Wiener Bäckerei hat nun doch umgebaut – allerdings freiwillig

Im Frühjahr 2008 eröffnete in Wien eine Bäckerei komplett renovierte Räumlichkeiten, die zuvor barrierefrei zugänglich waren. Nach dem Umbau waren sie nicht mehr barrierefrei zugänglich.

Bäckerei Felzl nach dem Umbau
BIZEPS

Es folgten monatelange Diskussionen mit dem Eigentümer und anschließend eine Schlichtung (Oktober 2008 bis Juni 2009), die mangels Einsicht des Eigentümers scheiterte.

Anschließend wurde eine Klage (ermöglicht mit finanziellen Mitteln aus dem BIZEPS-Rechtsfonds) gemäß Behindertengleichstellungsgesetz eingebracht. Das Verfahren lief bis November 2011 und wurde schlussendlich gewonnen.

„Das Urteil zeigt aber auch einen bedeutenden Mangel des Behindertengleichstellungsgesetzes auf: Obwohl die Stufe eine rechtswidrige Diskriminierung darstellt, muss sie nicht beseitigt werden – die Bäckerei kommt mit einer Zahlung von 1.000 Euro davon“, hielt damals der Klagsverband in einer Presseaussendung fest.

Umbau im Sommer 2012

Im Sommer 2012 – also vier Jahre nach Errichtung der Barriere – baute der Unternehmer nun doch freiwillig um (siehe Foto). Das Behindertengleichstellungsgesetz sieht eine Barrierenbeseitigung noch immer nicht vor.

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0 Kommentare

  • Lieber MG, hab ich mir doch gedacht; „An den Rollstuhl gefesselt würden wir Betroffene nie verwenden. Mit den Gerichten gebe ich Ihnen vollkommen recht. „Recht haben heisst nicht Recht kriegen“. Ein Beispiel: die Junkfoodkette MC DONALD´s im Gasometer ist seit einem halben Jahr nicht fähig trotz medialen Versprechungen nach einem kompletten Neuumbau Sitzgelegenheiten für „Rollis“, Kinder und Kleinwüchsige zu ermöglichen. Was soll man machen: „Winseln, betteln oder Klagen“? Es geht da gar nicht um große Summen – es gibt Fachleute auch bei den Betroffen – jedoch man nimmt diese Experten gar nicht in Anspruch sondern hirnlose Architekten planen wild drauf los… obwohl es gesetzliche Rahmenbedingungen gibt… Schön, das Sie sich Gedanken um ein faires Miteinander machen – Jedoch ausgegrenzt zu werden ist sicherlich nicht lustig…

  • @anonym: Stimmt, ich bin (glücklicherweise) nicht an den Rollstuhl gefesselt, denke (hoffe) aber dennoch die Sache neutral zu betrachten. Ich denke dennoch, dass immer je nach Standpunkt etwas einseitig argumentiert wird. Ich bin es nur leid, dass heute immer alles vor Gericht ausgefochten werden muss, gibt es denn kein vernünftiges miteinander mehr? Die Anwälte reiben sich die Hände, was vernünftiges ist dabei nur in den seltensten Fällen rausgekommen.

  • Zu MG: EIn E-Rolli hat ca. 200 kg und 100 kg für den Nutzer gerechnet. Das mit der Hilfe anbieten kommt schon öfter vor. Jedoch gibt es Situationen, wo keiner Zeit hat. Ganz vergessen hab ich zu erwähnen, dass auch bei gewissen „Herferleins“ nicht die Hilfe im Vordergrund steht, sonder wie kommt man am leichtesten zur „Geldbörse“ oder anderen Dingen, die möglicherweise in einer offen Tasche eines unachtsamen Betroffen (Rollstuhlfahrer_in) sichtbar sind.
    Sicherlich ist nachrüsten immer teurer – jedoch wird kaum von den Behörden kontrolliert – besonders ärgerlich ist bei der besagten Bäckerei, dass diese ursprünglich barrierefrei zugänglich war und nach der Neuübernahme plötzlich mit Stufe zu überwinden war… Sie dürften kein Rollstuhlfahrer sein, denn sonst würden sie anders argumentieren bzw. schreiben…

