Wien zahlt bei Pfusch mit!

ÖAR: ÖBB narrt gegen Ende des "Europäischen Jahres der Menschen mit Behinderungen" mit einem neuen Zug

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Über die in den Medien so hoch gelobte neue Schnellbahngarnitur des Typs „Talent“, durch die Reisende „mehr Spaß am Zugfahren“ haben sollen, können Passagiere mit Behinderung nicht lachen: Der Grund: Der „Talent“, der von der Stadt Wien mit insgesamt 25 Millionen Euro subventioniert wird, ist nämlich nicht barrierefrei zugänglich.

Leider haben die Medien bisher diese Tatsache ignoriert: Ob Menschen mit Behinderungen, alte Menschen, kurzfristig bewegungsbeeinträchtigte Reisende oder etwa Mütter mit Kinderwagen den Zug problemlos nützen können, scheint nicht wirklich von großem Interesse zu sein.

„BehindertenvertreterInnen haben jedoch gravierende Mängel festgestellt“, zählt Eduard Riha, Generalsekretär der ÖAR und Sachverständiger für barrierefreies Design, die wichtigsten Punkte auf:

Die Einstiegssituation ist als nicht barrierefrei zu bezeichnen. Der Niveauunterschied und ein gefährlicher Spalt zwischen Zug und Bahnsteig verhindern selbständiges Ein- und Aussteigen. Der Aufwand an Assistenz ist niemandem zuzumuten. Sitzt eine Person im elektrischen Rollstuhl, ist der Einstieg selbst mit Assistenz unmöglich. Die Einstiegssituation kann nur durch den Einbau einer fahrzeuggebundenen Einstiegshilfe (Hublift) befriedigend saniert werden, weil nur damit gewährleistet werden kann, dass unabhängig von den individuellen Gegebenheiten der einzelnen Haltestellen mit dem geringstmöglichen Assistenzbedarf und unter Vermeidung von Unfallgefahr ein- und ausgestiegen werden kann.

Die Nasszelle wird allgemein als zu klein empfunden. Insbesondere für Rollstuhlfahrer, die hier auf eine zweite Person angewiesen sind, ist es praktisch unmöglich, auf die Toilette gehoben zu werden. Die vorhandene, frei befahrbare Grundfläche ermöglicht ausschließlich das geradlinige Einfahren eines Rollstuhls (Flächenbedarf 70 cm x 120 cm) nicht jedoch die durch Drehung notwendige Positionierung des Rollstuhls zur WC-Schale, die erst den Umsetzvorgang vom Rollstuhl auf das WC ermöglicht. Das WC (übrigens behindert eine Stufe bei der Einfahrt zusätzlich) ist somit als nicht barrierefrei zu bezeichnen und für mindestens 90% der Rollstuhlfahrer unbenutzbar. Auch Hinweise, das Fahrzeug wäre in vergleichbarer Ausstattung in anderen Ländern bereits im Einsatz, ändert nichts an der Untauglichkeit. Eine Umfrage unter befreundeten Organisationen ergab, dass Organisationen behinderter Menschen in all diesen Fällen vor dem Einsatz dieser Fahrzeuge nicht befragt wurden, bzw. die Fahrzeuge trotz qualifizierter Einwände gegen den Willen der Betroffenen in Verkehr gebracht wurden.

Vertreter der Blinden- und Sehbehindertenorganisationen monieren zudem, dass Türöffner für sehbehinderte und blinde Passagiere nicht leicht zu finden sind und die Treppen in den Übergängen von einem Wagenteil in einen anderen zu schmal sind (Trittfläche!).

Generalsekretär Riha fasst abschließend zusammen: „Offensichtlich wird seitens der Stadt Wien kein Wert darauf gelegt, ob Reisende mit besonderen Bedürfnissen öffentliche Verkehrsmittel benutzen können oder nicht“.

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0 Kommentare

  • Ich vermisse als Obmann der SHG und Österreicher mit „BESONDEREN BEDÜRFNISSEN“ den
    oftmals propagierten Gemeinschaftssinn in unserem Lande. Die 2-Klassen-Gesellschaft tut weh und ich bitte im Namen aller Betroffenen und Angehörigen auch Vertreter unserer Interessen bei Einrichtungen für die Allgemeinheit mitreden zu lassen. Danke!