Bundesländervergleich in Sachen Ausgleichstaxe aus dem Jahr 2022

Laut Behinderteneinstellungsgesetz (§ 1 Abs. 1) sind alle Arbeitgeber:innen, die national 25 oder mehr Personen beschäftigen, verpflichtet, auf je 25 Arbeitnehmer:innen eine Person mit begünstigtem Behindertenstatus einzustellen. Theorie und Praxis gehen aber weit auseinander.

Das Balkendiagramm zeigt die Erfüllung der Beschäftigungspflicht durch Arbeitgeber in verschiedenen österreichischen Regionen. Für jede Region gibt es zwei Balken: blaue Balken für den Anteil der Arbeitgeber , die die Pflicht erfüllt haben, und orange Balken für den Anteil der Arbeitgeber , die sie nicht erfüllt haben. Die Regionen sind: Burgenland (24% erfüllt, 76% nicht erfüllt), Kärnten (34% erfüllt, 66% nicht erfüllt), Niederösterreich (24% erfüllt, 76% nicht erfüllt), Oberösterreich (26% erfüllt, 74% nicht erfüllt), Salzburg (20% erfüllt, 80% nicht erfüllt), Steiermark (30% erfüllt, 70% nicht erfüllt), Tirol (27% erfüllt, 73% nicht erfüllt), Vorarlberg (33% erfüllt, 67% nicht erfüllt), Wien (14% erfüllt, 86% nicht erfüllt) und Ausland (18% erfüllt, 82% nicht erfüllt). Eine horizontale rote gestrichelte Linie zeigt den bundesweiten Durchschnitt der Erfüllung der Beschäftigungspflicht, der bei 23,79% liegt.
BIZEPS

Wenn beispielsweise ein Unternehmen 100 Arbeitnehmer:innen beschäftigt, ist dieses verpflichtet, vier begünstigte Behinderte einzustellen. Angestellte mit bestimmten Behinderungen (z.B. blinde Personen oder Rollstuhlfahrer:innen) werden auf die Pflichtzahl doppelt angerechnet.

Für die Beschäftigung von begünstigten Behinderten werden Arbeitgeber:innen von der Kommunalsteuer, der Abgabe zum Familienlastenausgleichsfonds, der Handelskammerumlage und in Wien von der U-Bahn-Steuer befreit.

Viele Betriebe immer noch nicht inklusiv

Wenn die Beschäftigungspflicht nicht vollständig erfüllt wird, hat das Unternehmen pro offener Pflichtstelle und Monat eine Ausgleichstaxe zu entrichten. Diese fließt in den Ausgleichstaxfonds. Die Mittel werden zur Unterstützung der beruflichen Inklusion von Menschen mit Behinderungen verwendet.

Prozentuell war Wien 2022 mit 14,32 % das Schlusslicht, wenn es darum geht, in welchem Ausmaß die Beschäftigungspflicht erfüllt wurde. Bei 722 Personen wurde die Beschäftigungspflicht erfüllt, bei 4.319 Personen nicht.

Am besten hat Kärnten abgeschnitten. Hier wurde die Beschäftigungspflicht zu 33,58 % erfüllt.

2022 betrug die vorgeschriebene Ausgleichtaxe bundesweit insgesamt 176,8 Millionen Euro. Dies bedeutet, dass die Beschäftigungspflicht laut dem Geschäftsbericht des Sozialministeriumservice bundesweit im Jahr 2022 nur zu 23,79 % erfüllt und zu 76,21 % nicht erfüllt wurde.

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6 Kommentare

  • Liebe Timea,

    herzlichen Dank für Deinen Beitrag. Es zeigt wieder, wie „inklusiv“ die Betriebe in Wirklichkeit sind, auch wenn von jeder Homepage der Unternehmen das Gegenteil behauptet wird.

    Ich arbeite in einem großen Betrieb in Wien als BVP Stv. und ich würde gerne mehr Zahlen und Fakten dazu haben – das ist das einzige was das Leadership versteht.

    Bitte mach weiter so! Wir brauchen genau das!

    Vielen Dank
    Karoline

  • Gibt es Erklärungen, warum Wien an letzter Stelle liegt?

  • Es ist traurig, dass sich so viele Betriebe mit der Ausgleichstaxe „freikaufen, um keine Behinderten zu beschäftigen. Die Einführung der Ausgleichstaxi war ein großer Fehler zu Lasten von Menschen mit Beeinträchtigungen! Das ist schon lange reformbedürftig!
    Man kann nur hoffen, dass sich mal Menschen, konkret Politiker:innen finden, die eine Änderung schaffen!

  • Die großen Mankos dieser Ausgleichstaxe:
    Betriebe unter 25 Mitarbeiter:innen brauchen gar nichts beitragen.
    Betriebe mit 25 MA können sich im Monat um knappe 13 Euro pro Mitarbeiter:in frei kaufen.
    Für einen Betrieb mit z.B. 49 Mitarbeiter sind das dann sogar nur € 6,5 pro MA und Monat.
    Großbetrieben über 400 MA kostet die Ausgleichsttaxe € 19,- pro Monat und MA.

    Wie soll mit solchen Summen ein sinnvoller Fortschritt erzielt werden? Wieviel Geld kommt verschlingt die Administration dieser fragwürdigen Einrichtung?

    • …da haben Sie recht! Die Ausgleichstaxe gehört dringendst erhöht (mindestens auf die Höhe eines durchschnittlichen Gehalts im Betrieb incl. Leitungsgehälter).

    • Hallo Robert,

      mein Name ist Karoline – ich arbeite in einem Betrieb in Wien mit rund 3.500 Beschäftigten. Ich wollte wissen wir kommst du auch die € 19 Ausgleichstaxe? Kannst du mir das bitte erklären?

      LG
      Karoline