Volle Blase? Bitte warten!

Wenn berufsständische Interessen vor die Bedürfnisse behinderter Menschen gestellt werden, bleibt die Blase voll, der Darm unentleert und die Atemkanüle lebensbedrohlich verstopft.

barrierefreies WC
BIZEPS

Luise F. lebt in einer oberösterreichischen Wohngruppe für behinderte Menschen. Wenn sie durch die Hitze etwas zu viel Wasser getrunken oder zu viel wasserhältiges Obst gegessen hat, kann es sein, dass plötzlich schon um 15:00 Uhr ihre Blase voll ist. Obwohl sie es könnten, darf keiner der BehindertenbetreuerInnen sie katheterisieren.

Luise muss bis 18:00 warten, dann kommt die mobile Krankenschwester und mit ihr die Erleichterung. Bis dahin heißt es Schmerzen aushalten, spastische Krämpfe ertragen und eventuell sogar Gesundheitsschäden durch den Urinrückstau in die Nieren riskieren.

Man muss der Tatsache ins Auge sehen, dass nicht alle behinderten Menschen zu Hause leben können. Wenn man große Pflegeheime durch kleine Wohngemeinschaften und kleine Wohngruppen (bis zu 8 Personen) ersetzen möchte, muss man auch die Rahmenbedingungen für die Pflege behinderter Menschen entsprechend ihren Bedürfnissen adaptieren.

In familienähnlichen Wohnstrukturen kann nicht rund um die Uhr eine Pflegefachkraft auf Abruf bereit gestellt werden. Daher ist es notwendig, dass pflegerische Tätigkeiten für eine bestimmte behinderte Person in der WG von einer Pflegefachkraft an eine/n BetreuerIn delegiert werden können.

In der Novelle 2008 zum Gesundheits- und Krankenpflegegesetz (GuKG) konnte das wichtige Delegationsprinzip geschaffen werden. Dadurch können pflegerische Tätigkeiten von Pflegefachkräften an PersonenbetreuerInnen im Rahmen der 24-Stunden-Betreuung und an persönliche AssistentenInnen delegiert werden. Es ist völlig unverständlich, warum man ausgebildete BehindertenbetreuerInnen in Wohngruppen vom Delegationsprinzip noch immer ausschließt. Die derzeitige gesetzliche Regelung im GuKG führt zu teilweise absurden Situationen in Wohngemeinschaften:

Ein Abführzäpfchen darf nur die diplomierte Fachkraft verabreichen, auch einfache Verbände dürfen trotz Infektionsgefahr von BehindertenbetreuerInnen nicht gewechselt und sogar die Atemkanüle darf bei Verschleimung nur von einem diplomierten Krankenpfleger abgesaugt werden. Sogar bei Notfällen ist ein entsprechender mobiler Dienst zu kontaktieren. Wer weiß, dass bereits nach drei Minuten ohne Atmung Gehirnschäden auftreten, sieht die Irrationalität dieser Regelungen.

Betont sei, dass es hier nicht um Qualität geht. Denn eine Beatmungskanüle gut und fachgerecht absaugen, können nach einer Einschulung persönliche AssistentInnen genauso wie pflegende Angehörige. Es liegt an der Pflegegewerkschaft anstatt überholte Berufspfründe abzusichern, ein funktionierendes Case- und Care-Management aufzubauen. Dadurch würden nicht nur behinderte Menschen sondern auch Pflegefachkräfte durch neue Aufgabenbereiche profitieren.

Die Nagelprobe zwischen berufsständischen Interessen und den Grundbedürfnissen behinderter Menschen passierte im Ministerrat, wo die GuKG-Novelle auf der Tagesordnung stand.

Der wichtige Zugang zum Ausbildungsmodul der Basisversorgung wurde für BehindertenbetreuerInnen im letzten Moment vom Gesundheitsministerium aus dem Begutachtungsentwurf gekippt. Ebenso findet sich kein Ansatz eines Delegationsprinzips. Bestehendes wird festbetoniert, Flexibilisierungsansätze fehlen. Es braucht dringend eine GuKG-Reform, aber nicht diese!

