Wien Favoriten: Blindenleitsystem von Marktständen verstellt

Um den Corona bedingten größeren Sicherheitsabstand einzuhalten, werden am Viktor Adler Markt in Wien Favoriten die Blindenleitsysteme von Marktständen verstellt. Bettina Emmerling (NEOS) kritisiert dieses Vorgehen.

Marktstände stehen genau auf den taktilen Leitlinien. Das Foto zeigt zwei verschieden Obst/Gemüsestände
NEOS

Blindenleitsysteme ermöglichen blinden und sehbehinderten Menschen eine leichtere Orientierung im öffentlichen Raum. Derzeit wird das Blindenleitsystem am Viktor Adler Markt in Favoriten von Marktständen verstellt. Der Grund dafür sind die geforderten Sicherheitsabstände wegen Corona.

Vor allem an Plätzen wie dem Viktor Adler Markt sind diese Leitsysteme besonders wichtig, da andere Orientierungspunkte wie Hausfassaden oder Bordsteinkanten fehlen, heißt es in einer Presseaussendung der NEOS. 

NEOS Wien Sozialsprecherin Bettina Emmerling meint zu der Vorgangsweise:

Wir sehen hier, was passieren kann, wenn man seitens der Behörde nicht klar kommuniziert, wo temporäre Bauernmarktstände genau stehen dürfen. Es kann nicht sein, dass Blinde und Sehbehinderte gefährdet werden, nur weil man nicht in der Lage ist, klare Aussagen zu treffen!

Auch der Blinden- und Sehbehindertenverband sei nicht über das Vorgehen informiert worden, heißt es in der Presseaussendung weiter. Bettina Emmerling fordert nun angesichts der länger andauernden Pandemie, dass die Zustände sofort abgestellt werden. Die Maßnahme müsse zudem auch mit allen Beteiligten abgestimmt werden.  

 „Im Sinne aller Beteiligten fordere ich die Behörde auf, klarzumachen, wo Bauernmarktstände in Zukunft stehen werden dürfen“, so Emmerling.

Wie in einem Artikel der Kronen Zeitung vom 15. Juli 2020 zu lesen ist, wurde Emmerlings Kritik vonseiten des Marktamtes zurückgewiesen. Man berief sich dabei auf die Corona-Auflagen. Im Artikel wird auch darauf verwiesen, dass mit den Lockerungen der Corona-Bestimmungen die Abstände zwischen den Ständen inzwischen wieder verringert worden sind. Somit sei das Blindenleitsystem wieder frei.

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Ein Kommentar

  • Hier gilt es zu differenzieren:
    1. Leitsysteme dienen dazu, Gefahrenbereiche zu markieren, eine Orientierung und sichere Fortbewegung sicherzustellen.
    2. „Auch der Blinden- und Sehbehindertenverband sei nicht über das Vorgehen informiert worden“, diese Feststellung ist kritisch zu hinterfragen. Der Blindenverband ist keine Interessensvertretung, sondern eine Selbsthilfeorganisation der Mitglieder.
    Informationen über Eingriffe in Barrierefreiheitsmaßnahmen sind öffentlich zu kommunizieren (medial) und nicht primär über Selbsthilfeorganisationen, da – entgegen der Propaganda – viele Menschen mit Behinderungen nicht Mitglieder dieser Organisationen sind. Hier zeigt sich ein antiquiertes Behindertenbild,, nämlich, die Definition und Verortung von Merkmalsträgern über dieses Merkmal und nicht inklusiv als Mitglieder der Gesellschaft.
    3. Leider ist sowohl der angesprochene Blindenverband als auch die Stadt Wien für einen Wildwuchs an taktilen Leitsystemen verantwortlich, statt echte Barrierefreiheitsmaßnahmen zu etablieren.
    4. Sollte das angesprochene Leitsystem tatsächlich einen Gefahrenbereich markieren, so handelt es sich mit dem angeführten Eingriff um Diskriminierung, denn CORONA-Schutzmaßnahmen sind so zu gestalten, dass diese nicht diskriminieren. Leider ist häufig festzustellen, dass Barrierefreiheit selten als obligatorisch gesehen und daher rasch eingeschränkt wird.
    5. Sollte es sich bei dem angesprochenen Leitsystem nicht um die Markierung eines Gefahrenbereiches handeln bzw. die Notwendigkeit für potentielle Nutzer intuitiv erkennbar sein, so ist dessen Legitimation zu prüfen, da Leitsysteme kein Allheilmittel darstellen und selbst zu Gefahrenquellen werden können, da Nutzer durch eine Anbringung in nicht dafür vorgesehenen Umgebungen angehalten werden, diesen Markierungen eine immer geringere Bedeutung beizumessen, sodass tatsächliche Gefahrenbereiche nicht mehr unterscheidbar sind.