Wiener Neustadt/NÖ im Rollstuhl erlebt

"... da unser Aussehen für sie nicht dasselbe war, als das eines Behinderten."

Reifen eines Rollstuhles
Chlebecek, Mag. Elisabeth

Im Jahr 1992 hat BIZEPS gemeinsam mit der Katholischen Jugend/Land Süd einen Aktionstag in Wiener Neustadt veranstaltet.

Das Ziel der Aktion war, SchülerInnen (Alter zwischen 14 und 18 Jahre) aus Wiener Neustadt ihre eigene Stadt im Rollstuhl erleben zu lassen.

Wir stellten den verschiedenen Teams (bestehend aus Rollstuhlfahrer/in plus 2 BegeleiterInnen) 8 Aufgaben.

Wir stellten bei unserem Stand eine Schachtel mit folgendem Text auf:

BITTE DEINE ER“FAHR“UNGSZETTEL HIER ABGEBEN.

Hier die interessantesten schriftlichen Rückmeldungen der SchülerInnen:

AUFGABE 1

HETTLAGE (ein Einkaufszentrum) mit einer Stufe soll aufgesucht werden und eine Wurstsemmel soll vom „Behinderten“ gekauft werden.

  • Rollifahrer wurde angesprochen!
  • Stufe anstrengend
  • angewiesen sein auf Hilfe
  • übertriebene Höflichkeit, wenn man jemand um Hilfe bittet

AUFGABE 2

ANKER (eine Bäckerei) mit einer Stufe soll aufgesucht werden und ein Krapfen soll vom „Behinderten“ gekauft werden.

  • Ein Mann war uns beim Betreten des Geschäftes sofort behilflich.
  • Verkäuferin war mißtrauisch, da unser Aussehen für sie nicht dasselbe war, als das eines Behinderten.
  • Stufe unnötig!
  • Fand es nicht ganz richtig, daß gesunde Menschen sich in die Rolle eines Behinderten versetzen, da wir uns nicht in dieselbe Lage versetzen können, wie ein Behinderter.
  • viele Passanten warfen kurze mitleidige Blicke zu
  • unfreundliche und skeptische Blicke
  • unnötig hohe Stufe – könnte weggelassen werden
  • Verkaufsstand sollte etwas niedriger sein
  • Kind starrt – Eltern schimpfen
  • freundliche Auskunft
  • Rollstuhlfahrerin wurde angesprochen; etwas überfreundlich
  • sollte besseren Eingang für Rollstuhlfahrer haben
  • Stufe zu hoch; wäre leicht zu verändern (Rampe)
  • sind an Leute und ein Fahrrad mit dem Rollstuhl angestoßen
  • Leute waren wirklich freundlich
  • Stufe für Rollstuhlfahrer alleine unmöglich; eine Frau geht weiter
  • Frau lädt mich auf einen Krapfen ein!
  • Verkäuferin fand es nicht richtig, weil man mit so etwas nicht spaßen sollte.
  • hohe Stufe; könnte man leicht umbauen

AUFGABE 3

Suche eine Telefon. Bei einem nicht behindertengerechten Telefon sollte der „Behinderte“ jemanden anrufen.

  • Frau bleibt mit Kinderwagen stehen und sagt: „Na, arm!“
  • Telefon viel zu hoch!
  • Verhalten der Leute unterschiedlich, wissen nicht was sie tun sollen.
  • älteres Ehepaar hat sich nicht gleich ausgekannt; nicht so unfreundlich
  • Telefonieren ging nicht
  • Fleischhauer bemühte sich uns ein Telefon aufzutreiben; wir gingen mit ihm zu FIRMA FERSTL – dort telefonierten wir
  • Wir haben 3 Leute gefragt, die letzte Person, die wir befragten zeigte uns den Weg.
  • Eine Frau half mir in die Telefonzelle zu kommen. Ich reichte gerade hinauf, um den Schilling einzuwerfen.
  • Ich habe kein Geld. Passantin gibt mir sofort S 1,– !!
  • kein Problem
  • Telefonierender Mann im Rollstuhltelefon ging nicht sofort hinaus, obwohl andere Telefonzelle frei war.
  • Behinderten Telefon ist kaputt! Anderes Telefon sehr schwierig. Alte Frau hilft mir, den Rollstuhl hinzubekommen. „Baba“ sagt sie zu mir!
  • komische Blicke

AUFGABE 4

Der „Behinderte“ soll im Reisebüro (mit Stufe) den Preis eines Fluges nach Athen erfragen.

  • Stufe im Reisebüro ungut
  • Passant half beim hineingehen
  • Problem beim Türe öffnen
  • scheue Blicke der Erwachsenen; Kinder ehrlicher und direkter
  • Stufe zu hoch; Hilflosigkeit!
  • Wir sind ins Reisebüro gekommen!

AUFGABE 5

Der „Behinderte“ soll in einem Fachgeschäft, daß gesucht werden muß, Tee kaufen (viele Stufen).

  • Verzweiflung!!
  • über die Stiegen hinauf war ziemlich schwer; nur mit Hilfe der Verkäuferin geschafft
  • man benötigt mindestens 3 Personen; Umbau nicht möglich
  • Stiege beim Eingang – Schwachsinn!
  • Auf meine Frage nach dem Weg, bekam ich keine Antwort!
  • Bei einem Ausweichmanöver mit dem Rollstuhl wurden wir mit Schimpfwörtern bedroht.
  • Polizei sehr unfreundlich
  • Leute übertrieben hilfsbereit

AUFGABE 6

Der „Behinderte“ soll vom Sparbuch (BAWAG Hauptplatz; Stufe) S 10,– abheben.

  • um Weg gefragt; sehr freundlich
  • Stufe war kein Problem; Tür wurde aufgehalten
  • Angestellten ebenfalls sehr freundlich
  • In der Bank fast alle freundlich. Beim Eingang haben die Leute verdutzt geschaut. Eingang schwierig.
  • 1 Stufe – nur mit Hilfe
  • 1 Stufe, 1 Türe, 1 Frau war unfreundlich

AUFGABE 7

Der „Behinderte“ soll eine Ausstellung im Jugendheim Pinguin besuchen. (Sehr, sehr viele Stufen).

  • Gefühl der Hilflosigkeit; am liebsten wäre ich mehrmals ausgestiegen; speziell auf der steilen Stiege!
  • Obwohl 3 Helfer dabei waren, hatte ich Angst auf der Stiege!
  • Sehr schwierig! Todesängste des Behinderten; starke Anstrengungen der Freunde; hinunter einfacher, trotzdem anstrengend
  • alleine unmöglich!
  • Stiegenaufgang zu schmal; bei Gegenverkehr ganz hinauf oder wieder hinunter

AUFGABE 8

Der „Behinderte“ soll ein behindertengerechtes WC suchen.

  • Auskunft: Es gibt keine in Wiener Neustadt.
  • Frau hilfsbereit, wußte es aber nicht
  • Notrufklingel zu hoch; ebenso der Spiegel nicht erreichbar
  • Frau gefragt – wußte es!
  • schiefer Aufgang zum WC
  • Menschen reagieren übertrieben freundlich und besorgt
  • Notrufklingel zu hoch oben montiert; sehe mich im Spiegel nicht!
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