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0 Kommentare

  • @Toni: Das Gedankengut der Eugenik stammt nicht aus dem 3. Reich, es entstand bereits einige Jahrzehnte vor der NS-Ideologie. Die staatlich organisierte Vernichtung „lebensunwerter“ Menschen, war keine Erfindung der Nazis. Das gewissenlose NS-Mörderregime war in dieser Sache Kind des Zeitgeistes. Es war der (vorläufige!) Höhepunkt konsequenter Umsetzung darwinistisch- materialistischer Ideologie. Das/der Stärkere setzt sich eben durch. Frisst sich der Gedanke von „survival of the fittest“ als logisches Prinzip und alleiniger Maßstab in den Köpfen fest, ist es nur eine Frage der Zeit, bis dies in der Gesellschaftspolitik grausam umgesetzt wird.
    Lange vor den Nazis wurden also die Ideen der (individuellen genetischen) „Minderwertigkeit“ schon auf Rassen und Gemeinwesen angewandt. Mitte des 19 Jhdts wandte Herbert Spencer das Konzept des „survival of the fittest“ der Evolutionstheorie auf die gesellschaftliche Entwicklung an und begründete damit das Paradigma des Evolutionismus, das von manchen als Vorläufer des Sozialdarwinismus angesehen wird. Ernst Haeckel, der den Sozialdarwinismus im deutschen Sprachraum einführte, schreckte sogar nicht davor zurück, seine Ideen bewusst mit wissenschaftlichen Fälschungen zu untermauern (Biogenetisches Grundgesetz).
    Die Schritte zur Umsetzung der „Reinigung der Volkskörpers“ ausgehend in USA, Ende des 19. Jahrhunderts, bis zum konsequenten „Ausmerzen von Parasiten“ durch die Nazis, waren dann kein Tabubruch mehr, das Feld war gut gedüngt, die Saat des Bösen ging schnell auf. In diesem Sinne war nicht nur die Vernichtung behinderter und chronisch kranker Menschen „legitim“, sondern auch Menschenversuche „gerechtfertigt“, dienten sie doch einem „höheren Ziel“ der menschlichen „Vervollkommnung“.
    Die Arbeitskraft-Verwertung in „Konzentrationslagern“ bis hin zur Ausrottung von sogenannten „Volksschädlingen“ war dann die „konsequete“ Umsetzung, die nur im Rahmen einer menschenverachtenden Diktatur möglich war.

  • LICHTENAUER: Wenn also „Dienst nach Vorschrift“ gemacht würde, träte der „worst case“ ein, vor dem sich die dem „eugenischen Grundkonsens“ frönenden Ökonomisten in politischer (noch) Verantwortung tatsächlich zu fürchten haben. Zu sehr ist bei Hilfe- und Pflegebedürftigkeit die traditionelle Missachtung von Menschenrechten, Patientenrechten und Selbstbestimmungsrechten mit der etablierten Befürsorgungs- und Verwahrungspraxis verwoben, als dass hier eine rasche und einfache Lösung möglich wäre.
    HARTE WORTE: „eugenischen Grundkonsens“ nur eine kleine Miderheit fröhnen diesem Gedankengut das unter anderem auch aus dem 3. Reich stammt, leider sitzen diese „Minderheiten“ an den Hebeln der Macht.

  • Ich kenne viele Personen die sich durch Selbst-Katederisierung die Blase entleeren. Die betroffene Person muß doch selbst bestimmen können, wer bei ihr die Dathederisierung durführen darf.
    „““Luise muss bis 18:00 warten, dann kommt die mobile Krankenschwester und mit ihr die Erleichterung. Bis dahin heißt es Schmerzen aushalten, spastische Krämpfe ertragen und eventuell sogar Gesundheitsschäden durch den Urinrückstau in die Nieren riskieren. „““
    viele dieser Personen starben schon an Harnwegsvergiftung!!!

  • habe selbst eine nahestehende pflegebedürftige angehörige und bin selbst arbeitslos. neue konzepte werden geblockt und ideen – gerade bei den verantwortlichen (heimen) – sanktioniert. – ich weiß nicht was noch passieren muss, nur die jetzige situation ist katastrophal!

