwendig. Den anderen ist es verboten. Das ist keine willkürliche Einschränkung. Der Schutz anderer Menschen steht über der freien Berufsausübung.

Neben diesem Beispiel existieren sehr viele weitere Regeln und Gesetze, die unsere Freiheit einschränken – der Großteil davon ist sinnvoll.

Die Impfung und das Recht auf körperliche Unversehrtheit

Das Recht auf Leben und das Recht auf körperliche Unversehrtheit schützen unsere körperliche Gesundheit. Sie sind wichtige Menschenrechte. Da eine Impfung potentiell ein Risiko darstellt, sollte niemand gezwungen werden, sich impfen zu lassen. Für einige kommt eine Impfung aus medizinischen Gründen nicht in Frage. Andere leben derart isoliert, dass eine Impfung unnötig ist.

Auf der einen Seite lässt sich daher eine allgemeine Impflicht nur sehr schwierig moralisch verantworten. Auf der anderen Seite scheint die Impfung jedoch eine effektive Maßnahme zu sein, sich und andere zu schützen, wie etwa aktuelle Informationen des Gesundheitsministeriums zeigen.

Schutzmaßnahmen und die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben

Eine Person zu einer Impfung zu zwingen, wäre moralisch falsch. Doch während einer Pandemie am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu wollen, ohne sich impfen zu lassen und auch sonst alle Schutzmaßnahmen zu verweigern, wäre moralisch ebenfalls nicht rechtfertigbar.

Bekannte treffen, beruflich mit Menschen arbeiten oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren und öffentliche Plätze besuchen – auch das sind Vorzüge einer Gesellschaft. Doch sie sollten nicht als selbstverständlich betrachtet werden.

All das funktioniert nur, wenn wir verantwortlich miteinander umgehen. Personen, die am gesellschaftlichen Leben teilnehmen möchten, sollten sich daher zumindest moralisch verpflichtet fühlen, möglichst viele Schutzmaßnahmen umzusetzen.

Eine Nachricht an alle, die eine Schutzimpfung ablehnen

Ich werde euch nicht beschimpfen, ich werde euch nicht verurteilen und ich werde euch auch nicht als schlechte Menschen bezeichnen, nur weil ihr nicht geimpft seid. Das haben einige andere bereits getan – ich halte das für keinen konstruktiven oder menschlichen Umgang.

Eure Bedenken bezüglich der Impfung verstehe ich, auch wenn ich sie nicht teile. Eure Rechte auf Freiheit und körperliche Unversehrtheit respektiere ich. Sie sind mir sogar wichtig.

Gleichzeitig bitte ich euch aber auch, die Rechte eurer Mitmenschen zu respektieren. Setzt bitte möglichst viele Schutzmaßnahmen um. Ihr helft damit euch und anderen. Seid euch eurer Verantwortung in der Gesellschaft bewusst.

Überlegt noch einmal, warum ihr die Impfung ablehnt. Vielleicht gibt es inzwischen Informationen, die euch eure Sorgen nehmen können.

So wichtig das Recht auf Freiheit ist, es wiegt doch sicherlich nicht schwerer als das Recht auf Gesundheit und das Recht auf Leben.

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Ein Kommentar

  • Sie sprechen mir aus der Seele!
    Wir alle haben das Recht so zu leben, wie wir es wollen, soweit wir nicht die Rechte Anderer dabei verletzen. Leider sind viele Menschen so egoistisch und kennen den zweiten Teil des Satzes nicht. Nur Impfen hilft bei der Bewältigung der Covid-Pandemie.