Wann werden Sonderschulen abgeschafft – die Diskussion läuft hitzig

Inklusion im Bildungsbereich wird Menschen mit Behinderungen in Österreich noch immer verwehrt - trotz klarer UN-Handlungsempfehlungen.

Schulgebäude von außen
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Im Rahmen einer Bildungsdiskussion am 18. September 2013 im Parlament verwies der GRÜNE-Abgeordnete Karl Öllinger auf die aussondernden Komponenten unserer Schulen. Es fehle das Bekenntnis zu einer Schule für alle, hielt er fest. „Wir sondern aus, eine Sonderschule ist wirklich ein Skandal und niemand hat bisher darüber gesprochen, dass dieser Skandal eigentlich abgeschafft gehört“, zeigte er sich in der Sitzung entsetzt.

Dies habe „nicht nur wegen der behinderten Kinder, sondern auch wegen den anderen Kindern, die dorthin abgeschoben werden“ zu passieren, ergänzte Öllinger.

Für Stefan Markowitz (Team Stronach) ist es auch völlig falsch, dass Kinder, die nicht Deutsch konnten, in Sonderschulen abgeschoben wurden: „So wird jungen Menschen die Zukunft verbaut!“, lässt er in einer Presseaussendung wissen.

Sonderschulen „müssen auf jeden Fall auch in Zukunft bestehen bleiben“, meint hingegen FPÖ-Bildungssprecher Dr. Walter Rosenkranz in einer Reaktion und ergänzt: „Es gibt aber auch schulpflichtige Kinder, die in regulären Schulklassen nicht unterrichtet werden können.“ Er lehnt daher die Forderung nach Abschaffung der Sonderschulen ab.

Auch die Tiroler Tageszeitung greift das Thema auf und schreibt: „Es benötigt auch in Zukunft sonderpädagogische Schulformen, weil nicht jedes Kind für die Integration in eine Regelschule geeignet ist.“ In einem weiteren Artikel „Migrantin abgeblitzt: Kein Platz für Kind in Integrationsklasse“ zeigt die Tiroler Tageszeitung alltägliche Diskriminierungen auf.

Was steht in den Handlungsempfehlungen der UNO?

Am 2. und 3. September 2013 wurde Österreich auf die Einhaltung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen geprüft. Das Ergebnis ist sehr ernüchternd und die UNO hält fest: „Das Komitee ist besorgt, dass die Fortschritte in Richtung inklusiver Bildung in Österreich anscheinend stagniert haben.“

Konkret wird Österreich mit der UN-Handlungsempfehlung Nr. 43 ins Stammbuch geschrieben: „Das Komitee empfiehlt, dass größere Anstrengungen unternommen werden, um Schüler und Schülerinnen mit Behinderungen in allen Bereichen der inklusiven Bildung vom Kindergarten bis zur Sekundarstufe zu unterstützen. Insbesondere empfiehlt es dem Vertragsstaat sicherzustellen, dass Menschen mit Behinderungen, einschließlich Kinder mit Behinderungen und ihre repräsentativen Organisationen, in die alltägliche Umsetzung der Modelle inklusiver Bildung, die in mehreren Ländern eingeführt wurden, eingebunden werden. Das Komitee empfiehlt ebenfalls, dass größere Anstrengungen unternommen werden, um Menschen mit Behinderungen zu ermöglichen, an Universitäten oder anderen tertiären Bildungseinrichtungen zu studieren. Das Komitee empfiehlt ferner, dass verstärkte Bemühungen unternommen werden, um Lehrende mit Behinderungen und Lehrende, die die Gebärdensprache beherrschen, auf den erforderlichen Qualitätsniveaus auszubilden, um die Bildung von gehörlosen und hörgeschädigten Mädchen und Jungen in Übereinstimmung mit der offiziellen Anerkennung der Gebärdensprache in der Verfassung von Österreich zu fördern.

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0 Kommentare

  • Die Positionen der FPÖ sind schwer verständlich. Was meint eigentlich der Behindertensprechen, Hr. Hofer, dazu? Was ist da jetzt Parteilinie? Umfangreiche Ausgrenzungskonzepte sind im Parteiprogramm nachzulesen. Die Schulexklusion gehört nach Dr. Rosenkranz auch dazu.

  • Das Menschenrecht auf Nichtaussonderung und inklusive Bildung statt Segregation spaltet Politik und Bildungsverantwortliche, wenn’s ums Umsetzen geht. Hat denn die Bildung so sehr versagt, dass die, m.W. durch alle Fraktionen ratifizierte UN-BRK nicht verstanden wurde?
    Inklusion und Exklusion können nicht miteinander!