  • Im Zusammenhang mit obigem Artikel von Herrn Huainigg und den von mir und meiner Frau unten gemachten Ausführungen über den „Pflegenotstand 2.0“ (katja.at/tag/gukg) ist in einigen Stunden Prozessbeginn der „Verleumdungsklage“: Mittwoch, 14.10.2009 um 9:00 Uhr (ganztägig) am Landesgericht St. Pölten, Verhandlungssaal 209.
    Werde ich für die angeblichen „Verleumdungen“ (katja.at/?p=1465), deretwegen ich von einem der rennomiertesten Behinderten „Pflegeheime“ angeklagt wurde, den Wahrheitsbeweis erbringen? Dies ist eine öffentliche Verhandlung vor einem unabhängigen Richter, interessierte Bürger dürfen als Zuhörer teilnehmen.

  • Hallo! Auch ich lebe in einer Wohngemeinschaft. Ich möchte einfach sagen, dass dieses Gesetz eine Frechheit ist und geändert werden muss.

  • Selbst seit einigen Jahren in verschiedenen Betreuungsbereichen tätig weis ich sicher wie der Hase läuft. Ich bin der Meinung das es nur auf Basis eines gemeinsamen Konsens möglich ist die Problematik zu bewältigen. mir ist es ganz wichtig das die zu betreunden nicht unter die Räder kommen. ob in Wohngemeinschaften, Heimen, Tagesheimstätten und zu Hause. Es gibt immer wieder schwarze Schafe, auch das kann die beste Ausbildung (Lainz!) nicht verhindern. Man muß sich an der Bereitschaft derjeniger orientieren, die aus der heutigen Situation sich so gegenüber den zu betreuenden verhalten, wo ich selbst durch menschliches Verhalten mit positiven Äußerungen bedankt werde. Und ich glaube stark daran das ich da nicht der einzige bin. Und slbst erlebt, kann eine „Verkäuferin“ oft besser mit zu betreuenden, als eine DSA.

  • [3/3] In einem Rechtsstaat (so Österreich einer wäre) müssten Vertreter von Landes-Aufsichtsbehörden des Verbrechens des Amtsmissbrauchs zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie bestehenden Gesetzen zuwider handelten. Vertreter des Dienstgebers dieser Vollzugsbeamten (bis hinauf zum Landeshauptmann) würden im Falle von tolerierten oder sogar angeordneten Amtspflichtverletzungen ebenfalls strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen sein, wenn sie sich bewusst mit Schönfärbern und Blendern umgaben.
    Das Gesundheits- und Krankenpflegegesetz besteht in dieser Form seit zwölf Jahren, ob und wie es praktikabler und klüger zu novellieren wäre, ohne Menschen zu gefährden, ist eine andere Sache. Als Bundesgesetz kann und darf das GuKG nicht auf Landesebene – nur um Kosten zu sparen – ignoriert werden. Dazu können zwar Landesverordnungen und Richtlinien über Mindeststandards und ökonomistische Betreuungsschlüssel einiges zu verschleiern versuchen. Im Ergebnis bedeutet das aber nur, dass nicht nur der erwähnte „Sozialarbeiter“, der (tatsächlich auch „notgedrungen“ bzw. genötigt) pflegerechtliche Kompetenzen überschreitet, für etwaige Gesundheitsgefährdungen und Pflegeschäden verantwortlich ist und auch nicht nur die Organisationshaftung des (weniger „wehrhaften“ oder auch opportunistischen) Einrichtungsbetreibers greift, sondern vor allem für die „Öffentliche Hand“ bald die „Handschellen“ klicken müssten!

