Wohnen und Leben wie alle anderen auch

Die freie Sozialwissenschafterin Mag. Petra Flieger hat für die Zeitschrift monat, Ausgabe Februar, dieses Thema unter besonderen Berücksichtigung der UN-Behindertenrechtskonvention näher beleuchtet.

Petra Flieger
Petra Flieger

„Artikel 19 der UN Konvention ist unmissverständlich“, leitet Mag. Flieger ein und möchte von Anfang an keine Zweifel offen lassen: „Menschen mit Behinderungen haben das Recht, ihren Aufenthaltsort zu wählen und zu entscheiden, wo und mit wem sie leben. Es ist sicherzustellen, dass sie nicht in besonderen Wohnformen leben müssen.“

Jahrzehnte lang wurde eine falsch verstandene Fürsorgepolitik betrieben oder es wurde angeblich aus Kostengründen so entschieden.

„Es muss davon ausgegangen werden, dass in Österreich deutlich mehr behinderte Menschen in großen Heimen als in den eigenen vier Wänden mit bedarfsorientierter Persönlicher Assistenz leben“, so die Sozialwissenschaftlerin. Sie nennt in dem Artikel auch Zahlen: „Z.B. das Pflegezentrum in Kainbach in der Steiermark mit ca. 600 behinderten Menschen, das Institut Hartheim in Oberösterreich mit ca. 250, das Institut St. Josef in Tirol mit ca. 160 oder das Clara-Fey Kinderheim in Wien mit knapp 90 behinderten Kindern und Jugendlichen.“

Keine Daten über Heime

In Österreich werden behinderte Menschen in Heimen aus Statistiken beinahe ausgeblendet. „Weder gibt es Daten darüber, wie viele Personen in welchen Einrichtungen betreut werden, noch ist bekannt, wie die Lebensqualität in Einrichtungen der Behindertenhilfe zu beurteilen ist“, kritisiert Flieger und zeigt, wie in der Praxis mit Statistik umgegangen wird: „Deren BewohnerInnen werden bei Mikrozensuserhebungen der Statistik Austria nicht berücksichtigt, bei Haushaltsbefragungen antworten die EinrichtungsleiterInnen. Es liegen keine differenzierten Angaben darüber vor, wohin Gelder in diesem Bereich fließen: Wie viel Geld erhalten Großeinrichtungen, wie viel kleinere Einrichtungen?“

Persönliche Assistenz

Heime spiegeln eine traditionelle Fürsorgementalität wider, hält sie fest und ergänzt: „Persönliche Assistenz gibt es nur dort, wo sich engagierte Frauen und Männer mit Behinderung in jahrelangen politischen Kämpfen dafür eingesetzt haben.“

Auch auf die Frage der Kosten: „Wie viel Geld wird für gemeindenahe Unterstützung und Persönliche Assistenz ausgegeben?“ geht Flieger mehrfach in ihrem Artikel ein und berichtet: „Da mittlerweile großangelegte Studien vorliegen, die eindeutig zeigen, dass die Gesamtkosten von gemeinwesenorientierten Unterstützungsmodellen nicht höher sind als jene für institutionelle Betreuung, ist das Kostenargument hinfällig.“

Exakt das gleiche Ergebnis konnte man kürzlich in einem Wiener Kontrollamtsbericht lesen, wenn dort festgestellt wurde: „Die Kosten für Persönliche Assistenz betragen pro Tag durchschnittlich 195,- Euro. Im Vergleich dazu muss im Rahmen der ‚klassischen‘ Behindertenhilfe für ein typisches Leistungspaket bestehend aus Vollbetreutem Wohnen, Beschäftigungstherapie und Fahrtendienst mit Kosten in der Höhe von durchschnittlich mindestens 170,– EUR bis über 210,– EUR gerechnet werden. Hierbei ist der mögliche gleichzeitige Bezug von weiteren Förderungen (z.B. Hilfsmitteln) noch nicht berücksichtigt.“

Höhere Qualität

Ein noch viel wichtigeres Argument führt Flieger abschließend auch noch an: „International herrscht Einigkeit darüber, dass nur stark individualisierte und gemeinwesenorientierte Unterstützungsstrukturen eine angemessene Lebensqualität für behinderte Personen sicherstellen.“

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0 Kommentare

  • Die Vorstellung, in so einer Großinstitution betreut zu werden, treibt mir die Gänsehaut rauf und runter. Danke für den Artikel.

  • Danke für den interessanten Artikel!

  • solange von wiener-wohnen noch immer barrierefreie rollstuhl gerechte mit auffahrtsrampe versehehne wohnungen an nicht behinderte vergeben werden wie in wien-meidling hayden-hof 1A-5unter dem vorsitz von unserer bezirksvorsteherin mit wissen des hr.bundespräsidenten des hr.bürgermeisters sämtlichen wissen aller behinderten vereine wird sich leider nichts ändern so schauts aus in made in austria

  • Danke für diesen Beitrag!

  • 1a – danke für diese klaren Worte! Wann dringt dieses Wissen endlich nach NÖ?