Wiener Linien: Neue taktile Orientierungshilfen in den U-Bahn-Stationen der U3 und U6

Um blinden und sehbehinderten Menschen die Orientierung zu erleichtern, wurden auf den Wiener U-Bahn-Linien U3 und U6 neue taktile Beschriftungen und Bodeninformationen angebracht.

Taktile Tafel am U3 Bahnsteig Volkstheater Richtung Ottakring. Ertastbar sind Stationsname, Fahrtrichtung und Ausgänge.
BIZEPS

In den letzten Monaten wurden auf den Linien U3 und U6, sowie an den an diesen liegenden Knotenpunkten umfangreiche Neuerungen im Bereich der taktilen Informationen geschaffen. Das Ziel dieser Maßnahmen ist es, die Orientierung für sehbehinderte und blinde Menschen zu verbessern.

Den Ausgangspunkt für dieses Projekt bildeten wertvolle Ideen, Gespräche und Rückmeldungen von Selbstvertretungsorganisationen, bei denen die konkreten Herausforderungen bei der Wegfindung in den Wiener U-Bahn-Stationen aufgezeigt wurden.

Die Notwendigkeit ergänzender taktiler Informationen

Nahaufnahme taktile Tafel am U3 Bahnsteig Volkstheater Richtung Ottakring unterhalb des Stationsnotrufs. Ertastbar sind Stationsname, Fahrtrichtung und Ausgänge.
BIZEPS

Taktile Bodeninformationen allein sind nicht selbsterklärend und erfordern zwingend ergänzende Beschriftungen. Um verlässliche Standort- und Richtungsinformationen am Bahnsteig zu bieten, wurden daher spezielle taktile Tafeln entwickelt.

Sie informieren über Standort, Bahnsteig, Gleis sowie Fahrtrichtung und sind leicht auffindbar bei den SOS-Elementen platziert, die direkt an das Bodeninformationssystem angebunden sind. 

Praxisnahe Entwicklung gemeinsam mit Betroffenen

Insgesamt wurden ca. 1200 neue Schilder und Tafeln angebracht. Da es für diese spezifische Kombination aus Bodeninformationen und Tafeln keine fertige oder direkt anwendbare Vorgabe gab, wurden alle Details in enger Zusammenarbeit mit Vertreterinnen und Vertretern der Behindertenverbände erarbeitet.

Der Ausgangspunkt des Projekts war ein ausgiebiger Praxistest mit taktilen Beschriftungen, der ab Ende 2022 in der U1-Station Alte Donau durchgeführt wurde. Die dort von den Nutzer:innen gewonnenen Rückmeldungen waren essenziell und sind direkt in die finale Lösung eingeflossen.

Auf dieser Basis wurde schließlich ein internes Regelwerk der Wiener Linien entwickelt. Dieses dient als praxisnahe Ergänzung zur ÖNORM V 2105 und versteht sich als zusätzliche Orientierungshilfe in den Stationen, ausdrücklich jedoch nicht als Ersatz für ein professionelles Mobilitätstraining.

Das taktile Bodeninformationssystem wurde gezielt durch Handlaufbeschriftungen und Bahnsteigtafeln komplettiert. Zusätzlich wurden auf den Linien U3 und U6 auch Passagen- und Ausgangsbereiche mit neuen taktilen Bodeninformationen ausgestattet, um ein lückenloses Leitsystem zu fördern.

Restliche U-Bahn-Linien

Für die Linien U1, U2 und U4 gibt es derzeit keine Pläne, bestehende Stationen auch um diese taktilen Zusatzinformationen zu erweitern. Neubauprojekte werden allerindgs mit diesen Orientierungstafeln ausgestattet werden.

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