Vosta: „Ein optimaler Nutzen für alle steht dabei im Vordergrund.“

Das Interview mit Edith Vosta, Mitarbeiterin in der Internet-Abteilung des Bundeskanzleramtes, führte Eva Papst.

Blinde Person  vor Braillezeile
Audiovisual Library European Commission

Edith Vosta hält beim Stammtisch von accessible-media am 23. Juli 2007 ein Kurzreferat über den Lehrgang „Barrierefreies Web Design“ in Linz.

BIZEPS-INFO: Seit wann beschäftigen Sie sich mit Accessibility?

Edith Vosta: Im Rahmen meiner Web-Tätigkeiten seit 1998 war es mir von Beginn an ein Anliegen, HTML-Seiten sorgfältig nach W3C Standards zu entwickeln. 2002-2004 konnte ich wertvolle Erfahrungen in meiner Arbeit mit gehörlosen Menschen sammeln. Mit der Gestaltung barrierearmer Webseiten unter Berücksichtigung der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) beschäftige ich mich seit 2004.

Barrierefreies Internet bedeutet für mich, Webseiten unter Einhaltung der W3C Standards zu programmieren und Web-Inhalte ebenso sorgfältig aufzubereiten. Ein optimaler Nutzen für alle steht dabei im Vordergrund. Ich sehe Accessibility nicht alleine stehend sondern in Zusammenhang mit allgemeiner Benutzerfreundlichkeit (Usability). Die Vorteile davon sind vielseitig und gehen weit über das Treffen der Anforderungen behinderter Menschen hinaus.

BIZEPS-INFO: Gab es einen bestimmten Auslöser oder war es berufliche Notwendigkeit?

Edith Vosta: Ein Auslöser war sicher meine damalige berufliche Verpflichtung im Rahmen der Gestaltung und Entwicklung von Webseiten für die öffentliche Verwaltung. Als Mitarbeiterin in der Internet-Abteilung des Bundeskanzleramtes bin ich aktuell verpflichtet, für die Einhaltung der Richtlinien für barrierefreie Webauftritte zu sorgen. Persönlich ist es mir ein Anliegen, das Webangebot für alle Benutzer leicht zugänglich und verständlich zu gestalten und Accessibility auch im Rahmen von EDV-Trainings und Beratung einzubringen.

BIZEPS-INFO: Glauben Sie, dass eine spezielle Ausbildung dafür notwendig und/oder hilfreich ist?

Edith Vosta: Aktuell halte ich eine spezielle Ausbildung, wie sie derzeit vom Institut für integriert Studieren in Linz betrieben wird, für notwendig, da vergleichbare Inhalte bislang in keiner Erstausbildung oder Weiterbildung verpflichtend eingebunden sind.

Zum einen bietet der Lehrgang „Barrierefreies Web Design“ für Designer und Entwickler die Möglichkeit, sich selbst durch intensive Beschäftigung mit dem Thema Behinderung und Kontakt zu betroffenen Menschen zu sensibilisieren. Zum anderen bietet der Lehrgang in kompakter Form alle wesentlichen technischen, redaktionellen und rechtlichen Grundlagen sowie praktisch umsetzbares Wissen für die Gestaltung, Entwicklung und Testen gut zugänglicher und benutzbarer Webseiten an.

Darüber hinaus erachte ich es aber als notwendig, künftig das Thema Accessibility bereits in allen Erstausbildungen und Weiterbildungen, beispielsweise in Mediendesign oder Informatikausbildungen, zu verankern.

Und dann vielleicht noch die Daten für den Folgekurs zum Nachlesen: Der nächste Lehrgang in Linz startet im Herbst 2007 und dauert vier Semester. Mit einem durchschnittlichen Arbeitsaufwand von 10-15 Wochenstunden ist zu rechnen. Die gewählte Form des Lehrganges, ein Online-Lehrgang mit wenigen Präsenzphasen, ermöglicht es, unabhängig von Zeit, Ort und mit verschiedenen Zugängen zu studieren. Näheres zur Zielsetzung, zu den Zulassungsbedingungen und zum Curriculum des Lehrganges kann unter www.bfwd.at nachgelesen werden.

BIZEPS-INFO: Haben Sie auch eine persönliche Motivation, sich für Accessibility zu engagieren?

Edith Vosta: Meine persönliche Motivation: Ich möchte nicht zuletzt selbst auch noch im hohen Alter unter Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologien selbstständig und aktiv am Gesellschaftsleben teilhaben und allgemein einen kleinen Beitrag zugunsten einer inklusiven Gesellschaft leisten.

BIZEPS-INFO: Vielen Dank für das Interview.

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