Wie viele jüngere behinderte Menschen müssen in Wiener Geriatriezentren leben?

Durch Medienberichte und eine Aussendung der Interessensvertretung sozialer Dienstleistungsunternehmen 
für Menschen mit Behinderung in Wien (IVS) wurde publik, dass derzeit viele behinderte Menschen in Geriatriezentren leben müssen.

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Neu ist das Faktum natürlich nicht, doch das Ausmaß des Problems ist in Wien um ein Vielfaches größer, als in den schlimmsten Vermutungen angenommen.

„Mit 41 im Seniorenheim / Für jüngere Behinderte fehlen Betreuungseinrichtungen. Die Stadt verspricht Lösung“, berichtete der Kurier vor wenigen Wochen und führte aus: „Kritik kommt deshalb von der Volksanwaltschaft. Der Status quo verletze Artikel 19 der UN-Behindertenrechtskonvention, ‚nach der Menschen mit Behinderungen das Recht auf eine freie Wahl der Wohnform haben’. Von der Stadt Wien fordert die Volksanwaltschaft daher, ‚entsprechende Betreuungs- bzw. Assistenzdienste gemeindenahe zur Verfügung zu stellen’.“

Weiters wurde bekannt, dass der Krankenanstaltenverbund (KAV) sogar neue Pilotstationen plant. Die IVS Wien sprach sich in einer scharfen Aussendung entschieden gegen Spezialstationen in Geriatriezentren aus.

Alle Fakten und Einschätzungen auf den Tisch

Um Licht in die kaum fassbaren neuen Fakten und Pläne zu bringen, fragte BIZEPS telefonisch bei der Pressestelle des Krankenanstaltenverbundes (KAV) nach und bat um detaillierte Informationen, die nun schriftlich vorliegen. „Es handelt sich dabei um eine Antwort des KAV unter Beiziehung des FSW“, teilt der KAV am 13. September 2013 per Mail mit.

Die Antworten sind teilweise so verstörend und die Fakten derart brisant, dass wir uns als ersten Schritt entschlossen haben, den Antworttext zur Gänze hier widerzugeben:

Schriftliche Antworten des KAV

Um wie viele Menschen geht es?

BIZEPS-INFO Frage 1: Stimmen die vom IVS angeführten Zahlen, dass 230 behinderte Menschen unter 60 Jahren derzeit in den Wiener Geriatriezentren untergebracht sind und weitere 130 in Ybbs in NÖ?

KAV: Aktuell leben in den Pflegeeinrichtungen des KAV im September 2013 rund 220 Personen unter 60 Jahren (ohne Spezialstationen wie Wachkomastation, langzeitbeatmete PatientInnen, etc.) untergebracht. Dazu kommen 79 Personen aus dieser Gruppe, die im sozialtherapeutischen Zentrum Ybbs leben.

Notaufnahme oder Dauerzustand?

BIZEPS-INFO Frage 2: Wie viele der bei ihnen untergebrachten Menschen unter 60, wurden in andere Angebote der Behindertenhilfe transferiert? Und nach welchem Zeitraum?

KAV: Unserem Auftrag gemäß werden bei uns Bewohnerinnen und Bewohner betreut, die eine stationäre Langzeitpflege, therapeutische Maßnahmen und eine laufende medizinische Betreuung, unabhängig vom Lebensalter, rund um die Uhr benötigen.

Entspricht die Betreuung in einem Pflegewohnhaus oder Geriatriezentrum nicht mehr dem Bedarf, wird von SozialarbeiterInnen in den Häusern ein Wechsel in eine niederschwelligere Einrichtung angestrebt. Auch hier steht das Casemanagement des Fonds Soziales Wien bereit. Ob und wann Menschen in andere Einrichtungen übersiedeln können, kann nicht von vornherein gesagt werden. Das hängt vom individuellen Bedarf ab.

KAV plant neue Pilotstationen

BIZEPS-INFO Frage 3: Was waren die Hintergründe für das geplante Pilotprojekt? Warum kam es dazu?

