Wien: 354 Kinder mit intensivem Betreuungsbedarf ohne Kindergartenplatz

Der Wiener Landtag diskutierte über die Betreuung von Kindern mit Behinderungen. Mit Stichtag 15. Jänner 2026 warteten in Wien laut Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling 354 Kinder mit intensivem Betreuungsbedarf auf einen Kindergartenplatz. Die Zahl ändere sich allerdings täglich.

Bettina Emmerling (NEOS)
NEOS

Diese Informationen gab Vizebürgermeisterin und Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (NEOS) in der Fragestunde der 9. Sitzung des Wiener Landtags am 21. Jänner 2026 bekannt.

Sie beantwortete damit die Frage der Landtagsabgeordneten Julia Malle (GRÜNE), wie viele Kinder mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen mit Stand heute für einen Kindergartenplatz vorgemerkt sind. 

Die Zahl 354 bezieht sich auf Kinder mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen, die einen besonders hohen Unterstützungsbedarf im Kindergartenalltag haben. Von den 354 Kindern standen bereits 244 im November 2025 auf der Liste, 110 sind neu dazugekommen. Ein Teil der Kinder hat inzwischen einen Platz bekommen, andere haben auf ihren Platz verzichtet.

Systemreform angekündigt

Emmerling betonte, dass sich die Zahl laufend ändere, kündigte aber eine grundlegende Reform des Kindergartensystems an. Ziel sei es, jedem Kind – unabhängig vom Unterstützungsbedarf – einen Platz zu garantieren. Inklusion müsse laut der Vizebürgermeisterin künftig eng mit dem Fördersystem verknüpft sein, damit jedes Kind „einen Platz in unserer Kindergartenlandschaft hat“.

Ein Problem sei, dass städtische und private Kindergärten unterschiedliche Anmeldewege hätten. Während Eltern bei städtischen Einrichtungen ihr Kind direkt bei der Stadt Wien anmelden können, erfolgen Anmeldungen bei privaten Trägern direkt bei diesen. Emmerling kündigte an, für mehr Transparenz und bessere Übersicht sorgen zu wollen.

Herausforderungen stark gestiegen

In der weiteren Anfrage sprach LAbg. Harald Zierfuß (ÖVP) einen aktuellen Stadtrechnungshofbericht zur Förderung von Einrichtungen durch die MA 11 an. Er kritisierte „unklare Kostenexplosionen, Intransparenz, fehlende Kalkulationen und Leistungsnachweise über Jahre hinweg“ und fragte, ob „damit nicht auch in diesem Bereich das Steuergeld der Wienerinnen und Wiener unkontrolliert versickert, während die Betreuung der Kinder und Jugendlichen in der Obhut der MA 11 leidet“.

Vizebürgermeisterin Emmerling betonte: „Ziel ist es immer, die Qualität der Betreuung sicherzustellen – aber natürlich auch der verantwortungsvolle Umgang mit den Mitteln.“ Die Herausforderungen seien stark gestiegen, insbesondere durch vermehrte Behinderungen und psychische Erkrankungen bei betreuten Kindern. Früher seien solche Kinder „in psychiatrischen Anstalten weggesperrt“ worden – heute gelte: „ambulant vor stationär, Prävention vor Krisenzentrum“. Ein zentrales Ziel sei, „dass der Verbleib in der Familie gewährleistet werden kann“.

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