  • 300kg-Rollstuhl? Was soll das denn sein? Die Hilfe zur Überwindung der Stufe fällt doch nicht unter Bittstellertum, nur die wenigsten würden nicht schon von sich aus Hilfe anbieten, wenn ein Rollstuhlfahrer davor steht. Und die Zahl der alkoholisierten Helfer wird wohl (hoffentlich) auch eine überschaubare sein (außer die Punschstände in Wien haben auch Zugangsstufen) – eine Hilfe abzulehnen wird wohl auch möglich sein. Das als Bittstellertum zu sehen ist eher eine Zwangsneurose denke ich.
    Die Grünen wurden von einem Vorposter ins Bild gerückt, eine gewisse Affinität zu derlei Themen ist allseits bekannt.
    Aber ich gebe jedem Recht, dass die Vermeidung von derlei Stufen im Vorhinein wenn technisch möglich absolut sinnvoll wäre, im Nachhinein ist es halt schon sehr aufwändig und teuer.

  • Zu MG: Es mag sein, dass es größere Hürden gibt, jedoch ist nicht einzusehen, dass ein 200-300kg schwerer Rollstuhl gehoben werden muss und viellicht der oder diejenige sich dabei verletzt. Auch für sportliche „Rollis“ ist es Bittstellertum, wenn man nicht selbstständig in ein lokal, Geschäft etc. kommt, vor allem wenn keiner sich die Zeit nimmt zu helfen… Ganz zu schweigen von alkoholisierten oder ungeübten „Helferleins“ die es sicherlich gut meinen, jedoch nicht wissen, wie sie einen Rollstuhl zu heben haben… Es gibt da die abenteuerlicxhsten Geschichten von Schäden am Rollstuhl bis zu Spitalsaufenthalten der Betroffenen… Was hat das übrigens mit den „Grünen“ zu tun?

  • Vermutlich gibt es für die Stufe einen betriebs- oder bautechnischen Grund? Mit ein wenig Hilfe durch einen Kunden/Passanten oder einen Angestellten dürfte es für einen Rollstuhlfahrer eigentlich eine machbare Hürde sein, denke ich? Warum da so ein Theater darum gemacht wird, geht mir ja nicht ganz ein, da gibt es bestimmt größere Hürden im Alltag eines Gehbehinderten. Aber Ö neigt ja bekanntlich zum Extremen – das ist der Grund, warum die Grünen nicht mehr stimmen bekommen, denn sonst wäre die Partei oftmals mit ihren Ansichten und vor allem (hoffentlich) von Korruption nicht betroffenen Politikern die bessere da vor allem nachhaltigere Wahl.

  • Zu Lucas: ich gebe dir Recht mit den Grünen! Es ist auch eine Plage mit denen.

  • Was mich immer noch maßlos aufregt, sind die in den letzten Jahren in Mode gekommenen Schanigärten-Podeste. Eine gesetzliche Regelung bräuchte es hier vielleicht gar nicht, da Schanigärten (zumindest auf öffentlichem Grund) meines Wissens ohnehin genehmigt werden müssen. Die Gemeinde müßte die Barrierefreiheit einfach nur zur Bedingung machen. Vielleicht könnten die Grünen in der Stadtregierung ja neben den RadfahrerInnen auch einmal eine Sekunde an die RollstuhlfahrerInnen denken.

  • Diese Bäckerei hat im 7. bezirk noch ein weiteres geschäft umgebaut. Vor dem Umbau war es barrierefrei erreichbar, jetzt nach dem Umbau sind Stufen ins Geschäft. Also bei einem Geschäft wurde 2012 nachträglich die Barrierefreiheit wieder hergestellt. Beim anderen Geschäft dafür neue Barrieren gebaut. Die Firma F. hat also nix dazugelernt und wird wieder geklagt werden müssen, damit auch die zweite neu errichtete Barriere beseitigt wird.