KAV: Die geplanten Pilotstationen sollen Bewohnerinnen und Bewohnern zur Verfügung stehen, die den Kriterien der Antwort 2 entsprechen, bereits in einem Geriatriezentrum und Pflegewohnhaus aufgenommen sind, aber andere Angebote als über 60-Jährige benötigen.

In keiner Weise soll hier eine antiquierte Betreuungsform für Menschen mit Behinderung geschaffen werden. Ziel ist es, jüngeren Bewohnerinnen und Bewohnern, die schwer chronisch krank sind, ein Lebensumfeld zu schaffen, das den psychosozialen Bedürfnissen dieser Altersgruppe entspricht.

Als Hinweis auf unsere Intentionen darf ich in Erinnerung rufen, dass wir diesen Zielsetzungen folgend das Förderpädagogische Zentrum auf der Baumgartner Höhe im Sinne der Gemeinwesenintegration in den letzten Jahren schrittweise geschlossen haben und Menschen mit Behinderung in Einrichtungen von Trägern der Behindertenhilfe übersiedelt sind.

Widerspricht dies der UN-Konvention?

BIZEPS-INFO Frage 4: Ist das Pilotprojekt ihrer Meinung nach mit der UN-Behindertenrechtskonvention vereinbar?
(Bitte um Stellungnahme zum nachfolgenden Absatz in der Aussendung des IVS: „Österreich hat sich zur Einhaltung der UN Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen verpflichtet. Doch anstatt die Ratifizierung zum Anlass zu nehmen, ein Maßnahmenpaket zu schnüren und adäquate gemeinwesenintegrierte Betreuungsplätze für diese Personengruppe zu schaffen, plant der KAV nun ein Pilotprojekt, im Rahmen dessen für zunächst 50 Personen zwei Spezialstationen in zwei Geriatriezentren in Wien errichtet werden sollen. Offensichtlich soll im institutionellen Rahmen eines geriatrischen Krankenhauses ‚normales Leben’ für junge Menschen mit unterschiedlichsten Bedürfnissen simuliert werden. Für die Expert/innen der IVS Wien stellt dies ein hochgradig antiquiertes Betreuungsmodell dar, das an Konzepte der 60er Jahren des letzten Jahrhunderts erinnert.“)

KAV: Das Pilotprojekt ist mit der UN-Behindertenkonvention absolut vereinbar, Zielgruppe des Pilotprojektes sind Menschen, die durch Krankheit stationär pflegebedürftig sind, ein Angebot an Therapie und laufender medizinischer Betreuung benötigen und darüber hinaus unter 60 Jahre alt sind.

Dem Fonds Soziales Wien liegt noch kein Konzept für dieses Projekt vor, deswegen können die ExpertInnen dort es nicht im Detail beurteilen. Wir haben dennoch folgende Stellungnahme zur vorliegenden Anfrage erhalten:

FSW: Grundsätzlich begrüßen wir, dass der KAV sich mit der Weiterentwicklung seines Angebots in dieser Richtung beschäftigt. Gerade im Sinne der UN-Konvention und der sich daraus ergebenden Verpflichtungen wäre es geradezu verantwortungslos von Pflegeeinrichtungen, sich zu diesem Thema keine Gedanken zu machen. Menschen mit Behinderung steht schließlich ein gleichberechtigter Zugang zu Leistungen der Gesundheitsversorgung und altersbedingten Versorgungsangeboten zu (siehe insbesondere Artikel 25, Artikel 28).

Die UN-Konvention spricht sich also keineswegs gegen Pflegeeinrichtungen aus. Die Betreuung pflegebedürftiger Menschen in Pflege- und Betreuungseinrichtungen ist durchaus möglich – unabhängig davon, wie der Pflege- und Betreuungsbedarf entstanden ist, ob nun altersbedingt, aufgrund einer chronischen Erkrankung oder durch einen Unfall.

