Wohnen von behinderten Menschen: Österreich bei der Umsetzung der UN-Konvention säumig

Schönwiese fordert Maßnahmen zur Umsetzung der seit 2008 geltenden UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen.

Volker Schönwiese
Volker Schönwiese

Prof. Volker Schönwiese von Selbstbestimmt Leben Tirol fordert am 31. März 2010 im BIZEPS-INFO Gespräch umgehend eine öffentliche Diskussion des Themas. „Es ist dringend an der Zeit, dass auch in Österreich über Ausbeutung, Gewalt und Missbrauch in Einrichtungen der Behindertenhilfe gesprochen wird. Niemand kann so tun, als ob das in Österreich kein Thema wäre.“

Angesprochen auf die Kritik verweist Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) im Ö1-Mittagsjournal auf einen am 29. März 2010 von ihm angekündigten Aktionsplan für Menschen mit Behinderung.

Er geht davon aus, dass „wir das, was nicht mehr Standard ist einerseits 100 %ig erfahren werden und dann natürlich gegensteuern werden.“ Der Sozialminister kündigt eine Evaluierung der Betreuung von Menschen mit Behinderung an. „Ich bin derzeit dabei, diese Evaluierung zu starten. Es ist erstmalig seit es die UNO-Konvetion dies tut. Und dann werden wir weitersehen.“

Schönwiese: Gemeinsame Maßnahmen setzen

Im Online-Standard vom 1. April 2010 fordert Schönwiese: „Alle Betreuungseinrichtungen, die über eine Wohngemeinschaft von vier oder fünf Personen hinaus gehen sind zu groß und müssen umstrukturiert werden.“ Derzeit existieren in Österreich noch Heime, in denen über hundert Menschen mit Behinderung untergebracht sind. Gemeinden, Bund und Länder sollten gemeinsame Maßnahmen setzen, um die Situation zu verbessern“.

Schulze: Es bedarf einer kritischen Durchsicht

Es bedarf einer „kritischen Durchsicht“ hält Marianne Schulze, Vorsitzende des Unabhängigen Monitoringausschusses zur Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, auf ORF-Anfrage fest und kündigt an, dass sich „dramatisch“ etwas ändern muss, wenn die Konvention ernst genommen wird. „Gefordert ist die Politik“, meint sie abschließend.

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0 Kommentare

  • Besonderes Augenmerk sollte auf den Menschen liegen, die sich nicht so gut ausdrücken können und die keine Angehörigen haben, die für sie eintreten. Sie sollten von unabhängigen Personen (in leichter Sprache) unterstützt werden.

  • Das fängt beim Wohnbau an: So lange nicht alle neuen Wohnungen 100 % barrierefrei sind, hat man als Behinderter von vorn herein kaum eine Wahl! Seit Jahren ist das Problem bekannt, aber viele Landesbauordnungen haben gar keine Barrierefreiheit vorgesehen oder wenn, dann oft nur 1 appartment auf 50 Wohnungen oder so. Was aber wenn ich nicht im Erdgeschoß wohnen will? Oder Freund besucheen will?

    Dabei wäre die Lösung einfach: Erfahrungsaustausch von Bundesländern mit sinnvollen Verordnungen, Entwurf, Verordnung. Basta. Aber nein, nicht ein Mal nach dem „Jahr der Behinderten“ ist irgendwas passiert, das ist jetzt sieben Jahre her!

  • Viel wichtiger als Heime abzuschaffen finde ich muss eine echte Wahlmöglichkeit bestehen. Als Mensch mit Behinderung muss ich selbst entscheiden können und dürfen wie ich leben will, das könnte unter Umständen sogar das Heim sein, aber ICH will das entscheiden. Alles andere sind doch reine Schattenkämpfe, vorzuschreiben wieviele Bewohner eine Einrichtung haben kann und darf, das führt sicher nicht zum Ziel. Und was nützt mir dann Entscheidungsfreiheit wenn es keine alternativen Angebote gibt?