US-Gesundheitsreform: Ein unglaublicher Erfolg

Die Gesundheitsreform in den USA wurde nun also auch vom Repräsentantenhaus mit knapper Mehrheit bewilligt und wir nehmen dies hier in Deutschland in den Nachrichten kurz zur Kenntnis.

USA-Flagge und Freiheitsstatue
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Wenn US-Präsident Barack Obama das neue Gesetz, an dem sich zuvor sechs US-Präsidenten die Zähne ausgebissen haben, voraussichtlich heute feierlich unterzeichnet, hat dies meines Erachtens eine große Signalwirkung für die ganze Welt.

Für die über 30 Millionen Menschen, die in den USA bisher ohne Krankenversicherung mit höchstem Risiko leben, hat das Gesetz zuerst einmal eine ganz praktische Bedeutung. Sie erhalten endlich etwas, das für uns in Deutschland weitgehend Selbstverständlichkeit ist, eine Krankenversicherung. Ich selbst habe während meines Studienaufenthaltes Ende der 80er Jahre in den USA gut ein halbes Jahr ohne Krankenversicherung leben müssen und konnte in dieser Zeit einigermaßen nachfühlen, was es heißt, ein Leben ohne Krankenversicherung bestreiten zu müssen.

Dabei habe ich erlebt, wie es ist, sozusagen als Bettler zu hoffen, dass mir in der Berkeley Free Klinik im Krankheitsfall geholfen wird. Dies ist eine Klinik, die Menschen ohne Absicherung kostenlos und ehrenamtlich mit dem Nötigsten versorgt und von denen es in den USA nicht sehr viele gibt. Andererseits habe ich, als ich wieder eine Krankenversicherung hatte, für eine einfache Notfallbehandlung im Krankenhaus mal schnell 311 US-Dollar auf den Tisch gelegt und ein Gefühl dafür bekommen, was es für eine Familie ohne Krankenversicherung für ein Risiko darstellt, wenn ein Mitglied der Familie krank wird.

Für über 30 Millionen Menschen – also fast die Hälfte der Bevölkerung von Deutschland – sind diese Sorgen und Nöte im reichsten Land der Welt bisher tägliche Realität gewesen, ohne dass sich wirklich jemand ernsthaft daran gestoßen hat.

Das neue Gesetz zur Gesundheitsreform in den USA ist sicherlich im Vergleich zu unserer gesundheitlichen Absicherung noch längst kein Vorbild, aber es ist ein enorm wichtiger Schritt für die Welt. Denn in wirtschaftlich sehr schwierigen Zeiten wird viel Geld in die Hand genommen, um eine menschenwürdige Gesundheitsabsicherung zu schaffen. Barack Obama hat dafür sehr hart und gegen enorme Widerstände äußerst gut organisierter Lobbyverbände, die sehr viel Geld für ihre Kampagnen eingesetzt haben, erfolgreich gekämpft. Dieser Erfolg ist nicht nur für ihn und seine in vielen Bereichen veränderte Politik, sondern auch für viele Menschen in den USA enorm wichtig.

Vor allem gibt dieses Beispiel wieder ein Stück Hoffnung, dass es gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht nur darum gehen kann, Mehrwertssteuersenkungen für Hotelbetreiber durchzuführen, sondern die soziale Situation der Menschen im Blick zu haben und diese abzusichern. Dieses Beispiel zeigt uns vor allem aber auf, wie wichtig es ist, wählen zu gehen, auch wenn man nicht in allen Fragen mit einer Partei übereinstimmt. Zwischen der Politik von Barack Obama und der seines schon fast vergessenen Vorgängers Georg W. Bush, der so viel Schaden in der Welt angerichtet hat, liegen auf jeden Fall Welten.

Vielleicht gibt dieses Beispiel aber auch Hoffnung für all diejenigen, die hier in Deutschland für eine würdige Absicherung im Falle einer Behinderung oder Pflegebedürftigkeit kämpfen. Die vielen Mißstände und Ausgrenzungen, die sich hier noch auftun, würden eine ähnliche gesellschaftliche Anstrengung wie für die Reform des Gesundheitswesens in den USA, auch hierzulande allemal rechtfertigen. „Yes, we can!

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0 Kommentare

  • @Nigold: Das wird sicher so sein. Es geht aber gar nicht darum, sondern darum, dass es in den USA nun endlich AUCH eine gibt.

  • Sorry, aber die deutsche Krankenversicherung ist allemal besser als die neue amerikanische.

  • Obama kann zu diesem Schritt nur gartuliert wird! Vor allem muss aber leider gehofft werden, dass er dadurch bei den nächsten Wahlen keine Stimmen verliert. So verwirrend das für uns Europäer klingen mag: Viele Amerikaner empfinden es als Eingriff in ihre persönliche Freiheit sich absichern zu müssen. Außerdem spielen dort leider auch noch „rassische Vorurteile“ eine Rolle. Von diesem Gesetz profitieren vor allem schwarze. Möge es bei den nächsten Wahlen keine negativen Konsequenzen für ihn haben!