Entscheidend ist, was zielführend und sinnvoll für den pflegebedürftigen Menschen ist und welche Leistungen individuell benötigt werden. Dies wird gemeinsam mit KundInnen, SachwalterInnen, Vertretungsbefugten und Angehörigen im Case Management des FSW erarbeitet. Der entscheidende Faktor ist also viel weniger das Alter, sondern in erster Linie der Bedarf. (Es leben auch bereits rund 250 Menschen mit Behinderung in Einrichtungen der Behindertenhilfe, die das SeniorInnenalter überschritten haben).

Es bleibt also die Frage, ob das Ausspielen von Pflegeeinrichtungen gegen Einrichtungen für Menschen mit Behinderung bzw. die Diskussion um KundInnen mit individuellen Bedarfslagen über deren Köpfe hinweg im Sinne der UN-Konvention ist. Ganz sicher ist eine solche Diskussion nicht im Sinne der Wiener Sozialpolitik: Wir sind sehr stolz darauf, dass in der vielfältigen Wiener Soziallandschaft die Suche nach individuellen Lösungen über Einrichtungsgrenzen hinaus möglich und üblich ist.

Keine Alternativen?

BIZEPS-INFO Frage 5: Welche Bemühungen gab es, die Zielgruppe in anderen „regulären“ Angeboten der Behindertenhilfe unterzubringen?

FSW: Wir sprechen hier nicht über eine homogene Zielgruppe, sondern über Menschen mit unterschiedlichen Bedarfslagen. Allen gemeinsam ist der Pflege- und Betreuungsbedarf, aber auch der ist individuell unterschiedlich.

Pflegewohnhäuser, seien es jene des KAV, der Häuser der Barmherzigkeit, der Caritas oder andere, sind „reguläre“ Einrichtungen, in denen Menschen mit Pflege- und Betreuungsbedarf gepflegt und betreut werden (siehe Frage 4).

BIZEPS-INFO Frage 6: Wer entscheidet, welche Menschen in die Einrichtungen des KAV kommen?

FSW: Ganz im Sinne der UN-Konvention entscheiden das die KundInnen selbst – gemeinsam mit dem Case Management des FSW und ggf. SachwalterInnen/Vertretungsbefugten und Angehörigen (siehe Fragen 4 und 5).

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0 Kommentare

  • Meiner Ansicht nach werden Bedarfe dort mehr oder weniger berücksichtigt, wo sich Akteure in die Österreichische Gesundheits- /und Behindertenpolitik einbringen können. Voraussetzung: Sie müssen vorhanden sein. Das sind einerseits die verschiedenen Senioreninteressensvertretungen, andererseits auch die Behinderteninteressensvertretungen sowie die Selbsthilfegruppen mit auch medizinischen Schwerpunkten zB Hepatitis Hilfe, etc.
    Im Bereich von nichtorganisatorisch gebundenen Angehörigeninteressen und im psychosozialen Bereich gibt es wohl wenig/er Berücksichtung durch die Österreichische Innen/Behindertenpolitik.

    Die UN-Konvention für Menschen mit Behinderungen sowie auch all die anderen Menschenrechtskonventionen sind aber für alle Menschen da.

    Deshalb sollte es mE zumindest eine unabhängige Nationale Menschenrechtskonvention mit vollem CIC-Status (nicht nur Beobachter sein) in Österreich geben; Wohin sich jede/r niederschwellig wenden kann. Das gibts derzeit in Österreich noch nicht. Die Kriterien? Sie stehen in den Pariser Prinzipien geschrieben. Es ist auch möglich mehrere Nationale Menschenrechtsinstitutionen mit CIC Status in ein und demselben Land zu errichten – wenn man dafür die Anerkennung bekommen würde.Was eine gewisse finanzielle Kapazität und Garantie für die Unabhängigkeit finanzieller Art, sowie entsprechendes Potential – im Wissen, ethisch, und im Personalstand voraussetzen würde, um den Anforderungen ehrlich und realistisch gerecht werden zu können. Es könnten mE auch mehrere Institutionen zusammenwirken, um das Menschenrechtsmonitoring zu machen. Wobei international kompetent bereits gesagt worden ist, dass es ja wichtig und in erster Linie zu bedenken ist, dass es schon bestehende Kontrollmechanismen gibt, die einbezogen werden sollen(und im Vorfeld notwendigenfalls reformiert, Anm. MA)

