Lange Jahre hat der Wiener Klinik-Chef Andreas Rett die Entwicklung der Behindertenhilfe in Österreich maßgeblich beeinflusst
Nun endlich viele Jahre nach seinem Tod beginnt eine ausführliche Analyse und Diskussion seiner Tätigkeit und Wertehaltung.
„Viele Kinderheime in Österreich waren bis Mitte der 1980er Jahre wie Gefängnisse organisiert“, berichtet das Ö1-Morgenjournal vom 17. September 2012 und kündigt ein Buch mit dem Titel „Tatort Kinderheim“ des Journalisten und Psychologen Hans Weiss an.
„Tausende Heimkinder sind als Versuchskaninchen verwendet worden – bis in die 1980er Jahre, laut Buchautor Hans Weiss“, ist dem Beitrag zu entnehmen. Es wird auch über den Arzt Andreas Rett berichtet, der Medikamentenversuche durchgeführt haben soll. „Er hat einfach frei nach Belieben Kinder verwendet, für das, was von der Industrie kam, vollkommen skrupellos. Ohne sich Gedanken darüber zu machen, was das unter Umständen für Auswirkungen haben könnte.“
An weitere Fakten wird erinnert
In den Medien wird daran erinnert, dass in österreichischen Heimen junge Frauen mit Behinderungen zwangssterilisiert worden sind.
Laut dem Kinderpsychiater Ernst Berger und dem Tiroler Behindertenrechtsexperten Volker Schönwiese hat der 1997 verstorbene führende Wiener Psychiater im Behindertenbereich, Andreas Rett, Zwangsterilisationen generell unter einem bestimmten Intelligenzquotienten befürwortet „dass Frauen unter einem IQ von 85 sterilisiert werden sollen, um Schwangerschaften zu vermeiden“, so der Kinderpsychiater Berger gegenüber dem ORF.
Lesenswerter Artikel über Andreas Rett
Einen sehr lesenswerten und aufrüttelnden Beitrag „Individualisierende Eugenik – Zur Praxis von Andreas Rett“ schrieb kürzlich Volker Schönwiese für die Neuauflage der BIZEPS-Broschüre „wertes unwertes Leben“. Die Broschüre ist bei BIZEPS erhältlich.
Man erfährt darin, dass Andreas Rett Mitglied der NSDAP war, sich für Zwangssterilisationen einsetzte und die Schulintegration vehement ablehnte.
Lesenswert zum Thema sind ein Referatstext sowie ein Artikeltext von Prof. Ernst Berger, die beide in BIDOK dokumentiert sind: