Wär‘ halt schön, wenn sowas nicht mehr passiert

Bundeskanzler Christian Kern lud eine Gruppe von Menschen zum Frühstücken ein. Unter den eingeladenen befand sich auch der Videoblogger Martin Habacher. Was dann geschah, war bemerkenswert. Aber der Reihe nach.

Martin Habacher
Martin Habacher

Im Video „Christian Kern lädt Influencer mit & ohne Behinderung zum Frühstück“ erzählt Martin Habacher, was er im Hotel am Brillantengrund erlebte.

Doch wie kam es überhaupt zu seinem Treffen mit dem Bundeskanzler? „Eines schönen Tages hatte ich die Einladung in meinem Emailpostfach. Ich hab via Mail meine Teilnahme zugesagt & noch sehr nett mit Frau Maager hin und her gemailt bzgl. Ah, kann ich mir mal den Bauch vollschlagen …„, erzählt er von der Anbahnung des Termins. 

Was dann am Samstag, den 16. September 2017 geschah, sieht man ziemlich eindrucksvoll hier:

Das Auftreten von Martin Habacher verdient hohen Respekt, weil er deutlich und sachlich erklärt, warum so eine Vorgangsweise inakzeptabel ist. Und besonders wichtig: Er zog daraus die Konsequenz, nicht am dem Treffen teilzunehmen.

Wie seid ihr verblieben?

Was passierte danach, wollen viele wissen. „Wie seid ihr verblieben?“, fragte ich Martin Habacher in BIZEPS-Interview.

„Am Nachmittag, Samstag wurde ich nochmals angerufen, es wurde sich nochmals entschuldigt und mir ein eigener Termin zugesagt“, erzählte er und führte aus: „Meine Art, wie ich die Situation bewältigt habe, wurde großteils positiv bewertet. Ich will der SPÖ jetzt ja auch nicht voll eins drauf geben. Das wäre wahrscheinlich anderen Parteien bzw. Organisationen, die nichts mit Behinderung zu tun haben, auch passiert.“

Glaubst du, dass diese Aktion von Bundeskanzler Kern verstanden wurde?

Martin Habacher ist sich da sicher und hält fest: „Glaub ja. Meine Anmerkung bzgl. WC war ja voll nachvollziehbar. Das war allen Beteiligten einfach nur unangenehm“, schätzt er die Wirkung seines Auftretens ein und fügt hinzu: „Da ich die Situation aber auch nicht zum eskalieren bringen wollte, konnte jeder gut damit umgehen. So sehe ich das jedenfalls. Wär halt schön, wenn sowas nicht mehr passiert.“

Siehe auch Reaktion von Christian Kern auf Facebook:

Lieber Martin Habacher! Es tut mir leid, dass Sie heute am Brunch nicht teilnehmen konnten, weil das Lokal nicht barrierefrei war. Natürlich haben wir uns im Vorfeld nach Barrierefreiheit erkundigt, bedauerlicherweise ist das dann trotzdem passiert. Der Vorfall hat deutlich gemacht, wie wichtig Ihr Einsatz für Menschen mit Behinderungen ist – und dass hier noch ganz viele inklusive Maßnahmen nötig sind. Sie können sich sicher sein, dass Sie dabei meine Unterstützung haben.
Den Termin holen wir nach, die Einladung ist aufrecht und ich freue mich, Sie zu treffen. Liebe Grüße! Christian Kern“

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10 Kommentare

  • Das Hotel ist im Biedermeierstil des 18. Jhdts. errichtet unter Denkmalschutz stehend und das einzige Hotel dieser Art in Wien – dies bedeutet, dass es strenge rechtliche Vorschriften gibt und ein Umbau derzeit nicht oder nur schwer bewilligt wird. Außerdem ist das Hotel eher klein ( 34 Zimmer) und behauptet auch nicht barrierefrei zu sein.
    Sicherlich wird der Denkmalschutz immer wieder als Ausrede gebraucht um Barrierefreiheit zu verhindern. Wir wissen aus Erfahrung, dass gerade normgerechte Behinderten WC´s in Wien „Mangelware“ sind und es gar nicht so einfach ist, diesbezüglich passende Lokalitäten und Restaurants zu finden.

    Oberflächlich betrachtet war es ein gute und mutige Aktion von Martin Harbacher und wir möchten BK Kern gar nicht verteidigen. Auch das Per-Du, ist in der SPÖ nichts besonderes, vor allem im kleinen Kreis… Vermutlich hat man angerufen, ob man mit dem „Rolli“ hineinkommt… Aber ehrlich, es war eine geplante provokante Aktion um auf fehlende Barrierefreiheit hinzuweisen – und dazu gehören nun einmal im Hotel-Wesen – vor allem in diesem Preissenkmet „normgerechte Behinderten WC´s“… Und es hat funktioniert. Wenn wir als „rollende Reporter“ immer so agieren würden, würden wir leider kaum zu Interviews kommen… Martin wird sicherlich beim zugesagten Termin mit BK Kern die richtigen Worte finden…

  • Ich finde den Auftritt von Herrn Habacher bei diesem Frühstück mit Mag. Kern einfach großartig. LG

  • Wenn schon Ärzte und Anwälte, Behörden oder Schulen nicht barrierefrei sind, obwohl sie es müssten und es kein Klagsrecht gibt, warum sollten dann Wirte oder Kinos barrierefrei sein?