    Die verschiedenen Gruppen anzahlsmäßig zu zu beleuchten ist wichtig.Aber es zählt auch eine Einzelperson mit einer seltenen Erkrankung oder Behinderung ohn

  • Mir fehlt hier eine wichtige Information. Welche Personengruppen befinden sich hinter den genannten Zahlen!!!!

    Pro werden Jahr viele Menschen nach Schlaganfällen, Herzinfarkten und schweren Schädel Hirntrauma aus den Rehazentren (Weisenhof…) entlassen. Ein großer Anteil des Bedarfs kommt auch aus der Drogen- und Alkohl- Obdachlosenhilfe. Andere wiederum sind geistig Behinderte. Erst wenn klar ist welcher Bedarf durch wem abgedeckt werden könnte, und welcher Bedarf in Wien gar nicht berücksichtigbar ist, können wir seriös über das Thema sprechen

  • @Nina! Natürlich ist die Decke sehr sehr groß und im Übrigen denke ich es mir, dass wir jetzt eine hoch karätige Diskussion mit hoch karätigen Argumentationen vom Zaum gebrochen haben, der nicht einmal ein Finanzexperte etwas entgegenzuhalten hätte, so er ehrlich ist und so er weitreichenden Einblick in die ummfassende Thematik hat. Deshalb arbeite ich auch sehr gerne als Ethikbeauftragte in der politischen Organisation Soziales Österreich, Politik mit Herz und Hirn. Und ja, wir werden sehr positiv wahr- und angenommen, natürlich auch bekämpft, obwohl wir derzeit noch nicht kandidieren, aber auch das kommt noch. Der 29.9.2013 ist ja nicht der letzte Tag der politischen Geschichte Österreichs. Und es gibt auch eine Zeit nach der Nationalratswahl!

  • Die Kunden entscheiden. Gemeinsam mit dem Case Management, den Sachwaltern und den Angehörigen.

    Entscheiden es tatsächlich „die Kunden“? Vielleicht. Wenn man ihnen, falls nicht besachwaltet, lange genug einredet, dass ein Heim das Beste ist.

    Wie groß muss die Decke sein, unter der alle stecken.

  • Liebe Frau Sladek, Persönliche Assistenz kostet sicherlich weniger als ein soggenannter Geriatrieplatz – Jedoch wollen immer mehr Menschen lieber zu Hause alt werden – nicht in ein Geriatriezentrum – die Auslastung muss jedoch gewährleistet sein. Es leben halt viele Menschen davon ist ein soggenannter Wirtschaftsfaktor – da zählt das Einzelschicksal relativ wenig…

  • Ich würde keine Altersgrenze ziehen. Nicht nur sind zuviele im Altersheim, die unter 60 sind und dort nicht hin wollen, sondern es werden auch welche in Einrichtungen für ältere Menschen mit (psychosozialer) Behinderung verwiesen, wenn sie gerade 61 sind und ihr befristeter Hauptmietvertrag abläuft. Auch im Rahmen der UN-Behindertenkonvention haben die älteren Leute ihren Platz, auch wenn derzeit diskutiert wird, ob man hier auch noch eine weitere UN-Konvention schaffen sollte.

