Wien: Interview mit VB Laska zum Fahrtendienst

ausführliches Interview

Interview mit Mikrofon
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Wir haben in der Oktober-Ausgabe von BIZEPS-INFO über die aktuelle Situation rund um den Fahrtendienst berichtet und angekündigt, ein ausführliches Interview mit der zuständigen Vizebürgermeisterin und Sozialstadträtin Grete Laska (SPÖ) zu führen.

BIZEPS-INFO: Wie schätzen Sie die derzeitige Situation des Fahrtendienstes ein?

Vizebürgermeisterin und Sozialstadträtin Grete Laska (SPÖ): Unsere politischen Ziele sind ganz klar, selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen und Integration von behinderten Menschen zu forcieren.

175 Mio ATS wurden im letzten Jahr für den Fahrtendienst bereitgestellt. Als das Unternehmen Haas den Konkurs meldete, war es uns sehr wichtig, daß die Fahrtendienste sofort weiter funktionieren. Deswegen sind wir auch sofort eingesprungen.

Wie Sie wissen, werden die Gehälter der Fahrer von der Stadt Wien bevorschußt und das Benzin bereitgestellt. Für den Regelfahrtendienst wurden mit neuen Anbietern Verträge geschlossen, um Zusatzangebote zu schaffen.

Daß es derzeit eine schwierige Situation bei jenen Teilen des Freizeitfahrtendienstes gibt, der von der Firma Haas betreut wurde, steht außer Diskussion.

BIZEPS-INFO: Die von der Stadt Wien eingerichtete Hotline für den Freizeitfahrtendienst erwies sich für die Betroffenen immer wieder als Ärgernis, da mangels Kompetenz weder qualifizierte inhaltliche Aussagen, noch Informationen über die Zukunft gegeben werden konnten. Werden Sie dafür Sorge tragen, daß den Betroffenen ehebaldigst eine qualitativ hochwertige Anlaufstelle zur Verfügung stehen wird?

Laska: Es gibt einen Teil, für den die Stadt Wien nicht selbst verantwortlich ist. Ein Konkursfall hat eigene Gesetze. Die Zukunft des Fuhrparks ist von den Verhandlungen des Masseverwalters abhängig. Hier Voraussagen zu treffen ist einfach nicht möglich.

Beim Service versuchen wir von Fall zu Fall zu helfen. Ich würde auch bitten, in Einzelfällen, wo es Probleme gibt, sich gerne an mein Büro zu wenden. Pauschalurteile lösen meiner Meinung nach nichts.

BIZEPS-INFO: Wieviel Geld wird von der Stadt Wien für den Regel-, Schul- und Freizeitfahrtendienst jeweils pro Jahr eingesetzt?

Laska: Im Jahre 1998 wurden insgesamt 175 Millionen ATS eingesetzt. Im Bereich der Magistratsabteilung 12 ATS 74 Mio. für den Regelfahrtendienst und ATS 50 Mio. für den Freizeitfahrtendienst und im Bereich der Magistratsabteilung 56 ATS 51 Mio. für die Schülerbeförderung.

BIZEPS-INFO: Welche Maßnahmen wurden von Ihnen gesetzt, um die derzeitige Situation zu entschärfen?

Laska: Neben den vorher beschriebenen Maßnahmen wird es in wenigen Tagen einen runden Tisch geben. Ich wünsche mir, daß wir alle konstruktiv zusammenarbeiten und sehe in den Vorkommnissen auch eine große Chance.

BIZEPS-INFO: Welche Qualitätskriterien und -kontrollen werden von der Stadt Wien eingefordert? Wie und mit welchen konkreten Maßnahmen wird die Qualitätskontrolle durchgeführt bzw. in Zukunft durchgeführt werden?

Laska: Grundsätzlich werden von der Stadt Wien als Auftraggeber die Einhaltung sämtlicher relevanter Bestimmungen, insbesonders kraftfahrrechtlicher Natur wie unter anderem Gurtenpflicht und Verankerungspflicht für Rollstühle, verlangt.

Darüber hinaus wird auf Grund der Verhandlungen die entsprechende Adaptierung von Spezialfahrzeugen für Rollstuhlfahrer eingefordert. Auch die Erbringung des vertragsgemäßen Angebotes für Regel- u. Freizeitfahrtendienst wird von der Stadt Wien als Auftraggeber verlangt.

BIZEPS-INFO: Bereits Anfang Oktober wurde von den Betroffenen ein runder Tisch zur Lösung der anstehenden Probleme gefordert. Wann wird die Stadt Wien dazu einladen?

Laska: Wir mußten erst abklären, ob der Masseverwalter überhaupt an einen Verkauf des Fuhrparks denkt und mußten auch andere Gegebenheiten analysieren. Jetzt können wir mit einer gewissen Basis an Wissensstand die Zukunft besprechen. Es werden auch sicher neue Lösungsmöglichkeiten und Qualitätsvorschriften besprochen werden.

BIZEPS-INFO: Durch die jüngsten Ereignisse wurde das Recht der betroffenen Menschen auf Mobilität drastisch eingeschränkt. Wann können behinderte Menschen in Wien mit einem gut funktionierenden Fahrtendienst rechnen?

Laska: Ich kann nur um Verständnis für die Übergangssituation bitten. Ich weiß, daß es für Sie in dieser Zeit zu sehr unangenehmen Situationen kommt. Das tut mir aufrichtig leid. Glauben Sie mir, wir sind ständig am Arbeiten, optimale Verhältnisse zu schaffen.

BIZEPS-INFO: In Ihren Aussendungen ist ausschließlich von Schul- und Regelfahrten die Rede. Hat der Freizeitfahrtendienst für Sie einen anderen/geringeren Stellenwert?

Laska: Der Freizeitfahrtendienst ist ein klares Bekenntnis unserer Stadt, eine freiwillige Leistung. Und damit ist vollkommen logisch, daß wir alles tun, damit diese Leistung so bald wie möglich wieder funktioniert.

BIZEPS-INFO: Da sich der Fahrtendienst Haas in Konkurs befindet, wird es neue Anbieter geben müssen. Ab wann werden diese Fahrten übernehmen?

Laska: Es arbeiten bereits mehrere Anbieter, die neu hinzugekommen sind.

BIZEPS-INFO: Welche Verbesserungen des Angebotes (Nachtfahrten, bessere Verfügbarkeit der Busse abends und am Wochenende, Mindeststandards beim Personal und den Fahrzeugen, …) sind vorgesehen?

Laska: Ich bin davon überzeugt, daß wir konkrete Verbesserungen mit Ihnen gemeinsam erarbeiten werden. Sowohl über Fahrten mit Taxis, als auch Nacht- und Wochenendfahrten, als auch Kriterien der Qualität werden diskutiert.

BIZEPS-INFO: Vielen Dank für das Interview.

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