Wien: Schulfahrtendienst unflexibel Erstklässler muss morgens eine volle Stunde auf Unterrichtsbeginn warten

Der Fahrtendienst: für viele notwendig - oft leider zu unflexibel. Ein Kommentar.

Eine gemischte Volksschule und Hauptschule in Österreich
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An unser Beratungszentrum BIZEPS werden oft Beschwerden herangetragen und viele ähneln sich. Im Folgenden gehe ich auf das Beispiel eines Volkschülers ein, um exemplarisch auf eine untragbare Situation aufmerksam machen.

Der 7-Jährige sitzt im Rollstuhl und besucht eine Integrationsklasse. Seine Eltern haben sich an uns gewandt. Sie beschreiben die Situation so:

Um in die Schule kommen zu können, die ihr Sohn gerne besucht, ist der Erstklässler auf einen Fahrtendienst angewiesen. Die Schulfahrten werden nach Bezirken vergeben.

Bezüglich der Fahrteneinteilung verweise die Schulleitung an das beauftragte Unternehmen. Die Eltern verstehen nicht, weshalb die Schule nicht ihre Kundenposition geltend macht.

Was ist genau passiert?

Wenige Tage vor Schulbeginn wurden die Eltern darüber informiert, dass ihr Sohn täglich um 6:45 Uhr abgeholt werden soll.

Das hätte nicht nur bedeutet, dass er täglich um 5:30 Uhr aufstehen muss, sondern auch, dass er bereits eine Stunde vor Schulbeginn in der Schule ankommt und warten muss.

Die Eltern berichten, dass die Schule nicht vermitteln konnte oder wollte.

Sie selbst waren aber durchaus kompromissbereit und haben beim Fahrtendienstunternehmen immerhin erreicht, dass ihr Kind eine halbe Stunde später abgeholt wird.

Dann kam Corona mit Homeschooling.

Bei Wiederöffnung der Schule nach mehr als zehn Wochen habe der Fahrtendienst zur ursprünglich vorgesehenen Zeit um 6:45 Uhr angeläutet – und das ohne „Vorwarnung“.

Die Eltern bringen wiederum grundsätzlich Verständnis auf. In Zeiten wie diesen, mit etwaiger Kurzarbeit ist die Organisation für die Fahrtendienstfirma eine besondere Herausforderung, gestehen sie zu.

Die vorübergehende Lösung des Problems blieb so schließlich am Vater hängen, der seinen Sohn zwei Tage lang selbst zur Schule brachte.

Soweit die Schilderung der Eltern.

Es ist zu hoffen, dass inzwischen zumindest wieder „vor Corona“-Abholzeiten organisiert werden konnten.

Wie klingt das für mich als Beraterin?

Es hat jedenfalls mit Chancengleichheit nichts zu tun und ist einem Erstklässler am allerwenigsten zuzumuten, finde ich.

Schultage sind in dieser Altersgruppe ohnehin fordernd oder zumindest auslastend.

Genauso wenig wie Homeschooling eine Dauerlösung sein kann, ist es Familien mit Kindern mit Behinderung zumutbar, selbst Systemschwächen dauerhaft auszugleichen!

Jedenfalls hat jedes Kind ein Recht auf Freizeit und Spiel und auch auf das Ausschlafen. Warum sollte ein Kind aufgrund seiner Behinderung hier schlechtere Bedingungen akzeptieren müssen?

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5 Kommentare

  • Lese ich den Artikel falsch ODER hat man hier eine Einzellösung gefunden?
    Wenn ja, würde mich interessieren, auf wessen Kosten diese realisiert wurde? Will heissen: Es muss jemanden geben, der stattdessen früher abgeholt wird, od.?
    WARUM geht man da diesen Sondertransportweg? Alternativ drücke ich den Eltern d. Geld in die Hand ud schwupps werden sie zu konnten (oder sie machen es (bezahlt) selbst.

    • Prinzipiell wäre es so, dass die Zeiten mit der Schule und Eltern abzusprechen sind, wie gut da funktioniert ist nachzulesen.

      „Die Routenplanung und die Zusammenstellung der abzuholenden Schülerinnen und Schüler erfolgt durch die Fahrtendienste in enger Zusammenarbeit mit den Schulleitungen und Erziehungsberechtigten.“
      Siehe: https://www.wien.gv.at/bildung/schulen/leistungen/fahrtendienst.html

    • @Markus Ladstätter BIZEPS: Danke f. d. Info!
      Das Problem jedoch bleint bestehen, solange nicht alle gleichzeitig (zeitnah) gebracht/abgeholt werden können, d. h. irgendjemand wird d. Erste sein.
      Solange Kollektivzusammensammlungen stattfinden (müssen), sind die Lösungswege sehr begrenzt, daher mein Direkt-Bezahlung und -entscheidungsansatz.

  • Sonderfahrtendienste sind ein wesentliches Element aussondernder Strukturen. Die Schilderungen oben und unten passen ausgezeichnet dazu. Sonderfahrtendienste werden auch immer noch ohne Schwierigkeiten finanziert: Warum fragt da nie jemand, was das kostet? Hingegen ist es offensichtlich nicht möglich, Assistenz für den Schulweg zur Verfügung zu stellen. Das wäre z.B. im obigen Fall eine ganz ausgezeichnete Alternative zum Sonderfahrtendienst: Das Bub im Rollstuhl würde nicht nur integriert zur Schule kommen, er würde auch lernen, Öffis zu benützen und mit Persönlicher Assistenz umzugehen. Das wäre selbstverständlich auch für ein Kind mit Down Syndrom möglich, wenn es möglich wäre.

  • Ein anderes Beispiel: Ein Erstklassler mit Downsyndrom wohnt gleich in der Nähe der Schule. Obwohl die Eltern eigentlich mit ihm in die Schule (Sonderschule für S-Kinder) gehen könnten, ist ihnen das aus irgendwelchen Gründen nicht möglich. Also fährt das Kind mit dem Fahrtendienst. Abholung um 6:30 Uhr. Danach Fahrt durch Wien, um weitere Kinder einzusammeln. Ankunft vor dem Schulhaus um 7:15 Uhr. Hier stehen schon weitere Busse mit Kindern. Nun Warten bis 7:45 Uhr, da die Schule erst um diese Zeit aufsperrt. Wer nicht brav im Auto sitzt, kriegt vom Fahrer eine „Dachtel“. Schließlich im Klassenzimmer auf den Unterricht, der um 8.:00 Uhr beginnt, warten.
    Summa Summarum: 6:30 bis 8:00 Uhr, also eineinhalb Stunden. (Ist schon länger her, – fraglich, ob sich die Zustände gebessert haben.