Was lernen wir aus der diskriminierenden Werbekampagne von Billa?

Am 28. Oktober 2021 forderte Nikolaus Kunrath (Grüne) im Wiener Gemeinderat dafür Sorge zu tragen, dass zukünftig keine diskriminierenden Werbekampagnen mehr durchgeführt werden. Der Antrag wurde abgelehnt.

Niki Kunrath
GRÜNE

Im Oktober 2021 sorgte die Plakatwerbung von Billa mit dem Aufdruck „Mit einer Behinderung wirst du nicht gebraucht“ für enorme Aufregung. Am 18. Oktober 2021 entschied der Österreichische Werberat, dass die Billa-Kampagne eine Verletzung des Ethikkodex der Werbewirtschaft darstellt.

Die Plakate wurden daher früher als geplant entfernt. Doch ist das ausreichend?

So etwas darf nicht wieder passieren!

Am 28. Oktober 2021 brachte Abgeordneter Nikolaus Kunrath (Grüne) gemeinsam mit anderen Gemeinderätinnen und Gemeinderäten der Grünen im Zuge einer Gemeinderatssitzung folgenden Antrag ein:

Der amtsführende Stadtrat für Finanzen, Wirtschaft, Arbeit, Internationales und Wiener Stadtwerke, KR. Peter Hanke, wird ersucht mit der Fachgruppe Werbung in der Wirtschaftskammer Wien in Kontakt zu treten, um nach Lösungen dafür zu suchen, dass hinkünftig keine diskriminierenden Werbekampagnen mehr durchgeführt werden.

Ebenso soll im gesamten Einflussbereich der Stadt Wien darauf geachtet werden, dass Werbeflächen für diskriminierende Werbekampagnen nicht mehr zur Verfügung gestellt werden.

In seinen Ausführungen zum Antrag meint Nikolaus Kunrath, dass der Schaden durch die Kampagne schon angerichtet worden sei.

Das, was Menschen ohnehin schon über Menschen mit Behinderungen denken, würde durch eine solche Kampagne immer wieder bestätigt und brenne sich zudem durch den täglichen Sichtkontakt weiter ein, führt Kunrath weiter aus und bemerkt zudem, dass keine Wendung so stark sein könne, um diese Aussagen zu neutralisieren.

Es sei bedauerlich, dass die Gewista nicht gegen die Plakat-Kampagne eingeschritten sei.

Antrag abgelehnt

Während Grüne und ÖVP für den Antrag stimmten, stimmten SPÖ, NEOS und FPÖ dagegen. Infolgedessen wurde der Antrag aufgrund fehlender Mehrheit abgelehnt.

Von der diskriminierenden Werbekampagne bleibt also, dass sie verfrüht aufgelöst wurde und das Urteil des Österreichischen Werberats. Das sind alles Dinge, die im Nachhinein passiert sind.

Um so etwas aber in Zukunft zu verhindern, bräuchte es aber in der Tat Strategien, die Kampagnen, die eindeutig diskriminierend sind, schon im Vorhinein verhindern. Das würde zeigen, dass man aus dem Sachverhalt wirklich etwas gelernt hat und bereit ist, zukünftig etwas zu ändern.

Die Frage, was man aus der diskriminierenden Werbekampagne für die Zukunft mitnehmen kann, bleibt offen.

Werbeplakat mit Aufdruck: Mit einer Behinderung wirst du nicht gebraucht.
BIZEPS
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9 Kommentare

  • Wir können den Kommentar zu diesem sensiblen Thema sehr gut nachvollziehen, und stimmen euren Standpunkten und Argumenten in den meisten Fällen zu. Die Botschaft, die versucht wurde zu vermitteln, spricht grundsätzlich für das Unternehmen, jedoch wurde die Vermarktung dessen zum Vorteil des eigenen Konzerns genutzt. Ein besserer Ansatz wäre die praktische Umsetzung der Inklusion gewesen, anstatt diese für Werbezwecke zu missbrauchen. Durch die Provokation des 1. Plakates ging die ursprüngliche Intention des Werbekonzepts verloren. Euren Standpunkt, mehr Aufmerksamkeit auf das Thema Behinderung zu lenken, widersprechen wir, da es grundsätzlich Normalität sein sollte, Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft zu integrieren. Es sollte lediglich Bewusstsein für diese Thematik geschaffen werden.

  • Das Problem bei solchen Sujets ist, dass sie nicht erklärt werden. Die „Auflösung“ kam etliche Tage später und bis dahin wurden diese Plakate in den öffentlichen Raum geworfen.

    Nein, so funktioniert Werbung nicht. Werbung muss eindeutig und klar verständlich sein. Das hat Billa verabsäumt. Vielleicht stand ursprünglich ein guter Gedanke dahinter, aber wie so oft ist gut gemeint nicht gut gemacht. Hier wurde werbe- und öffentlichkeitswirksam ins Klo gegriffen, das hat nun zur Folge, dass auf den eigentlichen Missstand (Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt) nicht hingewiesen, sondern mal wieder schön unter dem Teppich gekehrt wurde. Billa hat aber dennoch die Aufmerksamkeit, denn auch hier gilt: Es gibt keine schlechte PR.

    Das Nachsehen haben aber letztendlich die Betroffenen, die Arbeit suchen und aufgrund ihrer Behinderung wohl keine finden werden. Es ist und bleibt ein Trauerspiel, weil Leute sich mit dem Thema befassen, die in Wahrheit keine Ahnung haben und das Thema aus marketingtechnischen Gründen ausschlachten. Es geht um Gewinnmaximierung und nicht um das Anliegen.

