Warum gibt es archiv-behindertenbewegung.org?

Im Web sind nun die Ausgaben der Luftpumpe, die Krüppel-Zeitung, die randschau und viele weitere historisch wichtige Ausgaben im archiv-behindertenbewegung.org verfügbar. Wir interviewten dazu Jörg Fretter, der das Archiv betreut.

Archiv der Behindertenbewegung
Jörg Fretter

Unter der Internetadresse archiv-behindertenbewegung.org ist eine Vielzahl wichtiger Zeitungen aus dem Behindertenbereich der letzten 40 Jahre online gegangen. Dies waren die Beweggründe:

Gegen das Vergessen, so könnte der Leitspruch des archiv-behindertenbewegung lauten. Dass da mal etwas gewesen ist. Dass sich behinderte Menschen aufgemacht haben, der Normalität die Stirn, das Hinkebein, den Rollstuhl … entgegen zu setzen. Emanzipationsbestrebungen als ein Teil sozialer Bewegungen in Deutschland. Da war mal etwas gewesen. Wir halten es fest für die Nachwelt.

Wir führten mit Jörg Fretter, der das Archiv betreut, folgendes Interview.

„Wir haben fast zweieinhalb Jahre für die Umsetzung der Idee gebraucht.“

BIZEPS: Was war die Motivation, dieses Archiv aufzubauen?

Jörg Fretter: Als ehemalige Mitarbeiter/Herausgeber der behindertenpolitischen Zeitschrift ‚die randschau‘ hatten wir immer das Gefühl, dass die Schätze unserer jahrelangen Arbeit für die Nachwelt gesichert gehören. Wir sind auch immer wieder angesprochen worden, ob wir noch alte Hefte haben oder wo die zu bekommen sind.

BIZEPS: Wie ging es dann weiter?

Jörg Fretter: Es hat sich fast die gesamte ehemalige Redaktion der 2. Phase (1991 bis 1997) zusammengesetzt und überlegt, wie so etwas umzusetzen wäre.

Und da das Web die Möglichkeit bietet, haben wir uns für eine Website entschieden, auf der die alten Hefte runterladbar sind. Zudem kam uns zur Hilfe, dass es noch ein altes Krüppelkonto gab, das das Startkapital zur Verfügung stellte. (Danke, bundesweites Forum der Krüppel- und Behinderteninitiativen!)

BIZEPS: Wie lange hat es gedauert?

Jörg Fretter: Wir haben fast zweieinhalb Jahre für die Umsetzung der Idee gebraucht. Wir haben sehr lange nach jemandem gesucht, der uns für relativ kleines Geld die Digitalisierung der Hefte und auch das Konstrukt der Website erstellt. Wir hätten nicht gedacht, das dies so aufwändig sein würde.

Die Umsetzung, insbesondere der Volltextsuche war schwierig und ist leider mit Mängeln behaftet. Hier sind wir mit dem Ergebnis nicht ganz so zufrieden. Aber da wir nur beschränkte Mittel hatten, sind wir Kompromisse bei der Qualität eingegangen. Realisiert hat die Website dann schließlich der Webservice der Stiftung Pfennigparade aus München.

BIZEPS: Wieso braucht es so ein Archiv?

Jörg Fretter: Wir denken, dass es eine Art Gedächtnis der bundesdeutschen behindertenpolitischen Szene geben muss. Vielleicht braucht es ja auch sonst niemand, aber uns gefällt der Gedanke, dass falls doch, es einen Ort gibt, an dem die Hefte dokumentiert sind.

BIZEPS: Und was habt ihr ins Archiv aufgenommen?

Jörg Fretter: Es finden sich hier alle alten Hefte der Krüppel-Zeitung, der Zeitschrift für die Emanzipation Behinderter und Nichtbehinderter „Luftpumpe“, „die randschau“-Zeitschrift für Behindertenpolitik, so wie die noch erscheinenden Zeitschriften „Mondkalb“ aus Berlin und der „newsletter Behindertenpolitik“ aus dem BioSkop-Spektrum.

Weitere Materialien findet mensch schon jetzt (z.B. die digitalisierte Form des Buches „Krüppel-Tribunal“, u.a.) -, weitere werden auf Dauer folgen. Zum Beispiel sind wir auf der Suche nach den ehemaligen HerausgeberInnen der Zeitschrift „Ghetto- Knacker“, die wir ebenfalls digitalisieren möchten. Aber auch alte Flugblätter, Plakate, Aufkleber, wollen wir dokumentieren. Ein paar inhaltliche Beiträge ergänzen bislang das Ganze.

BIZEPS: Wer steht hinter dem Archiv und wer betreut es?

Jörg Fretter: Wir haben uns das ganze Lala mit Gründung eines Vereins als Träger erst einmal gespart. Vielleicht muss das auf Dauer sein, wir werden sehen. Bisher betreue vor allem ich von Marburg aus die Seite. Geld wird aber immer gebraucht – z.B. um den Server auf Dauer bezahlen zu können – von der Umsetzung einer besseren Technik gar nicht zu reden.

Aber wir haben bewusst auf Gelder der Aktion Mensch verzichtet und schauen mal, wie weit wir damit kommen. Wir wissen, das auch Andere angefangen haben Materialien aus der emanzipatorischen bundesedeutschen Behindertenbewegung zu sammeln und schauen wie sie die Materialien, die es gibt, der Nachwelt erhalten bzw. diese wissenschaftlich zugänglich machen. Der von uns gewählte Weg ist einer davon.

BIZEPS: Wir danken für das Interview und wünschen viel Erfolg!

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