Vor 50 Jahren: Wien bekommt seine erste Akustikampel

Die erste akustische Ampel Wiens wurde am 23. Juni 1972 an der Kreuzung Böcklinstraße / Wittelsbachstraße im 2. Bezirk in Betrieb genommen.

1. Akustikampel in Wien (schwarzweiß Foto aus Juni 1972) mit blinden Menschen vor der Ampel
BNA Photographic / Alamy Stock Foto

„Akustische Ampeln erhöhen die Sicherheit im Straßenverkehr und die Selbstsicherheit von blinden und stark sehbehinderten Menschen beim Überqueren der Straßen. Sie geben uns Orientierung“, erklärt Markus Wolf, Präsident des Blinden- und Sehbehindertenverbands Österreich.

Wie auf der Internetseite der Stadt Wien zu lesen ist, sind in Wien derzeit 889 Ampeln von rund 1300 Ampelanlagen mit Blindenakustik ausgestattet. BIZEPS verweist in einem Beitrag auf eine Liste der akustischen Ampeln, die nach Bezirken geordnet ist.  

Am 23. Juni 1972 wurde die erste Akustikampel in Wien in Betrieb genommen. Sie kostete 470.000 Schilling und stellte eine technische Neuheit dar, heißt es damals in der Rathauskorrespondenz. An der Kreuzung, an der die Ampel errichtet wurde, befindet sich das Bundesblindeninstitut.

Damals und heute

Wie in einem weiteren Beitrag der Rathauskorrespondenz zu lesen ist, war der Signalton der Ampel damals während der gesamten Fußgänger-Grünphase als Dauerton zu hören. Der Signalgeber war neben der Hängeampel in der Mitte der Kreuzung montiert.

Heute ist das akustische Grünsignal nur mehr mittels Tastendruck auf dem Ampelmast auslösbar. Zusätzlich gibt es heute tastbare Informationsschilder am Anmeldekästchen der Ampelständer, die über die Beschaffenheit der Fahrbahn informieren. Auch die Anzahl der zu überquerenden Fahrstreifen kann ertastet werden.

Ampeln nach dem Mehrsinne-Prinzip müssen selbstverständlich sein

Auch wenn akustische Ampeln heute längst zum Stadtbild gehören, sind 889 Ampelanlagen mit Blindenakustik für Markus Wolf noch längst nicht ausreichend.

„Wir haben das Ziel, dass akustische und taktile Signale genauso wie die Lichtsignale als selbstverständlicher Bestandteil einer Fußgängerampel etabliert sind – also, dass es für alle ganz normal ist, dass eine Ampel Rot und Grün leuchtet und langsam und auch schnell tackert und die Ampelphasen über den vibrierenden Pfeil am Anmeldetableau anzeigt. Also Ampeln für alle, die das Mehrsinne-Prinzip erfüllen, anstatt Ampeln nur für sehende Menschen und dass die Wahrnehmbarkeit für alle anderen Menschen als ‚Hilfseinrichtung‘ jedes Mal aufs Neue extra eingefordert und argumentiert werden muss“, sagt Markus Wolf gegenüber BIZEPS.

Er wünscht sich eine gesetzliche Verankerung. „Wir regen an, bei jeder StVO-Novelle, akustische und taktile Zeichen gleichermaßen wie Lichtsignale aufzunehmen. Der Weg dahin wird aber vermutlich ein langer sein, denn bisher gibt es noch keine Anzeichen, dass man die Umsetzung ernsthaft ins Auge fassen würde“.

Akustikampel in Wien (mp3 | 0,05 MByte)
Audioquelle: MA 46

Man hört zuerst einige Sekunden das Auffindungssignal der Ampel. Dies ist ein langsames Ticken. Dann ändert sich das Signal. Man hört das Freigabesignal und das Ticken wird deutlich schneller. Die Ampel ist Grün.

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