    • Ja, das stimmt, ich stimme dir in den meisten Punkten zu 100 % zu, wie zum Beispiel das die Werbekampagne und der Text sehr schlecht gewählt waren, dafür, das sie beides erst Tage später aufgeklärt wurde. Trotzdem muss ich in einem Punkt widersprechen. Auch wenn die Kampagne augenscheinlich extrem diskriminierend war, weil sie nicht früh genug erklärt wurde, waren ganz bestimmt viele Menschen schockiert, die sich ohne die Plakate nicht mit dem Thema beschäftigt hätten. Vielleicht hat man durch den „Skandal“ sogar mehr Menschen erreicht als ein besser erklärtes Plakat es geschafft hätte. Diese Tatsache rechtfertigt unter keinen Umständen den Fehler, den Billa offensichtlich gemacht hat, trotzdem muss man sagen, dass die Kampagne den Menschen mit Behinderung vermutlich nicht nur geschadet hat, da sie auf das Thema aufmerksam gemacht hat. Und wie du selbst gesagt hast, es gibt keine schlechte PR und das gilt nicht nur für Billa!

  • Die Thematik der Behinderung ist eine Ernste, die zahlreiche Menschen tagtäglich betrifft und keinesfalls als Provokation sowie als Verkaufsargument verwendet werden darf! Es liegt nicht in der Verantwortung eines kapitalistisch-orientierten Unternehmens sich mit Ableismus zu befassen. Die Auseinandersetzung innerhalb der Medien brachte vielleicht die gewünschte Aufmerksamkeit allerdings keine Verbesserung der derzeitigen Situation von Menschen mit Behinderung in Österreich. Die Problematik der Botschaft, die das erste Plakat vermittelt, wurde nur bedingt durch die Veröffentlichung des zweiten Plakats behoben. Daher wäre es sinnvoller gewesen direkt eine positive Formulierung zu verwenden beziehungsweise beide Plakate zu vereinigen. Die Grundidee mehr Aufmerksamkeit auf das Thema Behinderung zu lenken ist an sich eine Gute, doch es haperte an der Umsetzung.

    • Wir können den Kommentar zu diesem sensiblen Thema sehr gut nachvollziehen, und stimmen euren Standpunkten und Argumenten in den meisten Fällen zu. Die Botschaft, die versucht wurde zu vermitteln, spricht grundsätzlich für das Unternehmen, jedoch wurde die Vermarktung dessen zum Vorteil des eigenen Konzerns genutzt. Ein besserer Ansatz wäre die praktische Umsetzung der Inklusion gewesen, anstatt diese für Werbezwecke zu missbrauchen. Durch die Provokation des 1. Plakates ging die ursprüngliche Intention des Werbekonzepts verloren. Euren Standpunkt, mehr Aufmerksamkeit auf das Thema Behinderung zu lenken, widersprechen wir, da es grundsätzlich Normalität sein sollte, Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft zu integrieren. Es sollte lediglich Bewusstsein für diese Thematik geschaffen werden.

  • Ein Spruch dieser Art, darf nicht als Werbung für etwas verwendet werden, auch, wenn man etwas positives damit vor hat. Dieses Plakat ist massivst diskriminierend und man kann so nichts positives zwischen den Zeilen lesen! Um die Message so rüberzubringen wie es gedacht war, hätte es viele andere Möglichkeiten gegeben! Abschließend kann man sagen, dass dieses Plakat sehr respektlos und ausgrenzend ist, da man nicht wusste, dass etwas Positives über das Thema Behinderung plakatiert werden sollte. Jedoch hat Billa durch diese Aktion das Ziel erreicht, dass die Menschheit über Behinderung spricht.

  • Als Mensch mit Behinderung wird von mir gemachter Umsatz also nicht gebraucht. So oft bin ich zwar nicht im Billa-Gebiet gewesen, trotzdem: Einverstanden, ich merke mir, wer lieber kein Geld an mir verdienen will. Wunschgemäß werde ich es also vermeiden, dort wieder Geld auszugeben. Solch eine Entscheidung für mich persönlich kann ich auch ohne irgendwelche Politiker treffen. Und setze meinen Namen dran, im Gegensatz zur ursprünglichen Plakat-Aktion.

  • Es ist ja ein reines Ablenkungsmanöver, dass dieser Antrag an den Wiener Wirtschaftsstadtrat gerichtet wird. Wenn ich ein Verbot solcher Werbungen andenke, sollte es sich in erster Linie an die Auftraggeber*innen richten – und das ist Billa. Und wir haben dabei das Problem, dass die Kampagne wohl nicht rechtswidrig, aber sehr wohl unethisch ist. Wenn schwarz-grün etwas gegen solche (ethisch, nicht rechtlich) diskriminierenden Kampagnen unternehmen wollen, müssen sie sich auf Bundesebene etwas überlegen. Da haben sie auch die Mehrheit. Das wollen sie aber offensichtlich nicht (und aufgrund der verfassungsmäßig geschützten) Kommunikationsfreiheit ist der Spielraum sehr begrenzt. Den Ball eibnfach an jemanden weiterzuspielen, der nicht zuständig ist, ist billig.

    • Doch, es war rechtswidrig. Jedes Medienwerk muss ein Impressum aufweisen. ;)