    Vorbild Staat ist noch immer von der Idee „unwerter“ Mitmenschen durchseucht.

    So lange wir es uns gefallen lassen, ist und bleibt Österreich rückständig.

  • Vielen Dank lieber Martin, für deine Konsequenz und die Aufklärungsarbeit sowieso. Erfrischend sind halt deine Kommentare, auch wenn die Lage echt erst ist und sonst nix zum Lachen hergibt.

    Den LokalbetreiberInnen ist es in der Regel sch…egal, ob du als Mensch im Rollstuhl dort hineinkannst oder nicht. Und da rede ich noch gar nicht vom Vorhandensein eines rolligerechten WCs. Die Gewerbeordnungen tun dann noch ihres dazu. Sie verordnen keineswegs Barrierefreiheit. JedeR kann offenbar tun und lassen was er oder sie als Gewerbetreibende/r will. Die Tische sind eng und enger gestellt. Oft gibt es in Lokalen nur noch strarr fixierte Hochtische mit drangebauten Barhockern (z.Teil durch eine eingebaute Stufen im Niveau verschieden). Sie dürften momentan der Renner in Lokalen sein. Ich kann nix damit anfangen und komme nicht einmal mehr dort hinein, auch wenn der Eingang grundsätzlich stufenlos wäre.

  • dass das Lokal nicht barrierefrei gestaltet wird, habe ich schon mehrmals auch persönlich mit den Betreiberinnen und dem Bezirk besprochen. Die Antwort war und blieb, wir bauen nicht um, weil wir die Tür nicht austauschen! ich glaube dazu hat es sogar einmal ein Interview in irgend einem Medium mit den Betreiberinnen vom Hotel am Brillantengrund in Wien 7 gegeben. Dass Frau M. Maager (früher bei den Neos) es nicht gewusstt hat, ich glaub es nicht, weil ich weiß, das es nicht stimmt! MM ist im Bezirksparlament und kennt nicht nur das Hotel Brilliantengrund, sondern auch mich von früher und wie Barrierefreiheit zu sein hat, das hat sie durch mich und von mir gelernt, doch jetzt wieder vergessen. Bedauerlich oder?

  • großartige aktion, lieber martin! so muß man derartige situationen lösen. daß die spö nicht einmal in der lage ist, für einen einzigen termin barrierefreiheit zu gewährleisten, sagt alles. der kanzler soll sich bei seinen mitarbeitern, die so etwas ausmachen, bedanken.
    hart in der sache, höflich und witzig im ton, das war vorbildlich, martin! ich bin stolz auf dich und erkläre dich zum „commander of coolness“ (COC) des united empire of independent living.

  • Super die Reaktion von Herrn Habacher. Was mir noch aufgefallen ist, Herr Bundeskanzler Kern hat Herr Habacher geduzt. Ist das so wenn man bei der SPÖ eingeladen ist? Und kann Herr Habacher den Herrn Kern jetzt auch duzen?
    LG
    Franz Grillpazer

  • Dieses Beispiel zeigt ganz anschaulich wie wichtig es ist, dass Menschen mit Behinderungen viel mehr für die Sensibilisierungsarbeit eingesetzt werden müssen. In vielen Köpfen ist Barrierefreiheit einzig und allein mit der Erreichbarkeit einer Location verbunden. Beide Reaktionen finde ich gut und genau diese Situationen führen „hoffentlich“ auch zu einem Umdenken bei den verantwortlichen Politikern. Hut ab, Martin Habacher!!!!

  • Na Schau ma mal. Das mit barrierefrei ist noch eine große Barriere für viele. Lg Helly

  • Dieser und andere Vorfälle (türkise Stufen vor Wahlkampfbüros) zeigen leider, wie weit man in Österreich von inklusivem Denken bezüglich behinderter Menschen entfernt ist.
    Sie zeigen den Unterschied zwischen Sonntagsreden und der Realität. Da helfen auch 100-fache Entschuldigungen nichts. Barrierefreiheit ist nicht in den Köpfen der Menschen verankert.
    Es zeigt, wie wichtig diesbezügliche Sensibilisierungsarbeit ist. Macht einem als „Sensibiliesierungsarbeiter“ aber machmal sprach- und mutlos.
    Eh nicht wirklich! 😉 … weil heute schreibe/spreche ich darüber und am MO sensibilisiere ich wieder ÖBB-MitarbeiterInnen. Weiter gehts!