Wien: Erlebnisse mit dem neuen ÖBB-Talent

Auf der S45 fahren seit einiger Zeit die neuen Talent Schnellbahnwürmer. Die sind neu, toll und supermodern. Sie haben auch ebene Einstiege (wenngleich auch viele Stufen im Wageninneren sind).

Nahverkehrszug Talent
Ladstätter, Markus

Nur auf der S45 Linie halt leider nicht ganz eben, da wir ‚alte‘ Bahnsteige haben und somit ca. 15 cm Stufe übrig bleiben. Am 18. März 2005 wollten also 3 Eltern mit Kindern im Rollstuhl (kleine Kinderrollis) mit der S45 fahren. Nebensächlichkeiten wie ausgefallener Zug ohne Durchsage und kaputte Türen ohne Aufkleber mal weggelassen.

Jedenfalls steigen die 3 Eltern hinten ein, was ja jetzt ohne die hohen Stufen recht leicht geht. Ich steige ganz vorne ein (da die andere Türe ja nicht geht – ist ja nur ein nagelneuer Zug). Da springt der Fahrer aus seiner Hightech Kabine, stürmt durch den Zug zum ersten Ausstieg (die neuen Dinger haben keinen Fahrerausstieg mehr), und wachtelt mit den Händen und ruft was Unverständliches.

Da es keine Reaktion gab (von wem auch, war ja keiner mehr am Bahnsteig bis er an der Türe war), geht er ans andere Ende des Zuges, wirft die 3 Eltern mit Rollis wieder aus dem Zug, schleppt sie ans andere Ende des Zuges (da wo ich stehe) und erklärt ihnen, dass man bei den neuen Zügen nur noch diesen einen Einstieg mit Rollis verwenden dürfe, aus Sicherheitsgründen.

Die Eltern sind etwas verwirrt und fragen, wo denn der Unterschied wäre (die 15 cm Stufe ist doch überall gleich hinderlich). Der Fahrer meint, dass nur dieser Eingang für Behinderte erlaubt sei und wo anders das Mitfahren verboten ist (was aber laut meiner Beobachtung nirgends so steht). Und außerdem gäbe es nur an diesem Eingang eine Behindertenrampe (die ist in einem Kasten an der Wand verstaut), die er aber nicht auflegen kann, da die Benutzung so ca. 10 Minuten dauert und das bei einem 15 Minuten Intervall völlig unmöglich ist.

Also wieder einmal alles viel einfacher für Rollifahrer …

Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich
Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

0 Kommentare

  • fahre auch immer mit dem talent. sehr modern und so. aber meistens eh nur vorne in der ´´highteck fahrerkabine´´ schon en genjales ding..

  • ich liebe die neuen züge der öbb. ich will wenn ich grösser bin sie steuern.

  • @mario: Ja, leider haben Sie recht. Aber die der Talent gibt leider sehr viel Grund zur Klage; dass Verhalten des Fahrers in diesem Vorfall leider auch.

  • Typischer Negativ Bericht

  • Automatische ein- u. ausfahrbare Rollstuhlrampe montieren (alte Rampe demontieren, Rampe dauert zu lange)

  • Und hier die Aussage des Behindertenbeauftragtes der ÖBB: Lt. der vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie festgelegten Betriebsanleitung für den Talent sind ausschließlich die markierten Einstiege von Rollstuhlfahrern zu benutzen. Nach Ansicht dieser Behörde ist diese Regelung notwendig, da nur bei diesen markierten Einstiegen (Piktogramm) die speziellen Rollstuhlstellplätze, das behindertenfreundliche WC sowie die Rollstuhlrampe vorhanden sind. Gerade diese Rollstuhlrampe ist beim Ein- und Aussteigen in einigen Stationen unbedingt notwendig. Weiters wird durch die speziellen Rollstuhlstellplätze das Ein- und Aussteigen von anderen Fahrgästen bei anderen Haltestellen nicht blockiert; bei den anderen Einstiegen könnte es durch das beschränkte Platzangebot zu erheblichen Problem führen.

    Das ist behindertenFREUNDLICH?

