Von Rollmöpsen und Rollstühlen

"Sie werden immer humpeln und ein Krüppel bleiben, damit müssen Sie sich abfinden."

Symbolbild: Sprache
BilderBox.com

Hört man in einer vom AMS geförderten Weiterbildung für Menschen mit Behinderung von der Vortragenden auf die Frage, wie man denn seine Behinderung bei einem Vorstellungsgespräch am besten „verkaufe“.

Das war vor vielen Jahren. Inzwischen gelingt es, so manches nicht mehr persönlich zu nehmen. Außerdem humpelt man auch nicht mehr, sondern kann dankend einen freigewordenen Sitzplatz ablehnen, weil man ja ohnehin ständig sitzt. Im Rollstuhl.

Und um gerecht zu bleiben, hält man fest: Es hat sich ja doch das eine oder andere in „unserem“ Bereich zum Positiven geändert in den letzten Jahren, auch was den Umgang mit der Sprache betrifft.

Man erlaubt sich aber auch zu unterscheiden, ob sprachliche Übergriffe von Menschen ohne Behinderung kommen oder von Betroffenen.

Ohne einen direkten Bezug zu Behinderungen zu haben oder in irgendeiner Form betroffen zu sein, übernimmt man nur allzu leicht und unüberlegt gesellschaftliche Traditionen und Ausdrucksweisen.

Für einen selbst stellt es sich auch als schwierig heraus, in leichter Sprache zu sprechen ohne nachzudenken. Jedoch ist man bedingungslos bemüht, Fehler nur einmal zu machen.

Wenn der Flughafen in Berlin der Meinung ist, sein Team, welches Fluggäste im Rollstuhl versorgt, „Rollmöpse“ nennen zu müssen, findet man die unbedachte Benennung äußerst bedauerlich, nicht nur was Menschen mit Behinderung betrifft. Auch am weiblichen Sektor hört man aus dieser Bezeichnung Diskriminierung heraus.

Mops: Was sagt Wikipedia und der Duden?

Der Mops stammt – laut Wikipedia – vermutlich aus dem Kaiserreich China, wo er vor mehr als 2.000 Jahren aus doggenähnlichen Hunden herausgezüchtet wurde.

Was sagt der Duden? Möpse: weibliche Brüste Substantiv, maskulin 4 Synonyme zu Mops Kugel ; (umgangssprachlich) Brocken , Brummer , Fass , Fettmops , Kloß ; (emotional) Fleischberg ; (scherzhaft) Dickbauch ; (umgangssprachlich scherzhaft) Dampfwalze , Koloss , Tonne ; (familiär scherzhaft) Dickerchen ; (salopp abwertend) Dickwanst ; (derb abwertend) Fettwanst Aussprache Betonung: Mọps Grammatik der Mops; Genitiv: des Mopses, Möpse.

Rollmops

Rollmops: Entgräteter, marinierter Hering, der längs geteilt um eine Gurke oder um Zwiebeln gerollt und mit einem Holzstäbchen zusammengehalten ist.

Es ist nicht notwendig und angebracht, dieses Wort als Synonym in unserer Behindertenpolitik zu verwenden. Wir Österreicher müssen nicht alles eins zu eins und blindlings von unserem großen Bruder übernehmen, wie der eine oder andere Politiker am Behindertensektor meint.

Zitat: „Wir brauchen mehr Rollmöpse in der Behindertenpolitik

Und sollte jemand der Meinung sein, es handle sich hier um Wortklauberei, dann fragt man sich wo dies beginnt. Bei „an den Rollstuhl gefesselt“, „Krüppel und humpeln“, „taubstumm“ und vieles mehr? Oder doch bei „Rollmops“?

Manches nimmt man eben schon noch persönlich und das darf man auch! Denn: Man braucht sicher keinen Sitzplatz, wenn man im Rollstuhl sitzt. Schon gar nicht, sollte er einmal von einem Rollmops angeboten werden.

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0 Kommentare

  • @ richard-walter: … und deswegen schreib ich das nicht aus einer persönlichen befindlichkeit heraus … ;)

  • tatsache ist halt das behinderte immer noch von vielen als gottes (für gläubige) oder darwins (für ungläubige) zweite garnitur angesehen werden und die umwelt belasten/behindern aber wem auch immer sei dank hat es sich schon wesentlich gebessert aber man muß fest dran bleiben damit man nicht wieder ins mittelalter zurückfällt

  • Diese Äußerungen sind natürlich nicht „schön“, um es mal zu nicht so grass zu dokumentieren. Aber man hat ja keine Ahnung, ob der, der diese Äußerungen von sich gibt, es gar nicht so mein, denn es gibt sehr viele Arten von geistiger Behinderung. Vielleicht gehört dieser vielleicht Behinderte ja zu uns, und er merkt nur nicht was er sagt. Oder er weiß gar nicht, dass er behindert ist. Ich hoffe ich habe mit meiner Meinung keinen unserer Behinderten verletzt.
    PS. Das kommt mir bei manchen Aussagen und Entscheidungen in der Politik auch so vor.

  • liebe gabi! du zitierst franz-joseph hier falsch. er schreibt in der presseaussendung: „Mehr Rollmopsgefühl in der Behindertenpolitik“ nicht „Wir brauchen mehr Rollmöpse in der Behindertenpolitik“. Ein kleiner, feiner Unterschied.

    diese presseaussendung ist ausserdem im zuge der kabarettistischen aschermittwochrede entstanden …

  • At Gabriela Obermeir: Ich kann zwar den Artikel (Ihren Standpunkt) nachvollziehen, jedoch sollte man sich nicht als behinderter Mensch durch so einen Begriff wie „Rollmops“ angegriffen fühlen, da es sicherlich bei anderen Menschen mit Behinderungen subjektiv negativbesetzte Wörter gibt, die für andere Personen keinen Anstoß erregen. Ich persönlich möchte nicht, dass Menschen nur weil ich im Rollstuhl sitze das Wort „Rollmops“ nicht mehr verwenden und „Rücksicht“ auf mich nehmen, da mich das Wort „Rollmops“ nicht stört. Für mich bedeutet es lediglich ein Fischgericht, das mir gar nicht schmeckt.
    Zum NAbg. Dr. Franz Josef Huainigg: Ich denke, wenn er Ihren Artikel vor Veröffentlichung der Presseaussendung (Rollmöpse in der behinderten Politik) gelesen hätte, hätte er sicherlich eine andere Wortwahl getroffen.
    Vielleicht schaffen sie es den Berliner Flughafen dazu zu bewegen die sogenannten „Rollmöpse“ umzubenennen, jedoch wäre Ihre Energie für andere, meiner Meinung nach wichtigere Angelegenheiten besser eingesetzt.