Wohin führt die schulische Integration?

Behinderte Menschen am Wiener Arbeitsmarkt

Jutta Sander
GRÜNE

Im Schuljahr 1986/87 wurde die erste von mittlerweile 265 Integrationsklassen eingeführt. Doch auch mit einem Abschluß ihrer Ausbildung in einer Integrationsklasse bleibt behinderten SchülerInnen der Weg auf den regulären Arbeitsmarkt versperrt.
Mehr als Lippenbekenntnisse gibt es nicht, berufliche Integration ist mehr als schwierig und gelingt nur selten.

Integration ins Berufsleben gescheitert
So bleiben nur Trainings- und Unterstützungsmaßnahmen, Sonderprogramme, Sonderausbildungsprojekte und Werkstättenzentren als „Einstieg“ in die Arbeitswelt. Diese Maßnahmen haben schon bisher zu einer Benachteiligung in den beruflichen Perspektiven geführt. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Gegenwärtig ist die Integration ins Berufsleben daher als gescheitert zu bewerten.

Auch die Änderungen zum Behinderteneinstellungsgesetz, das gerade den Ministerrat passierte, können an dieser Praxis nicht rütteln. Die Grüne Nationalratsabgeordnete Theresia Haidlmayr meint, daß die geplanten Änderungen viel zu kurz greifen.

Sie kritisiert vor allem die viel zu niedere Ausgleichstaxe, die Betriebe gern bezahlen, bevor sie behinderte Menschen in ihr Unternehmen aufnehmen. Die Arbeitslosenquote von behinderten Menschen liegt österreichweit demnach auch bei etwa 13 Prozent.

Die Stadt Wien verhält sich dabei nicht anders. Seit Jahren kritisiere ich als Behindertensprecherin der Wiener Grünen, daß die Stadt Wien die Quoten nach dem Behinderteneinstellungsgesetz bei weitem nicht erfüllt. Wien stellt geradezu seit vielen Jahren das österreichweite Schlußlicht dar. Dafür dürfen die SteuerzahlerInnen allerdings auch tief in die Tasche greifen.

Abschlagszahlungen statt Quotenerfüllung
Die Stadt Wien zahlte 1994 17.461.907,- Schilling, im Jahr 1995 17.512.824,- an Ausgleichstaxe. Für die Jahre 1996 und 1997 lieben noch keine Beträge vor (zum Vergleich: 1990 ca. 13 Mio. öS, 1991 ca. 10 Mio. öS, 1992 ca. 9 Mio. öS 1993 ca. 6 Mio. öS). Gern wird in hohe Summen für Abschlagszahlungen investiert, anstatt an konkreter beruflicher Integration zu arbeiten.

Gerade die Stadt Wien als große öffentliche Institution ist aufgefordert, endlich ihre Vorbildrolle wahrzunehmen und die Quoten nach dem Behinderteneinstellungsgesetz zu erfüllen. Allerdings ist das Gegenteil Realität. Während im Jahr 1994 2.081 behinderte Menschen bei der Stadt Wien beschäftigt waren, waren es im Dezember 1997 nur mehr 1.586.

Keine Karriere möglich
Gern verweisen die zuständigen Stadträtinnen Laska und Mag. Brauner bei dieser Gelegenheit auf die ach so tolle Sonderaktion bei der Stadt Wien. Aber wie schaut diese in der Praxis aus: 653 begünstigte Behinderte sind nach dieser Form beschäftigt, sie läßt jedoch keine tatsächliche Integration auf einen Arbeitsplatz zu.

Da die Bediensteten keine systematisierten Dienstposten besetzen und der sogenannten Personalausgleichstelle angehören ist auch keine Karriere innerhalb der Dienststelle möglich – das heißt, daß sich Karrieren bloß auf die Biennalsprünge beschränken. Behinderte Menschen in der Sonderaktion sind daher zusätzlich diskriminiert.

Wenn die Früchte der schulischen Integration auch geerntet werden sollen, dann ist raschen Handeln nötig, politische Sonntagsreden und Lippenbekenntnisse werden die tatsächliche Integration von behinderten Menschen im Berufsleben nicht herbeiführen!

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