Warum die WienMobil-App der Wiener Linien derzeit nur bedingt empfehlenswert ist

Am 8. Juni 2017 stellten die Wiener Linien ihre neue App WienMobil vor. Ein Kommentar.

App WienMobil
Wiener Linien

Die neue WienMobil-App ermöglicht das Routing und die Buchung unterschiedlicher Verkehrsmittel sowie Kauf und Anzeige von Wiener-Linien-Tickets.

Mit der neuen App werden wir unserer klar definierten Digitalstrategie gerecht. Mit WienMobil werden immer mehr Tickets und Services der Wiener Linien zusammengeführt, vereinheitlicht und in einer einzigen digitalen Anwendung zur Verfügung gestellt“, so Alexandra Reinagl, Geschäftsführerin der Wiener Linien, bei der Vorstellung der neuen App.

WienMobil ist laut den Wiener Linien „mittelfristig“ dazu gedacht, qando zu ersetzen. Sie ist schnell installiert – es gibt sie für Android und iOS. Was die App im Detail kann, wird online erklärt.

Informationen zur Barrierefreiheit

Als Rollstuhlfahrer interessiert mich vor allem, ob Aufzüge funktionieren und ob Fahrzeuge barrierefrei sind. Was genau davon kann WienMobil derzeit liefern? Ein Test.

Vorausschicken muss man, dass die App WienMobil ganz neu ist und sicherlich noch einiges an Verbesserungspotential hat. Grundsätzlich – so wurde uns bestätigt – wurde versucht, Informationen zur Barrierefreiheit einfließen zu lassen.

Screenshot der WienMobil-App mit der Einstellung: Nur barrierefreie Fahrten
Wiener Linien

Es gibt in der Routenplanung die Möglichkeit, „Nur barrierefreie Fahrten“ auszuwählen. Gemeint sind damit Fahrzeuge, die die Wiener Linien als zugänglich erkennen können. Die Busse sind alle mit Rampe zugänglich und bei den Straßenbahnen wird erkannt, ob es eine Niederflurstraßenbahn ist.

Nur leider wird diese Information auf der Detailseite NICHT angegeben und auch nicht bei der grafischen Darstellung der Stationsabfahrten angezeigt – sehr wohl aber anscheinend bei der Auswahl der Routen berücksichtigt. (Zumindest deuten Tests darauf hin, wenn man es mit dem Wiener Linien Service iTIP vergleicht, wo angezeigt wird, welche Busse und Straßenbahnen barrierefrei sind.)

Mangelhafte Daten führen zu falschen Ergebnissen 

Falsch – wie bisher alle Wiener Linien Informationen (wie beispielsweise Qando) – ist die Angabe zur Barrierefreiheit bei den U-Bahnen. Da wird bei ALLEN U-Bahnen behauptet, dass sie barrierefrei sind. Die Wiener Linien können laut eigener Darstellung nämlich NICHT zwischen U-Bahnen mit Höhenunterschied und Spalt (genannt Silberpfeil) und U-Bahnen mit Rampen (V-Wagen) unterscheiden.

Das ist zwar peinlich (immerhin schreiben wir schon 2017), dürfte aber bei den Wiener Linien Realität sein. Es verwundert daher auch nicht, dass die App WienMobil bei der Routenplanung diesen wichtigen Unterschied nicht berücksichtigen kann. Daher sind die Ergebnisse falsch.

Die Anzeige der defekten Aufzüge ist auch noch nicht gesondert in der App zu finden (auf der Homepage der Wiener Linien aber schon);  wird aber angeblich bei der Routenberechnung berücksichtigt. Es wurde auf BIZEPS-Nachfrage zugesagt, dass beim nächsten Update der App diese Informationen aufgenommen werden.

Individualisierung sehr schwach

Was die App leider derzeit fast noch überhaupt nicht kann, ist einen individuellen Service im Bezug auf Barrierefreiheit bieten. Weder kann ich mich per Push-Nachrichten über Störungen bei mir wichtigen Linien informieren lassen, noch über ausgefallene Aufzüge oder sonstige für mich relevante Informationen.

„Derzeit werden aktuelle Störungsinfos bei allen betroffenen Linien angezeigt. Eine eigene Auswahl von Störungsinfos bzw. ein Abo für bestimmte Fahrzeuge oder Linien ist aber geplant“, informiert aber der Kundendienst der Wiener Linien auf meine Nachfrage.

„Insgesamt wirkt die Bedienung an einigen Stellen komplizierter, als sie sein müsste“, schreibt die futurezone. Dem muss man leider beipflichten. Aber diese Schwachstellen können sicher bei einiger Anstrengung ausgemerzt werden.

Es gibt auch grundsätzliche Kritik, warum die Stadt Wien und die Wiener Linien mehrfach Steuergeld für verschiedene Apps einsetzen, statt es Profis machen zu lassen. Es besteht derzeit kein Interesse, diese Daten öffentlich zu machen.