  • [2/3] Moralisch aber keinesfalls nachvollziehbar wäre es aber, wenn (angenommen) ein gut situierter Schwiegersohn, der zu einer lupenrein gesetzestreuen Betreuung einer pflegebedürftigen Schwiegermutter (für die relativ kurze Zeit bis zu ihrem Lebensende) locker seinen angemessenen Beitrag leisten könnte, … öffentlich aber behaupten würde, „es gibt keinen Pflegenotstand“ … wir erinnern uns noch. Genau so wenig ist es (drei Jahre danach) akzeptabel wenn die zuständigen NÖ Aufsichtsbehörden nun seit vier Jahren und vier Monaten (sogar auch noch nach einer entsprechenden Strafanzeige vor einem Jahr und vier Monaten) beharrlich – aber nicht belegbar – behaupten, dass rechtlich immer alles vollkommen in Ordnung gewesen wäre und schriftlich dazu ausführen: “Wenn Leitung und Personal der Einrichtung der Meinung sind, dass die Betreuung und Pflege eines Menschen unter gegebenen Bedingungen möglich ist … so ist das als fachlich fundierte Meinung zu verstehen.”
    Die zuvor schon über viele Jahre bekannte, vor drei Jahren gezielt veröffentlichte „Grauzone“ im privaten Pflegebereich bewirkte unerwartet die Umkehr eines allgemein erwarteten Wahlergebnisses. Ein 18-monatiger Koalitionskrampf mit Verrenkungen und Purzelbäumen bis hin zur „Schwamm drüber“- Verfassungsänderungsänderung und dem „es reicht“- Absturz waren die Folge. Der eigentliche politische Skandal liegt aber in der Tatsache, dass es im institutionellen stationären Pflegebereich ähnliche „Grauzonen“ gibt und schon immer gab. Hier lasse ich aber das Argument einer entschuldbaren „Notwehr“ seitens der Landesbehörden nicht gelten, denn das bewusste ökonomistische Missachten von Rechten und Gesetzen geschah nur aus fiskalen Gründen, obwohl es nur eine Frage des politischen Willens und der Prioritäten war.

  • [1/3] Liebe/r „fraza“, es sollte tatsächlich einen ordentlichen Knall machen, mit der Weiterwurschtlerei von „Faserschmeichlern“ kommen wir auch in vielen Jahren noch nicht weiter. Es bräuchte eine „Tiefenreinigung“ nach dem Waschmittel-Slogan „zwingt Grau raus und Weiß rein“. Völlig richtig, „ein ganzes System würde zusammenbrechen“, wenn in sogenannten „Heimen“ und „Wohngemeinschaften“ von heute auf morgen alle Gesetze eingehalten würden. Wenn also „Dienst nach Vorschrift“ gemacht würde, träte der „worst case“ ein, vor dem sich die dem „eugenischen Grundkonsens“ frönenden Ökonomisten in politischer (noch) Verantwortung tatsächlich zu fürchten haben. Zu sehr ist bei Hilfe- und Pflegebedürftigkeit die traditionelle Missachtung von Menschenrechten, Patientenrechten und Selbstbestimmungsrechten mit der etablierten Befürsorgungs- und Verwahrungspraxis verwoben, als dass hier eine rasche und einfache Lösung möglich wäre.
    Es besteht zwar eine ähnliche Konstellation wie die „Grauzone“ der „südböhmischen“ Betreuungslösung im Privatbereich. Als Ausweg aus der politisch motivierten Verantwortungslosigkeit der letzten Jahrzehnte musste sich in diesem Bereich bürgerschaftliche Selbsthilfe der „Notwehr“ (mehrfachen Gesetzesbruchs) bedienen um sprichwörtlich zu überleben. Diese „Grauzone“ war seitens der in ihrer Existenz Bedrohten ethisch vollkommen gerechtfertigt (und ist es auch heute noch für Jene, die sich dem Druck der verordneten Scheinlegalisierung noch nicht beugten).

  • vergessener satz hier nachgereicht:

    oder möchten sie selber mit neun anderen menschen in einer wg zusammen wohnen ein leben lang? und mal von diesem und mal von jenem menschen (die sie womöglich gar nicht kennen)den popo ausgewischt bekommen?

  • fortsetzung:

    zu ihren letzten zeilen:

    die sozialarbeiter werden schon gar nicht verurteilt/ angeklagt, vielmehr diejenigen, die fehler aufzeigen – sogar deren existenz wird zu vernichten versucht! (ich kenne mehrere beispiele).

    nicht mal der betreuer, der die tochter meiner freundin so arg zugerichtet hat, ist in irgendeiner weise „verurteilt“ worden. es ist ihm halt passiert. nicht mal die leitung dieser einrichtung wird geprüft, ob sie vielleicht diesem studenten gar nicht erlauben hätte dürfen, eine klientin mit pg 7 zu baden!!!
    er arbeitet immer noch, so als ob nichts passiert wäre. es ist wahrschinlich sogar so, wenn jemand sterben würde aufgrund eines pflegefehlers, würde das nichts ausmachen – nach dem unausgesprochenen motto: „es sind ja eh nur die behinderten“. da gelten andere regeln, scheinbar! leider!

