Versperrte Ampeln in Wien: Geplanter Kuhhandel mit den Blindenampeln

Im Vordegrund eine akustische Ampel mit erhabenem taktilen Bild und der Schrift warten. Dahinter ein Auto.
BIZEPS

Bei den früher verwendeten Modellen konnte mit einem Druckknopf die akustische Anzeige des nächsten Grünsignales eingeschaltet werden. Die neuen müssen mit einem Schlüssel oder Chip aktiviert werden, damit sie die Grünphase akustisch anzeigen. Das wurde von einer überwältigenden Mehrheit der blinden und sehbehinderten Menschen abgelehnt.

Ohne Sehen in ein Schlüsselloch zu treffen oder einen Chip auszupacken während man gleichzeitig den Blindenstock halten muss, ist langwierig und kompliziert und keinesfalls vor jeder Querung zumutbar.

Mit den Blindenorganisationen war diese Vorgangsweise nicht abgesprochen, sie wurden nicht einmal informiert. Die neuen Ampeln wurden von blinden Verkehrsteilnehmern entdeckt, die vor versperrten Ampeln standen.

Sperrstunde für blinde Menschen in Wien ist 22 Uhr

Im Jänner und März 2017 lud die MA 33 jetzt einige Blindenorganisationen und Einzelpersonen zu einer so genannten Diskussionsveranstaltung ein. Dabei äußerten einige blinde Teilnehmer den Wunsch, auch in der Nacht sicher queren zu können.

Herr Mimmler von der MA 33 reagierte mit Entrüstung. Er lehnte die Nachtabsenkung der Lautstärke völlig ab und bestand weiterhin auf einer totalen Abschaltung der Blindenampeln ab 22 Uhr, obwohl die Absenkung in der Norm vorgesehen ist.

In anderen Städten, beispielsweise in Hamburg, sind die Blindenampeln rund um die Uhr aktiv. „Schließlich gibt es keine Sperrstunde für Blinde“, wie in der Zeit online zu lesen ist.

Der Kuhhandel

Herr Mimmler versuchte den Blindenvertretern die Schlüsselampeln schmackhaft zu machen. Einerseits präsentierte er als Zugeständnis die zusätzliche Auslösung wie bisher per Druckknopf. Schlüssel und Chip würden nur dazu dienen, das Signal lauter zu machen, beispielsweise bei einer Hörbehinderung. Herr Mimmler sagte zu, dass das per Druckknopf ausgelöste Signal nicht leiser gestellt werde als bisher.

Andererseits wurden die Blindenvertreter mit der Aussicht auf ein per Chip oder Schlüssel aktivierbares Akustiksignal in der Nacht geködert. Dazu müsse er aber erst die Zustimmung seiner Vorgesetzten einholen, sagte Mimmler.

Realität: Wiens Blindenampeln werden leiser

Dem ORF gegenüber sagte Herr Mimmler: „Die neuen Blindenampeln werden um 10 bis 20 Prozent leiser sein als jetzt, wenn man sie, wie bisher, per Tastendruck aktiviert.“  

Die MA 33 hat am 03.03.2017 eine Pressemeldung herausgegeben, die eine reduzierte Lärmbelästigung ankündigt. Von einer sicheren Querungsmöglichkeit in der Nacht ist keine Rede mehr!

Auffindung ungewiss

Um die Blindenampeln zu finden, benötigen Fußgänger ohne Sehvermögen das tickende Auffindesignal. Schon jetzt ist das im Verkehrslärm bei stark befahrenen Kreuzungen manchmal kaum zu hören, nachzulesen im Beitrag „Blindenampeln zu leise eingestellt„.

Nach den Plänen von Herrn Mimmler soll dieses Ticken noch leiser werden! Die Möglichkeit, das Signal mittels Schlüssel oder Chip lauter zu stellen, bestünde erst, wenn man den Ampelmast und das Schlüsselloch ohnehin schon gefunden hätte.

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4 Kommentare

  • Der Herr Mimmler dürfte das Opfer von SChmiergeldern geworden sein. Oder er hat einen schlag auf den Kopf bekommen.

  • Großartig. Die Vorgangsweise ist doch immer dieselbe. Das Zugeständnis der Blinden für die Mahü wurde ja auch als Akzeptanz für Schlüsselampeln generell betrachtet und nicht, wie gemeint, als eine Sonderlösung für die Begegnungszone. Plötzlich findet man auch eine versperrte Ampel auf einer gefährlichen Kreuzung, nämlich am Westbahnhof nähe Europaplatz. Und das, obwohl die Lösung für die Mahü keineswegs breite Zustimmung erfahren hat und erfährt.

    Bei den neuen Ansätzen läuft es darauf hinaus, dass das viel zu Leise Signal zu einer Zwangsbenutzung von Chip und Eurokey führen wird, was wiederum als breite Akzeptanz interpretiert wird.

    Ich war bei der ersten Verhandlung dabei und musste leider mitbekommen, dass eine Lösung in der Pause unter Ausschluss der gesamten gruppe erarbeitet und diese kurz vor ende präsentiert wurde, um eine Diskussion darüber zu unterbinden. Bei der zweiten Runde dürfte sogar diese fragwürdige Lösung unterschritten worden sein.

    Ich möchte darauf hinweisen, dass Blinde auch nur einmal leben und ihre Zeit wertvoll ist. Das war nichts weiter als eine Art Beschäftigungstherapie. Hauptsache beschäftigt, das Ergebnis ist unerheblich. Und die Arbeit unbezahlt, jedenfalls die der Meisten.

    • Bei der 2. Tagung war es ähnlich, nach der Nachmittagspause zauberte Herr Mimmler den neuen vorschlag aus dem Hut – und so mancher glaubt an den Weihnachtsmann, der Geschenke in Form von lauteren Akustikampeln verteilt 😉