  • Junge Menschen in Geriatriezentren – dazu noch zwei Anmerkungen
    -Vorige Woche war ich in Vorarlberg in einer stationären Pflegeeinrichtung und habe dort ganz junge Menschen mit Behinderung gesehen. Was haben sie dort gemacht? Es kommt aber mE schon darauf an, welche Angebote bzw. Wahlmöglichkeiten ihnen sonst zur Verfügung stehen. Vielleicht waren sie hier auf Praktikum? Alte und senile Menschen schatzen ja die Ansprache mit jüngeren und es kann dann auch sein, dass diese freiwillig einen solchen „Besuchsjob“ machen..?
    -Ich kannte eine Frau mit Mulipler Sklerose in einem Wr. Pflegeheim, die unter 50 war und auswärts in Teilzeit als Religionslehrerin gearbeitet hat Sie war auch im Haus als Mitabeiterin bei den Gottesdiensten integriert. Warum nicht? Das denkt man sich. Aber ich habe sie nicht gefragt, was sie gemacht hätte, wäre ihr eine Wahl geblieben.. Man darf nie vergessen auch in optisch einwandfrei wirkenden Settings nach der Freiwilligkeit zu fragen.

  • Auch gibts Fälle, die „faul stinken“. Wenn die alte Person zuerst die wertvolle Liegenschaft an den Alleinerben vorverschenkt und dieser dann darin teure Ferienappartments errichtet. Die Frau dann auf eine Heimunterbringung verweist, falls sie später mit den mobilen Diensten nicht zurecht kommen würde. Weil ihre Witwenpension zu niedrig ist.Und die Frau weiß nicht einmal um den Luxus in ihrem Haus um sie herum, weil sie nicht mehr aus der Wohnung kommt und schon etwas dement ist.
    Oder die Person hat vor kurzer Zeit ihre Sparbücher an die Verwandten verschenkt. Kommt es zur 24h Pflegesituation, gibt es kein Vermögen und sie muss ins Heim.
    Fälle für den StaatsanwaltIn?

  • Noch zum vorigen Beitrag:
    Natürlich kommt hier der Druck auch vom System: Wenn eine stationäre Pflege ohne Anrechnung auf das Liegenschaftseigentum von der öffentlichen Hand finanziert würde, nur von der Pensionshöhe ausgehend, dann würde es weniger solche Fälle geben (deren Häufigkeit aber nicht abgeschätzt werden kann).
    Hier gibt es wohl auch viele Fälle, wo es der zu pflegenden Person gar nicht recht ist, dass sie von zuhause weg muß, dass sie aber überfahren wird. Vor allem bei dementen Menschen fragt man sich wohl öfters, ob diese überhaupt mitbekommen würde, was um sie herum vorgeht, und dass es für sie keinen Wert hätte, zuhause zu bleiben. Formen des supported decision making sind hier angefragt. Ich glaube, in diese Richtung wurde ja auch schon eine ministerielles Projekt zur Sachwalterschaftsreform angedacht?
    Auch wird es wohl in vielen solchen Fällen als „schade ums Geld“ angesehen werden, wenn ein solcher „Pflegefall“ den Wohnraum blockiert, den doch eine junge hoffnungsvolle Familie so gut brauchen könnte. Was wäre, wenn die Person noch 20 Jahre lebt bei guter Pflege? In vielen Fällen geht dann die pflegebedürftige, ältere Person freiwillig und freut sich, dass sie ihrer Familie den Aufwand ersparen kann, eine andere Wohnung suchen zu müssen; Jetzt gibt es ja – schon seit Jahren – eine Schutzfrist von einigen Jahren, die zwischen einer Eigentumsübertragung an einer Liegenschaft/Eigentumswohnung und einem Gang ins Heim liegen müssen, um zu verhindern, dass gerade zu dem Zweck, die Wohnung den Erben zu erhalten, ebendiese schon „rechtzeitig“ übertragen wird. Diese gesetzlichen Regelungen haben dazu geführt, dass die Häuser und Wohnungen eben entsprechend frühzeitig an Erben weitergeben werden, um zu sichern, dass der Staat und nicht das Liegenschaftseigentum bzw. die Familie für die Pflege zu zahlen haben wird. Auch verschenken viele alte Leute ihre Wertgegenstände vorzeitig, sodass die Wohnung dann ganz kahl wirkt Das sind schon Mißstände..

