37. Woche 2026 – Tastmodell der Tallinner Altstadt
In der Altstadt von Tallinn, Estland gibt es ein Tastmodell, um das Stadtbild mit den Händen ertasten zu können. Vielen …
Knapp ein Jahr ist nun Dr. Rupert Corazza Schulinspektor für Inklusion in Wien. Ein verärgerter Kommentar.
Im April 2013 wurde Rupert Corazza von der Wiener Stadtschulpräsidentin, Dr. Susanne Brandsteidl, zum „Schulinspektor für Inklusion“ ernannt.
Sie sprach von „einem wichtigen Schritte, der als Initial für eine noch stärkere Verankerung des inklusiven Gedankens an unseren Schulen zu verstehen ist.“
Wien posaunte lautstark hinaus, wie stolz man sei, österreichweit den ersten Schulinspektor für Inklusion zu haben. (Vorher hieß dieser „Inspektor für Integration“.)
Die Einführung dieses Postens sei nicht nur aus Sicht des Wiener Stadtschulrats, sondern auch der Wiener Grünen ein „wichtiger Schritt“, hieß es damals.
Wenige Wochen danach begründete Stadtschulpräsidentin Brandsteidl diese Ernennung in einer Podiumsdiskussion nochmals.
„Zum Begriffspaar Integration und Inklusion: Es ist müßig, hier eine Unterscheidung zu treffen, auch wenn theoretische Überlegungen immer wieder Unterschiede konstruieren wollen“, schrieb Dr. Rupert Corazza (Schulinspektor für Inklusion) im Mai 2013 im Vorwort des Journals des Stadtschulrates für Wien.
Spätestens da hätte man schon große Skepsis ob seines Zuganges und auch seiner Qualifikation haben müssen.
Es drängt sich geradezu ein Vergleich mit diesem bekannten Witz auf: „Gast an Kellner: Fragen Sie bitte den Koch, was er beruflich macht.“
Es bleibt mir auch schleierhaft, worauf die Stadt Wien denn so stolz ist, wenn ohnehin alles bleibt, wie es ist. Ob Integration oder Inklusion; alles anscheinend müßig zu diskutieren. Doch dies war noch am Anfang seiner Tätigkeit. Wie hat er sich weiterentwickelt?
Kürzlich wurde Corazza von der Presse zur Weiterentwicklung der Caritas-Schule „Am Himmel“ von einer Sonderschule zu einer Inklusionsschule interviewt.
Was der „Schulinspektor für Inklusion“ da von sich gab, ist schon mehr als abenteuerlich. Er sah in der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen keine Verpflichtung zur Inklusion.
„In der UN-Konvention steht sicherlich nicht, dass man die Schulform Sonderschule schließen soll“, meinte Rupert Corazza. Dass die Stadt Wien selbst noch Sonderschulen betreibt und daher keinen Änderungsbedarf sehen will, sei hier nur am Rande erwähnt.
Wirklich gruselig wird es dann, wenn er erklärt, wo die angeblich schwierigen Herausforderungen bei der Inklusion liegen. Wer nun erwartet, dass er sachlich fundiert argumentiert, wird enttäuschst. Wörtlich sagt er: „Was ist, wenn ein Kind zweimal am Tag gewickelt werden muss? Soll ich das dann in der Klasse machen?“
Rupert Corazza ist damit ein wunderbarer Beweis des „Peter-Prinzips„, welches besagt: „In einer Hierarchie neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen.“
Es bleibt zu hoffen, dass Wiens Schulinspektor für Inklusion von selbst einfällt, wo man SchülerInnen außerhalb des Klassenraums „wickeln“ könnte.
Weiters hoffe ich, dass irgendjemand ihm auch die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen im Detail erklärt (kennen tut er sie ja) bzw. er vielleicht von sich aus einschlägige Dokumente vom Deutschen Institut für Menschenrechte bzw. dem österreichischen Monitoringausschuss findet. Diese Arbeitszeit müsste er erübrigen können, weil „Schulinspektor für Inklusion“ in Wien ja kein ehrenamtlicher Job ist, oder?
Vor wenigen Monaten hat der zuständige Fachausschuss der UNO in Genf bei der Staatenprüfung Österreichs auf Einhaltung der Konvention festgehalten, dass „einige Verwirrung über inklusive Bildung und integrative Bildung besteht“. Weiters zeigte sich der UN-Fachausschuss besorgt, dass „Fortschritte in Richtung inklusiver Bildung in Österreich stagnieren“.
Besorgt sind wir auch. Besonders, wenn inhaltlich überforderte Beamte Inklusion umsetzen sollen, aber sie diese anscheinend nicht verstanden haben. Wenn Rupert Corazza in seinem zweiten Jahr als Landesschulinspektor für Inklusion nicht deutlich dazulernt und endlich Inklusion forciert, muss man mit Fug und Recht feststellen: Er hat eine reine Alibi-Position inne.
Barrierefreiheit sichtbar gemacht: Jede Woche ein Bild, das Erfolge feiert oder Hürden aufzeigt.
In der Altstadt von Tallinn, Estland gibt es ein Tastmodell, um das Stadtbild mit den Händen ertasten zu können. Vielen …