Wird sich Bildungsministerin Sonja Hammerschmid wirklich für Inklusion einsetzen?

„Mittelfristig ist es das Ziel, so steht es auch im Regierungsübereinkommen, dass wir keine Sonderschulen mehr brauchen, in der Tat. Aber, es muss ein guter Prozess dahinter sein“, hielt Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) im ORF fest. Ein Kommentar.

Vetmeduni Vienna / Daniela Beranek
Vetmeduni Vienna / Daniela Beranek

„Im Jahr 2020 sollen Sonderschulen demnach die Ausnahme sein und inklusive Mittelschulen die Normalität“, berichtet auch DerStandard.

Im März 2017 erklärte Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) in der ORF-Sendung „Hohes Haus“ ihren Standpunkt.

Nun ist im Juli 2017 in den Salzburger Nachrichten zu lesen: „Trotz Bekenntnisses zur Inklusion will Hammerschmid die Sonderschulen nicht abschaffen: Es gehe künftig vielmehr darum, diese zu öffnen und deren Infrastruktur sowie die Erfahrungen der Sonderpädagogen zu nutzen. Das könne man etwa mit den neuen Schulclustern erreichen – schon jetzt seien viele Sonderschulen im gleichen Gebäude wie etwa neue Mittelschulen untergebracht.“

Diese Aussage könnte man auch so verstehen, dass die Sonderschulen einfach unter dem gleichen Schuldach weitergeführt werden sollen.

Naivität oder Kapitulation?

Die Position „Öffnen wir die Sonderschulen und dann wird sich das schon lösen“ ist eine ziemlich naive Vorstellung. Sonderschulen – die laut Gesetz in Zentren für Inklusiv- und Sonderpädagogik – umbenannt wurden, suchen sich immer neue Zielgruppen. Diese Erfahrung musste die Schulpolitik machen, weil trotz sinkender Gesamt-SchülerInnen-Zahl die Zahl der SchülerInnen in Sonderschulen beinahe gleich blieb.

Naiv ist die Position des „Öffnen wir die Sonderschulen“ der Bildungsministerin (übrigens auch des Behindertenanwalts) besonders dann, wenn im gleichen Atemzug von dem positiven Beispiel Südtirol – wo schon seit Jahrzehnten Inklusion herrscht – gesprochen wird. Gerade das Beispiel Südtirol zeigt klar, dass hier eine Order von oben der einzig erfolgsversprechende Weg war.

Doch Österreichs Schulpolitik ist nicht bereit Inklusion wirklich umzusetzen. Es gibt starke Kräfte – und auch Kampagnen der ÖVP Niederösterreichfür Sonderschulen.

Sonja Hammerschmid wurde am 14. Juli 2017 zur SPÖ-Spitzenkandidatin in Niederösterreich gewählt. Ihr wird von der niederösterreichischen ÖVP sicherlich laufend ihr Eintreten für Inklusion vorgehalten. 

Wird sich Bildungsministerin Sonja Hammerschmid in Zukunft wirklich für Inklusion einsetzen? Oder wird sie das Thema einfach vermeiden, vor dem Widerstand kapitulieren und faulen Kompromissen oder Verzögerungen zustimmen. Wir werden genau hinsehen und aufpassen müssen.

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2 Kommentare

  • Eine dringende Maßnahme in Richtung Inklusion wäre es für Schülerinnen mit Behinderung ein Recht auf Anpassung der Rahmenbedingungen von Prüfungen, Schularbeiten usw. gesetzlich zu verankern. Während dieses Recht im Universitätsgesetz festgeschriebenist, ist es für Schulen eine Kann-Bestimmung, die Schülerinnen mit Behinderung dem Good-Will von Direktorinnen ausliefert und teilweise massiv benachteiligt.

  • Ich finde sowohl die Worte der Ministerin, in aller Öffentlichkeit auch gegen Widerstand ausgesprochen, als auch ihre überzeugte Haltung, die dahinter steckt, als das Positivste, was seit vielen Jahren (seit Rudolf Scholten) aus dem Bildungsministerium zum Thema Integration/Inklusion gekommen ist! Wir sollten diesen positiven Schwung lieber nutzen und verstärken als übermäßig kritisch und misstrauisch zu sein.
    Auch ich habe Hoffnungen in die neuen Schulcluster, wird doch der Cluster-Leister schulstandortübergreifend über den flexiblen Ressourceneinsatz von Sonderpädagogen in seinem Cluster entscheiden können. Zusätzlich fällt §27 SchOG, was die flexible Zuteilung von sonderpädagogischen Ressourcen unabhängig von Sonderschulen befördern wird.
    Sehr wohl muss sich unser Augenmerk aber auf blockierende Lehrergewerkschafter, Politiker aus ÖVP-/FPÖ-Kreisen und zum Teil auch Elterninitiativen richten!