Wird Tötungsphilosoph Peter Singer in Deutschland hoffähig?

Trotz zahlreicher Proteste konnte der umstrittene australische Philosoph Peter Singer in Deutschland seine Thesen vortragen, vergangene Woche in Heidelberg und am 13. Dezember Abend in Düsseldorf.

Flagge Deutschland
BilderBox.com

Pfarrer Klaus-Dieter Kottnik vom Bundesverband der evangelischen Behindertenhilfe ist empört, dass der Ethiker für die aktive Tötung schwerstbehinderter Menschen ein Podium für seine Agitationszwecke erhielt.

An der Heinrich-Heine-Universität war heute Abend trotz zahlreicher Proteste der umstrittene australische Philosoph Peter Singer eingeladen. Der Bioethik-Professor hatte als Thema „Neue Betrachtungsweisen eines alten Verhältnisses. Der Wandel der Beziehungen zwischen Mensch und Tier“ gewählt.

Nach 15-jähriger Debatte über Redeverbot im deutschsprachigen Raum war ihm in Heidelberg und Düsseldorf erstmals ein öffentliches Podium zugestanden worden. Auf einer internationalen Konferenz in Heidelberg sprach sich der Ethiker für die aktive Tötung schwerstbehinderter Menschen aus. Der Bundesverband der evangelischen Behindertenhilfe forderte zuvor noch, Peter Singer in Deutschland kein Podium für Agitationszwecke zur Verfügung zu stellen.

„Wenn Ärzte vor die Entscheidung gestellt werden, ein schwer behindertes neugeborenes Kind oder ein gesundes Schimpansenbaby zu retten, so halte ich es für legitim, das Leben des Affen dem des behinderten Menschen vorzuziehen“, konstatierte Singer in seinem Heidelberger Vortrag. Das Lebensrecht eines Menschen knüpfte er an Fähigkeiten wie Selbstbewusstsein und einen Sinn für Zukunft. Wer diese Fähigkeiten nicht besitze, so unterstrich Singer nochmals in seinem öffentlichen Diskurs, der habe auch kein Recht auf Leben.

„64 Jahre nach zigtausendfachem Mord an Menschen mit Behinderungen in Deutschland darf offensichtlich das Lebensrecht behinderter, schädelhirnverletzter und auch schwerstpflegebedürftiger alter Menschen wieder öffentlich in Frage gestellt werden“, so der erste Vorsitzende des BeB, Pfarrer Klaus-Dieter Kottnik. „Dies ist ein Angriff auf die Menschenwürde, die das Grundgesetz allen Menschen zuerkennt! Und es ist ein Schlag gegen die Grundlagen des christlichen Menschenverständnisses, das zu den Grundfesten des demokratischen Deutschland gehört“, sagte der Pfarrer.

Wie am vergangenen Freitag die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland protestiert der Bundesverband evangelische Behindertenhilfe mit aller Entschiedenheit gegen die Auftritte des australischen Philosophen in Deutschland. Seine Thesen sind in vielen Fachdiskussionen und auch in den Auseinandersetzungen der Enquete-Kommission „Recht und Ethik der modernen Medizin“ mannigfaltig widerlegt worden.

„Augenscheinlich aber ist es in einer Zeit der Diskussion um Sozialstandards wieder opportun, das Lebensrecht der Menschen, die sich nicht dagegen wehren können, unter dem Deckmantel vermeintlicher Humanität anzuzweifeln“, folgert Kottnik aus der Tatsache, dass Singers Heidelberger Vortrag nahezu unangefochten öffentliches Gehör fand.

Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich
Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

0 Kommentare

  • Da Ihr Forum ene“offene und demokratische Diskursplattform “ ist,darf ich wohl auch meine – Ihren Ausführungen total entgegengestzte Meinung äußern: Ob es uns gefällt, oder nicht: die extreme Überalterung unserer Bevölkerung, welche durch die Möglichkeiten der modernen Medizin die dadurch auch eine – bis noch in der vorherigen Generation wirksame „natürliche Selektion“ außer Kraft gesetzt hat, zwingt uns einfach über Eugenik nachzudenken. Proteste ändern nichts an dieser Tatsache und werden auch eine Entwicklung in diese Richtung nicht aufhalten.

    Was die selbstbestimmte Beendigung des eigenen Lebens (nur im Deutschen mit „Mord“ gleichgesetzt) betrifft, so ist dies – falls die professionelle Hilfe hierzu nicht „gesetzlich verboten“ wäre, doch wohl eine würdigere Art des Sterbens, als – entmündigt und abhängig an Apparaten hängend -(vielleicht dann ein wenig länger noch atmend) ein jammervolles Ende zu nehmen. Ich darf das – denke ich – sagen, den ich gehöre bereits zu den „Alten“