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7 Kommentare

  • Ich verwende die App seit 2 Tagen, vielleicht könnte es sein, dsss mein Kommentar sachlich nicht richtig, in so will ich ihn als Frage formulieren. Ist es richtig, dass ich eine gekaufte Karte, die auf der App geladen ist, nicht vorzeigen kann, wenn ich keine Internetverbindung besitze. Auf der Homepage von wienmobil wird darauf verwiesen, dass ich für die Internetverbindung verantwortlich sei. Das mag richtig sein, dennoch müsste es die Möglichkeit geben, die Karte unabhängig vom Internet zu speichern. Die DB App (Deutsche Bahn) bekommt das ja auch hin. Bei der WienMobil App kann ich diese oder eine ähnliche Funktion wie „meine Tickets“ nicht nicht finden. Und so benötige ich immer ein ausgedrucktes Ticket. Das Ticket im Handy ist somit überflüssig, da ich, wenn ich mich auf das Handyticket. verlasse, immer Gefahr laufe, schwarz zu fahren; wirklich stressig, wenn man das erst im Bus, Zug etc. bemerke, was mir passiert ist.
    Für eine Antwort wäre ich Dankbar
    Jörg Modeß

  • Lange hat es gedauert, aber nun haben auch die Wiener Linien erkannt. Google kann es besser: http://derstandard.at/2000062904782/Wiener-Linien-Daten-ab-sofort-in-Google-Maps-integriert

  • Es wäre schön gewesen, wenn der Beitrag auch die Bedienung für Blinde thematisiert hätte. Immerhin beansprucht der Titel die Frage zu beantworten, warum die App nur bedingt zu empfehlen ist. Daher sollte er auch alle Aspekte für möglichst alle Menschen mit Behinderungen berücksichtigen.

    Ansonsten wäre eine Überschrift wie „Warum die WienMobil-App der Wiener Linien für Rollstuhlfahrer derzeit nur bedingt empfehlenswert ist“ oder „Warum ich … nur bedingt empfehlen kann“ passender.

  • Man muss nur einmal nach Budapest schauen, wo saemtliche Daten zu den Fahrzeugen, Fahrplaenen und Routen ueber Google Maps abrufbar sind. Ich kann mir „life“ darstellen lassen auf der Landkarte wo gerade ein Niederflurzug faehrt, wo die Lifte gehen und auch wie barrierefrei die Stationen beschaffen sind. Ich kann dort filtern ob man die Darstellung mit oder ohne barrierefreien Zuegen/Stationen/Verbindungen haben moechte.

    Man kann „Abos“ setzen, man kann Favoriten setzen, Erinnerungen und auch immer wiederkehrende Strecken/Routen merken.

    Google Maps ist fuer viele Plattformen verfuegbar und bereits erfunden. Es bietet Schnittstellen um Overlays einzubinden oder ggf. die Darstellung abzuaendern.

    Wozu muss Wien bzw. die Wiener Linien das Rad neu erfinden, die dann aber nur einen Teil abdeckt?

    Ach ja – die Carsharing, Car2Go Angebote usw. sind in Budapest auch eingebunden und werden beruecksichtigt genauso wie Fahrraeder. Das ist nix neues.

    Wien tut bei vielen Dingen immer so als waere es eine Weltneuheit – dabei reicht es in die naechste Hauptstadt ueber den Tellerrand zu schauen um zu sehen was es schon alles gibt.

    Hab ich schon erwaehnt was man alles in Berlin oder Strasbourg barrierefrei mit Google Maps machen kann? Ich lass es lieber – sonst reicht der Text hier nicht aus.

    • Ich verwende nur für Wiener Linien allein jetzt schon 3 Apps. Wann und Karten, um mich via Turn-by-Turn-Navigation zu einer bestimmten Haltestelle bringen zu lassen und Qando um Routen herauszusuchen.
      Zwar ließe sich auch mit Qando eine Station auffinden, jedoch ist die App viel zu ungenau (selten weniger als 30 Meter) und beherrscht schon gar nicht Turn-by-Turn.

      All diese Lösungen erreichen selbstverständlich nicht die Fähigkeiten verbreiteter Navigationssoftware wie Google oder Apple Maps.
      Alles hat aber auch sein Gutes, das sollte man nicht unerwähnt lassen. Es freut sich mindestens mein Stromanbieter über meine Aufladegewohnheiten.

  • Abgesehen von der Planung barrierefreier Fahrten gibt es auch Optimierungsbedarf für blinde Anwender bei der barrierefreien Nutzung, z.B. mit VoiceOver am iPhone. Derzeit kann ich die App nicht nutzbringend einsetzen, bin aber auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen und nutze daher weiterhin quando. Es wird vermutlich noch einige Zeit dauern, bis die App den Bedienungskomfort von qando einigermaßen erreicht hat, deren Agentur sich stets bemüht hat Barrieren in der Bedienung mit VoiceOver auszumerzen und Kontakt zur Zielgruppe zu halten. Hier wurde im Laufe der Jahre ein beachtliches Wissen zum Thema barrierefreie App-Gestaltung aufgebaut. Möglicherweise wieder Jahre warten zu müssen, bis auch die neue Wien Mobil App einen ähnlichen Standard erreicht, wäre äußerst bedauerlich und als echter Rückschritt zu bezeichnen.

    Da die Entwicklung aber noch am Anfang steht, bleibt auch die Hoffnung, dass künftig gemeinsam mit den Zielgruppen und nicht über deren Kopf hinweg Barrierefreiheit ernsthaft implementiert wird.