    ich hoffe, es wird nicht mehr lange so weitergewurstelt wie jetzt – auf dem rücken aller beteiligten.

    ich hoffe, die verantwortlichen politiker bekommen genug druck, dass es endlich akzeptable lösungen gibt, denn so wie es jetzt läuft, ist es eine katastrofe, die dauernd nur schöngeredet wird!

    dieser druck müsste nicht nur von den betroffenen und deren besorgten angehörigen kommen, sondern vielmehr von jenen, die sich tagtäglich in dieser „grauzone“ (illegalität) befinden!
    aber solange alle den mund halten, brav mitmachen, wird eben weitergewurstelt.

    ohne zivilcourage wird es keine änderungen geben!

  • lieber herr oder frau fraza,
    ich glaube, sie verstehen hier einiges nicht ganz richtig.
    natürlich bin ich mir bewusst, dass jetzt hier und heute pflegeabhängige menschen hilfe brauchen. und „wir“ müssen nicht warten auf irgendeine gesetzesänderung!

    das ist ja gerade der skandal, dass diese berufe so unterbezahlt sind, so als wäre eine pflegerische oder sozialpädagogische betreuung von behinderten menschen weniger wert als zb eine ärztliche behandlung! ich finde, die verantwortung ist mindestens gleich gross!

    schön wäre es, wenn das land nö eine umfassende ausbildung verlangen würde, ich wurde mit dem gegenteil konfrontiert, eine angelernte hilfskraft (grundberuf tankstellenpächterin) machte alleine nachtdienst in einer wohngruppe behinderter menschen vorwiegend pg 6 und 7 !!

    warum sollten die angehörigen NICHT ALLES machen dürfen?
    ich bin froh, dass das so ist, leider bekommen die angehörigen nicht die anerkennung (bezahlung), die ihnen für diesen wertvollen dienst zusteht. in schweden ist das kein problem und das system funktioniert auch ohne so viele heime wie im hinterwäldlerischen österreich, hier werden stolz immer noch heime gebaut für menschen, die dort gar nciht hinwollen (aber müssen…)

    ich bin froh, dass nicht jeder betreuer jedem ein essen geben darf – weil das wäre viel zu gefährlich!
    man muss unterscheiden, dass es etwas anderes ist, wenn ein bestimmter betreuer einem bestimmten klienten das essen geben kann!!

    dieses „wohngemeinschaft-system“ könnte nur dann gut funktionieren, wenn in so einer gruppe höchstens drei bis vier klienten zusammen wohnen und wenn es ein ECHTES bezugsbetreuer-system gäbe. so wie es jetzt abläuft, ist es nur eine gefährliche und unverantwortliche farce sowohl für klienten als auch für betreuer!

    fortsetzung folgt sogleich…..

  • Sehr geehrte Fr. Lichtenauer! Ihr Aufzeigen von Mißständen ist richtig, nur vergessen sie die Menschen die jede Minute auf Betreuung und Pflege angewiesen sind, heute, jetzt. Sollen wir auf eine Gesetzesänderung warten und zusehen wie unsere Behinderten (Entschuldigung) verrecken.Dann weren wir uns auch in Zukunft in Grauzonen bewegen. Vom Land NÖ wird verlangt das in Einrichtungen das Personal eine umfassende Ausbildung hat, nur zeigen sie mir eine dipl. Pflegerin die für einen immer noch niedrigen Lohn diese Arbeit verrichten möchte. Wir haben ja noch immer die Situation das pflegende Angehörige zu Hause ALLES machen dürfen und der Betreuer in den Behin.Einrichtung nicht einmal das Essen geben dürfte. Würde man aufstehen und sagen, das darf icht und das auch nicht und jenes sowieso nicht ein ganzes System würde zusammenbrechen. So wird auf dieser Schiene wahrscheinlich die nächsten Jahre weitergewurschtelt. Kommt es zu Mißständen wird ab und zu ein Sozialarbeiter verurteilt, weil ganz wegschauen dürfen die Politiker natürlich nicht, sonst verlieren sie noch den letzten Rest an Verantwotung, schließlich haben sie ja ein ? Gesetz gemacht.