  • Weiters zur Frage 6:
    – Druck kann auch von den Angehörigen kommen. ZB wenn sie daran interessiert sind, das derzeit – und oft schon seit Jahrzehnten von der betroffenen Person bewohnte Wohnobjekt selbst zu nutzen. Auch wenn die Person – im Falle von Wohnungs- oder Hauseigentum oder im Rahmen des Großen Voraus des verwitweten, überlebenden Ehegatten in der eherlichen Wohnung – ein lebenslängliches Wohnrecht an den Räumlichkeiten haben sollte, kann es sein, dass es dazu kommt, dass eine 24 h Pflege in der derzeitigen Privatwohnung nicht finanziert werden kann, weil die behinderte Person nicht genug Geld hat, um diese zu finanzieren. Fraglich, ob eine Bank überhaupt einen Kredit unter Belastung des Objektes geben würde, der dann die Finanzierung der weiteren Pflege zu Hause sicherstellen würde. Wenn solchermaßen Gelder flüssig gemacht werden können, dann werden sie erfahrungsgemäß insgesamt zu einer Entwertung der Liegenschaft führen. Und es bedarf einiger Formalitäten und auch Vorfinanzierung seitens anderer Stellen (der Verwandten, eine/r/s dafür einzusetzenden Sachwalters, um tatsächlich das Weiterwohnen zuhause zu finanzieren. Dafür sind ja auch idR zusätzliche Geldausgaben erforderlich, die über die Kosten der 24h Betreuerinnen hinausgehen. Was liegt da näher, als dass Angehörige, v.a. wenn ihnen schon die Liegenschaft übertragen wurde, da lieber in dieselbe einziehen und eine Aufzahlung für die zu pflegende Person finanzieren, die sie in einem privaten Heim zu leisten hat. Andernfalls würde ja – so die betroffene Person die laufenden finanzellen Mittel für ihre Pflege nicht aus laufenden Einnahmen finanzieren würde können (Pension/en, Pflegegeld, Zuschuss zur 24h Betreuung, Kostenanteile von Krankenkassen..) das Haus, die Wohnung, komplett für die Familie verloren gehen, da sich in diesem Fall die öffentliche Hand ins Grundbuch setzen würde, um im Zuge der Verlassenschaft die Kosten der Anstaltspflege hereinzubringen. Unterschrift.

  • ZU BIZEPS Frage 6:

    Der FSW hat nur insoferne recht mit der Entscheidung, welche Menschen in die Einrichtungen des KAV kommen, als diese – so nicht für diese Angelegenheiten besachwaltet – letztlich eine Unterschrift zur Zustimmung zu leisten haben.
    Es erfolgt aber derzeit vor einer solchen Entscheidung leider keine genaue Einzelfallprüfung, welches die Hintergründe für diese Entscheidung sind. Eine solche Prüfung wäre aber erforderlich, um eine sinnvolle Zukunftsplanung im Sinne der Umsetzung der UN-Behindertenkonvention (die mE auch für Menschen in höherem Lebensalter zu gelten hat, wenn sie den UN-Kriterien dafür entsprechen) zu ermöglichen.
    – Wesentliche Punkte, die zu klären und zu dokumentieren wären sind ua
    Inwieweit ist der Mensch aus finanziellen Erwägungen gezwungen, von zuhause ins Heim oder auf den Dauer-Krankenanstaltenplatz zu übersiedeln. Ein Beispiel. Die 24 h Pflege zuhause wurde bereits für einige Monate erfolgreich durchgeführt, nur sind der alten Dame die Ersparnisse ausgegangen, und sie ist nicht mehr in der Lage, weitere 24 h Pflege zu finanzieren. In einem solchen Fall wäre alles für einen Verbleib in der gewohnten Wohnumgebung vorhanden Der sehnlichste Wunsch der betroffenen Person, zuhause bleiben zu können; die adäquate Pflege und Betreuung durch bereits arbeitende 24 h – Betreuerinnen, die unbefristete mietergeschützte Hauptmietwohnung. Zunächst hatten die Heimhilfen etc. den weiteren Einsatz bei der Dame verweigert, weil die Einsatzmöglichkeiten – dreimal täglich – als nicht für die von ihnen so gesehene 24h Betreuungsnotwendigkeit als ausreichend erachtet wurden. Ziemlich sofort mußten 24h Pflegerinnen organisiert werden, die auch prompt ihren Dienst antraten – zur Zufriedenheit der alten Dame. Es war aber von vorneherein absehbar, dass diese 24h Betreuung nur zur Überbrückung der Wartezeit für einen Platz im städtischen Pflegeheim finanzierbar zu sein schien. Hat sie die Zustimmungserklärung dann unterschrieben?