  • Hier die offizielle Antwort der ÖBB: „Man kann es sehen wie man es will, aber das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie hat sich natürlich etwas bei der Zulassung des Fahrzeuges dabei gedacht. Sicherheit hat Vorrang. […] Bei einem Test, einen Rollstuhlfahrer mittels der Rampe Einstiegshilfe zu leisten dauerte es rd. 2 Min 45 Sek. Ich habe das gleich zum Anlass genommen und werden mit einem Rollstuhlfahrer das ganze einmal so richtig testen in wieweit Verspätungen entstehen und danach ev. Entscheidungen über weitere Vorgangsweise zu treffen.“

    Und weiter: „Natürlich gibt eis KEIN Rollstuhlmitfahrverbot somit auch keinen Ausschließungsgrund für diese Personengruppe. In der Betriebsanleitung vom Talent, welche von der Behörde (Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie) festgelegt und auch abgenommen worden ist, ist genau der Ablauf für die Hilfestellung zum Ein- und Aussteigen geregelt worden.

    * der Lokführer ist verpflichtet, beim Einfahren in einem Bahnhof zu schauen, ob ein Reisender mit einem Rollstuhl am Bahnsteig steht
    * wenn ja, dann muss er die Garnitur lt. Vorschrift (Betriebsanleitung) sichern und zum Einstieg, welcher mit einem Rollstuhlpiktogramm gekennzeichnet ist, zu gehen
    * wenn nötig die mobile Rampe auslegen (jeder Lokführer wurde diesbezüglich geschult)
    * Einstiegshilfe zu leisten
    * den Reisenden zu fragen, wie weit bzw. wo er wieder aussteigen will (für Hilfestellung)
    * Rampe entfernen,
    * Zug fahrbereit zu machen und seine Fahrt fortzusetzen“

    Besonders interessant scheint aber dieser Teil zu sein: „Die Behörde sagt schon, dass Reisende mit einem Rollstuhl den gekennzeichneten Einstieg (Piktogramm) benützen müssen, da im Anschluss die Rollstuhlstellplätzen sind.“

    Damit soll erreicht werden: „Auf jeden Fall ist es möglich, auch ohne Begleitperson diesen Zug, wenn die Infrastruktur zur Erreichung der Bahnsteige gegeben ist zu benützen.

  • Der reinste Wahnsinn natürlich – und doch zur eigenen Absicherung auch – kommt wohl dann bei Unfällen, der Versicherungsschutz nicht zum Tragen, wenn RollifahrerInnen nicht im richtigen Waggon saßen – immer wieder auch Diskussion bei den Linz-Linien, was NF-Busse und -straßenbahnen mit Einstiegshilfe angeht. Zu den ÖBB will ich mich nicht länger auslassen – werde viel zu verärgert dabei!

    Rolli-FahrerInnen sind für DIE keine KundInnen, für die es sich lohnt Dienstleistungen abzubieten, das steht jedenfalls fest! Die machen nur das, was unbedingt sein muss. Daher wieder einmal mein Aufruf an alle, vor allem aber an Betroffene, sich für ein durchsetzungsfähiges Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz einzusetzen, solange es noch geht! sh. http://www.gleichstellung.at

  • Gratuliere zu dieser köstlichen Beschreibung der wunderbar neuen – jetzt offensichtlich besonders talentierten – Welt für Rollifahrer!

  • Wenn die Geschichte sich wirklich so abgespielt hat, verlange ich umfassende und unverzügliche Auskunft der ÖBB. Stimmt das? Warum darf man tatsächlich nur vorne einsteigen? Ist das an den Bahnsteigen ersichtlich? Warum fährt die S45 jetzt seit kurzem in Heiligenstadt von einem Bahnsteig weg, der keinen Lift hat, wo sie doch jahrzehntelang, als die Garnituren noch überhaupt nicht barrierefrei waren, an einem Bahnsteig wegfuhren, der einen Lift hatte?

    Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden, so heißt es in der Verfassung, und auch der Bund (Eigentümer der ÖBB) hat dafür Sorge zu tragen. Aber offenbar muss sich die Verfassung erst durchsetzen, wie es scheint!

  • Lieber anonym (wolfgang?) in tschechien sind diese lifter keineswegs standard!! wie viele stück sind im einsatz?? standard ist in tschechien eher das man mit dem rollstuhl gar nicht zum bahnsteig kommt und von barrierefreiheit keine rede ist. höchstens in einzelfällen! ich bitte um antwort: wie viele solcher hebelifter sind auf welchen strecken im einsatz?

  • Wen wundert`s. Hoffentlich fahren bald die Tschechen auf der S 45, statt den kundenfeinden ÖBB. Ich will tschechischen Standard – das heisst: elektrohydraulischer Hebelift im Zug.