  • Das ist wie ein Quälerei! Das muss abgeschafft werden. Man soll rund um die Uhr für Behinderten Menschen da sein! Quälerei macht sich strafbar und ist Diskriminerung! Vorschlag: Mehr Behindertenbetreuer/in, Mobilschwester und Heimhilfe aufnehmen!

  • Liebe Frau Schindl-Helldrich, natürlich weiß ich, dass es so eine „eierlegende Wollmilchsau“ nur sehr vereinzelt im institutionellen Bereich gibt. Eigentlich sind das ja nur die engsten Vertrauten!

    Es muss jedoch möglich sein, in jeder Wohngruppe von jeder Qualifikation eine Fachkraft zu haben, die jeweils für ihr „Gebiet“ Verantwortung trägt.

    Es ist nicht so, dass es nur behinderte Menschen gibt, die lediglich eine „Begleitung“ brauchen. Manche Mensche, so wie zb meine Tochter braucht mehr. Ihr Zustand als wachkomaähnlich erfordert qualitative Pflege und umfassende Betreuung zusätzlich zur sozialpädagogischen Komponente!

    Auch ich erlebe, dass es Diplomiertes Personal gibt, welches noch niemals mit einem (schwerst)behinderten Menschen zu tun hatten und trotzdem werden sie mir als „Fachpersonal“ ins Haus geschickt.

    Als Praktikantin zu meiner Weiterbildung in Hauskrankenpflege für Kinder erlebte ich 2004 in Axams eine Wohngruppe mit teils schwerst mehrfach behinderten Kindern mit PEG Sonde, wo die Leitung dieser Gruppe gar keine fachliche Ausbildung hatte!
    Ich hatte fast einen Schock, als eine Betreuuerin meinte, das ärztlich vorgeschriebene Antibiotika für ein Kind müsse sie ein wenig reduzieren, damit es sich „länger ausgeht“…

    Leider ist es wirklich so, dass die Einrichtungsleiter um Geld kämpfen müssen bei diversen Kostenträgern, GERADE DAS SOLLTE NICHT SO SEIN DÜRFEN!!

    Sie haben Recht, die hilflosen Versuche politisch Verantwortlicher als VÖLLIG INKOPETENTE LAIEN in diesem Bereich Bestimmungen zu machen, wird solange scheitern, bis JEDER behinderte Mensch in Österreich sein AUSREICHENDES persönliches Budget bekommt, welches er (bzw seine ihn unterstützenden Vertrauenspersonen) selber für seinen individuellen Hilfebedarf eigenverantwortlich verwaltet!

    Die diskriminierende Haltung gegenüber mental beeinträchtigten Menschen findet leider auch in diesem Bereich immer noch statt!

  • Zum Beitrag von Charlotte Lichtenauer:

    Ja optimal wäre es, wenn Menschen mit (all)umfassender Qualifikation für Menschen mit Behinderungen arbeiten würden: Diplomierte Pflegeausbildung, dipl. Sozialpädagofische Ausbildung, fähig respektvoll mit den KundInnen umzugehen, zu assistieren und nicht zu bestimmen…. nur in der Realität gibt es diese DienstnehmerInnen nicht.
    Aktuell kann/muss ich mich bei der Anstellung von MitarbeiterInnen dafür entscheiden, ob mir das eine, oder andere wichtiger ist. Also sollte es möglich sein mit einer berufsbegleitenden Weiterbildung auch weitere notwendige (je nach Bedürfnis der/des BewohnerIn)Qualifikationen zu erwerben und dann auch einsetzen zu dürfen.

    Ob es in einer Einrichtung gelingt Menschen gut zu begleiten hängt nach meiner Erfahrung nicht von diesen gesetzlichen Vorgaben ab, sondern vom Einsatz des Trägers, seiner Grundhaltung seinen KundInnen gegenüber, seiner Wehrhaftigkeit gegenüber Geldgebern (meist Ländern) und schließlich von der Kreativität zusätzlich Geld aufzutreiben.