  • Entschuldigt bitte, natuerlich sehe ich das als zielfuehrender an, das war in meinem zuvor eingespeisten Kommentaruntergegangen. Ich betrete heute erstmals diesbezuegliches Neuland, indem ich meine Wortmeldungen hier erstmals via Handy einspeise, daher auch die Umlautdarstellung anders, als birher gewohnt von mir.

  • Dorothea, das waere fuerwahr eine im hoechsten Maße interessante Frage gewesen. Vielleicht kommen wir einer Loesung dieser Thematik im Sinne der Un konvention auf dem Prinzip der Kostennutzenrechnung leichter naeher, als uns dies mit den humanitaeren Forderungen moeglich ist. Traurig zwar, aber ich diesen Ansatz sogar als zielfuehrender an.

  • Dass seitens der Institutionalisten unter Beitragstäterschaft ihres politischen Arms auf hilf- und wehrlose Menschen gezielt wird, die durch Krankheit vorgeblich „stationär pflegebedürftig“ sind, ist nichts als ein perfider wie plumper Versuch, schwerbehinderte Menschen mit hohem Hilfe- und Pflegebedarf, ihrer in der UN-BRK verbürgten Autonomie- und Freiheitsrechte vorsätzlich zu berauben.
    Eine „stationäre Pflegebedürftigkeit“ möge doch mal von den sicher hochkarätigen ExpertInnen des KAV näher definiert werden. Es möge doch mal dargelegt werden, welches „Patientengut“ man (weiterhin) widerrechtlich zur institutionellen Verwertung auf’s Korn zu nehmen gedenkt, Menschen, die genau so gut oder viel besser auch in ambulanten, individuell bedürfnisgerecht gestalteten und v.a. selbstbestimmten Pflegesettings versorgt werden können.
    Dafür, dass die Darlegungen des FSW über die Verpflichtungen zu gleichberechtigter Gesundheitsversorgung nur ein Aushebelungsversuch der menschenrechtlich herzustellenden Wahlfreiheiten für NICHTSTATIONÄRE Versorgung (Art.19 UN-BRK) ist, sind viele hunderte behinderte Menschen (INKLUSIVE jener in Spezialstationen wie Wachkomastation, langzeitbeatmete PatientInnen, ETC.!!) der (noch) lebende Beweis.
    Solche gefinkelten, jedoch auch hanebüchenen Stellungnahmen von offizieller Seite, die ja massenhaft reales Fehlhandeln dokumentieren und wo unzählige Einzelschicksale von in besonderen Einrichtungen ausgesonderter behinderter Menschen und ihrer mitbetroffenen Familien dran hängen, belegen die Durchtriebenheit des Eugenik-Ökonomisten-Syndikates. Wir dürfen die persistent menschenrechtsdelinquenten Länder, die hauptverantwortlich für diese Systemverkommenheit sind, nicht durchkommen lassen!

  • Eine frage fehlt mir: was sind die kosten für einen Platz in diesen neuen heimangeboten u was sind die planungs- u errichtungskosten?