„Rechte statt Almosen!“ 100 Jahre Behindertenbewegung in Österreich
Menschen mit Behinderungen kämpfen in Österreich seit 100 Jahren für Selbstbestimmung, Rechte und gesellschaftliche Teilhabe. Die im Haus der Geschichte …
Seit 100 Jahren setzen sich Menschen mit Behinderungen für ihre Rechte und Selbstbestimmung ein.
Von 30. September bis 2. November 2026 zeigt das Haus der Geschichte Österreich (hdgö) die externe Wanderausstellung „Rechte statt Almosen!“ im Museumsfoyer. Sie erzählt von der österreichischen Behindertenbewegung in der Zwischenkriegszeit.
Bei „Reappropriation“ eignen sich Betroffene diskriminierende Fremdbezeichnungen bewusst an und deuten sie positiv um. Schon vor 100 Jahren griff die Behindertenbewegung zu diesem aktivistischen Mittel: Im August 1926 gründeten Menschen mit körperlichen Behinderungen die „Erste Österreichische Krüppelarbeitsgemeinschaft“.
Ab 1927 gab die Organisation die Zeitschrift „Der Krüppel“ heraus. „Was uns Krüppel zu Boden drückt, ist nicht das Wort, sondern die Wertung, das Vorurteil, das die Allgemeinheit, sei es der Staat oder die Gesellschaft, damit verbindet“, schrieb der Vereinsgründer Siegfried Braun 1928 in der Zeitschrift.
Sie wurde zum Sprachrohr für Forderungen nach gesellschaftlicher Teilhabe. Die Arbeitsgemeinschaft wollte durch Sichtbarkeit und politischen Einfluss die Emanzipation von Menschen mit Behinderungen voranbringen.
„Ich freue mich, dass wir diese Ausstellung als erste Institution zeigen können. Das hdgö setzt sich laufend im Disability History-Projekt mit der politischen Geschichte von Menschen mit Behinderungen auseinander und wurde dafür gerade mit einem Staatspreis ausgezeichnet. Die Ausstellung Rechte statt Almosen! ergänzt unseren Zugang anhand besonderer historischer Quellen“, so hdgö-Direktorin Monika Sommer.

Rechte statt Almosen! entstand im Rahmen des Forschungsprojekts 100 Jahre Behindertenbewegung von Angela Wegscheider und Volker Schönwiese. Die Wanderausstellung zeigt, wie die Interessenvertretung entstand, eigene Strukturen sowie Bildungs-, Kultur- und Sportangebote organisierte. In der Ersten Republik erhielten Menschen, deren Behinderungen auf Krieg oder Arbeitsunfälle zurückgingen, mehr Rechte und Unterstützung als andere Menschen mit Behinderungen.

Die Arbeitsgemeinschaft setzte sich bis zur nationalsozialistischen Machtübernahme dafür ein, diese Rechte weiter auszubauen. 1938 unterstützte die Vereinsleitung die Eingliederung in NS-Strukturen. Zugleich schloss der Verein mehr als 60 jüdische Mitglieder aus. Die Ausstellung blickt auch auf die Nachkriegszeit: Die Interessenvertretung gründete sich neu, doch interne Konflikte prägten den Neuanfang.
„Die Erste Österreichische Krüppelarbeitsgemeinschaft formulierte das Motto: ‚Arbeit, kein Mitleid!‘ Sie erkannte Diskriminierung als Ursache ihrer Not. Diese Erkenntnis war damals grundlegend – und ist bis heute aktuell“, erläutert Kuratorin Angela Wegscheider.
Sie führt am 1. Oktober um 18:15 Uhr in deutscher Standardsprache und am 31. Oktober um 16 Uhr in einfacher Sprache durch die Ausstellung.
Siehe: Ausstellung im Haus der Geschichte, Österreichischer Behindertenrat
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