    Alles zu regeln, mittels Gesetzen zu bestimmen und dann (gezwungenermaßen) zu kontrollieren ist ein hilfloser Versuch der Qualitätssteigerung. Weit besser wäre es den Betroffenen ein persönliches Budget zu geben und sie selbst wählen zu lassen, wo sie die beste Leistung bekommen

  • Fortsetzung:

    Als mobile Kinderkrankenschwester erlebte ich auch in einer OÖ Einrichtung (ganz rennomiert natürlich…)die wahnsinnige pflegerische Vernachlässigung eines Mädchens, welche nach einer schwierigen Operation wieder zurück in ihre Gruppe kam und NIEMAND zuständig war für die aufwändige Pflege, die hier nötig gewesen wäre.

    Es ist vielmehr so, dass immer gesagt wird, wir machen das schon, wir können das – aber niemand übernimmt konkret die pflegerische Verantwortung!

    Menschen, die zB eine Kanüle oder PEG Sonde haben, oder schlicht und einfach nicht sprechen oder Beürfnisse äußern können, können eigentlich in so einer Wohngemeinschaft nur unter extrem gefährlichen (illegalen) Bedingungen leben.

    Das müsste nicht sein, läge es an gewillten Entscheidungsträgern, die sich an gegebene Gesetze halten und nicht gerade hier sparen!

    Auch meine schwerstbehinderte Tochter hatte nach nur wenigen Wochen Aufenthalt in der angeblich besten Einrichtung NÖ´s durch pflegerische Vernachlässigung körperliche Schäden davongetragen. (Meine Anleitungen wurden permanent und konsequent ignoriert, weil „wir wissen das besser“, falsche Ernährung, falsche Lagerung, falsches Zähneputzen, uvm……)

    Es geht ja nicht nur um Kathetrisieren, Kanülenwechsel, PEG Versorgung – einzelne Tätigkeiten, wo man „sich jemanden holt“!

    Vielmehr müsste in einer „öffentlichen Pflege und Betreuung“ ganzheitlich gesehen werden, was noch alles wichtig ist (Lagerung, Ernährung, Stressvermeidung, uvm.)

    Ich hoffe, dass die Bemühungen meines Mannes, der diese „rennomierte“ Einrichtung in NÖ samt ihren Aufsichtsbehörden bei der Staatsanwaltschaft wegen illegaler Pflege und Amtsmissbrauch (Prüfer sagen: „die werden schon wissen, was sie tun“)angezeigt hat, eine positive Auswirkung auf die zukünftige Entwicklung dieser Szene hat und schwerstbehinderte Menschen, denen es verwehrt wird, zuhause zu leben, wenigstens fachgerecht versorgt leben können.

  • Der wichtige Zugang zum Ausbildungsmodul der Basisversorgung wurde für BehindertenbetreuerInnen im letzten Moment vom Gesundheitsministerium aus dem Begutachtungsentwurf gekippt.

    Das ist gut so, denn dafür habe ich gehofft!

    Es braucht in diesen Punkten keine GuKG Reform, sondern eine Reform des Gesetzgebers.

    Warum sollte es nicht möglich sein, fachlich geschulte und befähigte Personen in solchen Einrichtungen arbeiten zu lassen?
    Es ist eine Schande, dass hier auf dem Rücken der Ärmsten gespart wird!

    Hautnah habe ich erlebt und erlebe ich immer noch, was es bedeutet,einen schwerst pflegeabhängigen Menschen in so einer Wohngemeinschaft leben zu sehen, es ist eine Katastrofe für die Betroffenen und ihre um sie besorgten Eltern (sofern diese noch die Kraft dazu haben.

    Die geistig und körperlich schwerstbehinderte Tochter meiner Freundin wurde kürzlich mit Verbrühungen dritten Grades in die Intensivstation eingeliefert, es passierte angeblich wahrscheinlich beim Baden durch einen Heilpädagogikstudenten (!)in einer Wiener GIN Einrichtung. Bis heute wird konsequent geschwiegen, wie denn sowas passieren konnte, es wird herunter gespielt mit den Worten „es kann doch jedem mal was passieren“.

    Seit wann darf ein Student pflegerische Tätigkeiten ausüben? Niemanden kümmert das. Der Leiter dieser Einrichtung ignoriert solche Vorfälle; meine Freundin hat den Eindruck, dass versucht wird (permanentes mobbing), dieses Mädchen mitsamt ihrer besorgten Mutter loswerden zu können.
    Man hat lieber unkomplizierte, dankbare Klienten….

    Fortsetzung folgt…